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    Neuwied als Land des jazzigen Lächelns

    Was bringt Jazzfans zum Lächeln? Magische Improvisationen – natürlich. Die Nähe zu Künstlern von Weltruf – das auch. Eine gute Konzertatmosphäre – sicher. In Neuwied kam nun noch mehr dazu: Dort sind es eingefleischte Jazzfans, die seit mehr als 30 Jahren ein Festival von internationaler Wirkkraft organisieren. Am Wochenende lächelten sie glücklich: Denn ihre Veranstaltung war nicht nur künstlerisch wertvoll, sie stieß auch auf eine große Resonanz.

    Virtuoser Meister der Trommeln und Becken: Beim Neuwieder  Jazzfestival zeigte Drummer Manu Katché, wie abwechslungsreich und  vielschichtig das Schlagzeugspiel im Jazz sein kann. Der Franzose war  einer der Künstler von Weltruf, die das 33. Festival zum Erfolg machten.
    Virtuoser Meister der Trommeln und Becken: Beim Neuwieder Jazzfestival zeigte Drummer Manu Katché, wie abwechslungsreich und vielschichtig das Schlagzeugspiel im Jazz sein kann. Der Franzose war einer der Künstler von Weltruf, die das 33. Festival zum Erfolg machten.
    Foto: Jörg Niebergall

    Neuwied. Was bringt Jazzfans zum Lächeln? Magische Improvisationen – natürlich. Die Nähe zu Künstlern von Weltruf – das auch. Eine gute Konzertatmosphäre – sicher. In Neuwied kam nun noch mehr dazu: Dort sind es eingefleischte Jazzfans, die seit mehr als 30 Jahren ein Festival von internationaler Wirkkraft organisieren.

    Am Wochenende lächelten sie glücklich: Denn ihre Veranstaltung war nicht nur künstlerisch wertvoll, sie stieß auch auf eine große Resonanz. Das Heimathaus war an beiden Tagen nahezu ausverkauft.

    Das lag am Programm: Mit Ketil Björnstad und Martin Tingvall blieb die Jazzinitiative ihrer schönen Tradition treu, skandinavische Pianisten zu präsentieren. Zudem standen mit den Musikern des Manu Katché Quartetts und des Dave Holland Quintetts echte Künstler von Weltruf auf der Bühne.

     

    Der heimliche Star

    Björnstad eröffnete das Festival. Der Mann aus Oslo, nur für dieses eine Konzert nach Deutschland gereist, wurde zum heimlichen Star des Wochenendes. Er zeigte bei seinen hoch konzentriert vorgetragenen Songzyklen seine ganze Meisterschaft. Der Pianist, der seine klassische Ausbildung nicht verleugnet, glänzte in ausgedehnt lyrischen Passagen, die immer wieder von expressiven Clustern durchbrochen wurden. Wie in „The Orphan Child“: Das habe er live noch nie solo gespielt, sagte er. Um sich dann in ein Werk zu stürzen, das von intensiven rhythmischen Passagen und großer Melodievielfalt geprägt ist – Klangkaskaden, die immer dem Wohlklang verpflichtet bleiben.

    Schlagzeuger Manu Katché ist einem breiten Publikum wegen seiner Arbeit für Sting, Peter Ga-briel und Jan Garbarek bekannt. Der Franzose und seine drei Mitstreiter stellten Stücke ihrer aktuellen CD „Third Round“ in den Fokus ihres perfekt gespielten, allerdings wenig inspirierten Sets. Das nahm erst in der zweiten Hälfte an Fahrt auf, als Saxofonist Tore Brunborg, Tastenmann Alfio Origlio und Bassist Laurent Vernerey die den Stücken wie „Being Ben“ innewohnende Dynamik intensiver ausloteten. Dank hervorragender Arbeit des Soundmixers konnten die Zuhörer die vielschichtige Arbeit Katchés en detail verfolgen.

     

    Tingvall, der Charmeur

    Der schwedische Tastenvirtuose Martin Tingvall entpuppte sich beim Auftritt seines Trios als charmanter Conférencier. Schnell sprang der Funke zum Publikum über, das die Musiker – neben Tingvall Drummer Jürgen Spiegel und Kontrabassist Omar Rodriguez Calvo – ausgelassen feierte. Tingvalls Markenzeichen ist das dynamische Wechselspiel zwischen bezaubernden, swingenden Melodien, die fast schon Pop sind, ohne die Essenz des Jazz zu verleugnen, und kraftvollen rhythmischen Exkursionen, die auch Schlagzeug und Bass die Chance bieten, sich als eigenständige Akteure zu etablieren. In Stücken wie „Troll Dance“ und „Monster“ begeben sich die Musiker auf wilde Jagden durch Blues, Bop und Atonalem, ohne dabei das rhythmische Fundament aus den Augen zu verlieren.

    Wie variantenreich diese Fundamente sein können, unterstrich pianofrei das Dave Holland Quintett. Hollands Formation lebt vor allem vom ausgefallenen Klangbild, für das Posaunist Robin Eubanks, Saxofonist Chris Potter und Vibrafon-Spieler Steve Nelson verantwortlich zeichnen. Diesem Trio gaben Holland und Drummer Nate Smith mit ihrem nuancenreichen Spiel in Stücken wie „Looking Up“ ausreichend Raum zu improvisatorischen Glanzleistungen, die häufig genug den Geist des Free Jazz atmen. Geradezu atemberaubend gelang Eubanks und Potter ein Bläserduett, das deutlich machte, wofür Neuwied steht: für die Möglichkeit, starke improvisierte Musik zu hören. Und zu lächeln.

    Frank Blum

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