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    KoblenzPremiere: Wie der Dichter leidenschaftlich liebte und litt

    Er wollte geliebt werden und machte es denjenigen, die ihn liebten, oft unendlich schwer. Lieben und Leiden waren bei ihm stets eng verknüpft, die Frauen sein Ideal und sein Schicksal.

    Das Team um Waltraud Heldermann (3. von rechts), mit dem sie die szenische Lesung auf Schloss Stolzenfels inszeniert: Harald Preis (rechts) gibt Clemens Brentano, musikalisch begleitet von Gitarristin Katrin Zurborg (Gitarre) und den Mitgliedern von Canti-Ko.
    Das Team um Waltraud Heldermann (3. von rechts), mit dem sie die szenische Lesung auf Schloss Stolzenfels inszeniert: Harald Preis (rechts) gibt Clemens Brentano, musikalisch begleitet von Gitarristin Katrin Zurborg (Gitarre) und den Mitgliedern von Canti-Ko.

    Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

     Ihnen schrieb er Briefe und Gedichte, sehnsuchts- und vorwurfsvoll, leidenschaftlich und ironisch, feurig und kalt. Der Beziehung des am 8. September 1778 in Ehrenbreitstein geborenen Romantikers Clemens Brentano zu den Frauen und zur Liebe widmete sich jetzt eine von Waltraud Heldermann, Leiterin des Theaters am Werk, inszenierte „Szenische Lesung mit Musik“ in der Sommerhalle von Schloss Stolzenfels unter dem Titel „Ich habe Ihnen ja ewig mein tiefstes Herz erschlossen“.

    Sophie Mereau ist zentrale Figur

    Brentano, die Liebe und die Frauen, das ist eine unendliche Geschichte. Deshalb beschränkte sich Armin Schlechter aus dem Landesbibliothekszentrum Speyer bei der Auswahl der Briefe auf die Zeitspanne zwischen 1797 und 1808. Zentrale Figur ist die von allen in Jena versammelten frühromantischen Geistern umschwärmte Professorengattin Sophie Mereau. Auch Brentano, der zum Studium der Medizin in die Stadt gekommen war, davon aber schnell ab- und zur Literatur hinrückte, entflammt für die ebenso schöne wie gebildete Mereau. Ein Jüngling, der, wie sein Romanheld Godwi, an der Liebe leidet und doch ohne sie nicht leben kann.

    Mainzer verkörpert Jüngling

    Der Mainzer Schauspieler Harald Preis schlüpft lesend in seine Rolle. Er tut dies intensiv, aber ohne Überzeichnung, schon bei einem der ersten Briefe, die Clemens im August 1799 an die Mereau schreibt: „… wenn es wahr ist, daß Du mich liebst, ach, dann ist es gar nicht möglich! Ich stand an Deinem Wagen, als Du ausstiegst, und wollte Dich berühren, um zu sehen, ob Du denn wirklich in der Welt sein könntest, weil Du mich liebst, und ich mich Dir so ganz so aufrichtig gegeben habe.“

    Das Verhältnis zur neun Jahre älteren Frau ist latent zwiespältig, bricht im Sommer 1800 erst einmal ab. Brentano tröstet sich mit Minna Reichenbach und mit Johanna Kraus. Beklagt sich unter anderem beim „Günderödchen“, der Schriftstellerin Karoline von Günderode, über seinen „schrecklichen Zustand“, wütet, fleht in den Briefen an die Mereau, die er auch weiterhin schreibt, „… denn Sie sollten mir ja das Schönste werden, das mir werden konnte.“ 1803 erhört ihn die jetzt Geschiedene, heiratet ihn. Nur drei Jahre später, im November 1806, stirbt Sophie bei der Totgeburt einer Tochter.

    Hässliche Bankierstochter

    Den Brief, in dem Brentano dem Freund Achim von Arnim das schildert, durchlebt Preis eindringlich. Angesichts solchen Leids mag man kaum glauben, wenn Brentano schon im Sommer 1807 von seiner Affäre mit der als verwöhnt, plump und hässlich geschilderten 16-jährigen Frankfurter Bankierstochter Auguste Bußmann berichtet. Wenig später heiratet er sie gar. Es ist der Start einer turbulenten, unglücklichen Ehe („Solche Charaktere führen aufs Schafott.“). Was bleibt? Resignation wie im „Nun gute Nacht, mein Leben.“

    Richtig rund wird der Abend durch Gedichte und Lieder, gesungen von dem Ensemble Canti-Ko, dahinter stehen Birgit Braun, Susanne Wörle, Joachim Fox und Peter Hachmann. Und Katrin Zurborg, auch bei den bisherigen Brentano-Abenden mit dabei, reagiert einfühlsam mit ihrer E-Gitarre aufs Wort.

     

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