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    Naturnahe Kunst statt scharfer Schüsse

    Bis vor einigen Jahrzehnten – auch noch zu Bundeswehrzeiten – wurde auf der Pfaffendorfer Höhe scharf geschossen. Überall in den Ziegelsteinwänden der am oberen Ende der Fritz von Unruh-Straße gelegenen Schießstände auf der Pfaffendorfer Höhe stecken noch die bleiernen Kugeln. Jetzt haben Studenten der Alanus Hochschule Bonn das Terrain entdeckt – und nutzen es für ein ungewöhnliches Kunst-Projekt.

    Koblenz - Bis vor einigen Jahrzehnten – auch noch zu Bundeswehrzeiten – wurde auf der Pfaffendorfer Höhe scharf geschossen. Überall in den Ziegelsteinwänden der am oberen Ende der Fritz von Unruh-Straße gelegenen Schießstände auf der Pfaffendorfer Höhe stecken noch die bleiernen Kugeln. Jetzt haben Studenten der Alanus Hochschule Bonn das Terrain entdeckt – und nutzen es für ein ungewöhnliches Kunst-Projekt.

    Längst hat die Natur das jetzt in Privatbesitz befindliche Terrain zurückerobert, die gewaltigen Backstein- oder Betonbauten sind von Brombeeren und Haselnusssträuchern überwuchert, und wo einst Soldaten marschierten und exerzierten, haben Hasen, Schlingnattern und sogar Feuersalamander Einzug gehalten.

    Ein paar Tage teilen die Tiere nun die Idylle mit 15 Studenten der Alanus Hochschule in Bonn. Die haben, zusammen mit ihrem Lehrer, dem Bildhauer Jochen Breme, die gewohnten Werkstätten gegen das Frischluftatelier eingetauscht, um im Vorfeld der Bundesgartenschau 2011 ein Land-Art-Projekt zu konzipieren und umzusetzen. Das gehört, erklärt Breme, zum festen Studienprogramm und erweist sich für alle Beteiligten stets als ausgesprochen fruchtbare und anregende Angelegenheit abseits trockener akademischer Pfade. „Wichtig ist einfach dieses Leben in einer bestimmten Umgebung, die Auseinandersetzung damit, das kreative, künstlerische Reagieren darauf.“

    Die Umwelt auf der Pfaffendorfer Höhe haben sich die Studenten erst einmal zugänglich machen müssen: mit schmalen Kieswegen, die durch hohes Gras und Gebüsch zu den Schießständen hinführen. Dazwischen stehen Zelte zum Schlafen und Essen. Das ist nicht komfortabel, aber gleich am Busen der Natur. Die Schießstände wirken jetzt, ihrer ursprüngliche Funktion beraubt, fast wie leere Guckkastenbühnen, die auf ihre Wiederbelebung und neue, andere Akteure warten.

    In einigen wird bereits emsig gewerkelt: Studenten sind dabei, mit schweren Basaltsteinen aus Kasernenhöfen einen Boden zu legen. Eine von ihnen ist Julia Dreiseitl, die wie ihre Kommilitonen an der Alanus Hochschule Bildhauerei studiert. „Das ist hier einfach ein ganz anderes Arbeiten“, sagt sie begeistert. „Hier muss man in Dimensionen vorstoßen, die diejenigen einer herkömmlichen Skulptur bei Weitem überschreiten.“

    Auch wenn das Konzept erst vor Ort entwickelt und in allen Feinheiten ausgearbeitet wird: Fest steht schon jetzt, dass die Studenten die Schießstände gezielt umfunktionieren. Ein Schießstand mit neuem Pflasterboden beispielsweise wird sich bis zur Abschlussveranstaltung am Samstag, 19. Juni, in eine Küche verwandeln, ein anderer in eine Lounge, ein dritter möglicherweise in ein Freiluftkino, „in dem man beispielsweise die Filme anschauen kann, die wir über den Verlauf unserer Arbeit drehen werden“, so Brehme.

    Dieses Datum steht gleichzeitig für die Vernissage und die Finissage des Land-Art- Projekts. Bis dahin werden die Studenten an anderen Stellen in Koblenz, beispielsweise am Kastorbrunnen und auf der Pfaffendorfer Mole, mit temporären Aktionen auf ihre Arbeit aufmerksam machen – und darauf, dass sich Koblenz auch schon vor der Buga in Sachen Kunst ein bisschen verwandelt.

    Lieselotte Sauer-Kaulbach

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