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Vallendar

Monumentales für einen bescheidenen Papst: Franziskusmesse feiert Uraufführung

Der Westerwälder Sven Hellinghausen hat eine Papstmesse für Franziskus komponiert. Am Wochenende erklang das oppulente Werk erstmals in Vallendar – und schon bald in Rom. Was Franziskus selbst wohl zu dieser Arbeit sagen würde?

Das Konzert beginnt um 18 Uhr, Einlass ist eine Stunde früher. Lange Schlangen warten da schon vor dem Portal der Pfarrkirche St. Marzellinus und Petrus in Vallendar. Auch wenn sich die Konzertveranstalter schon die größte Hallenkirche am Mittelrhein ausgesucht haben – das Gotteshaus droht aus allen Nähten zu platzen. Auf den Kirchenbänken sitzen die Besucher bereits dicht an dicht, und auch die Stuhlreihen, die hinten im Mittelschiff noch zusätzlich aufgestellt wurden, sind schon besetzt. „So müsste es mal bei der Messe aussehen!“, meint lachend eine Konzertbesucherin.

Dabei geht es auch an diesem Abend vor allem um eine Messe, allerdings um eine ganz bestimmte. Die Messe nämlich, die der im Westerwald lebende Dirigent, Musikpädagoge und Komponist Sven Hellinghausen eigens zum 80. Geburtstag von Papst Franziskus geschrieben hat. Fünf Sätze für Chor, Tenor und sinfonisches Blasorchester, elf Minuten, die jetzt ihre Uraufführung erleben, bevor sie ein paar Tage später im Petersdom in Rom erklingen, von den Verantwortlichen im Vatikan als „papabile“, als papstwürdig befunden. Aus der Franziskusmesse wurde ein aufwendiges „Franziskusprojekt“, bei dem Chorverband und Landesmusikverband Rheinland-Pfalz Hellinghausen, Jahrgang 1975, unterstützten. Landesweit wurden Sänger und Musiker für den 100-köpfigen Chor und das 65 Mitglieder zählende Orchester „gecastet“. Die Basis des Chors bildet der im Jahr 2010 vom SWR und den Chorverbänden des Landes gegründete Sonntagschor.

In diesen Tagen wird Papst Franziskus die ihm gewidmete Messe im Rahmen einer Audienz persönlich überreicht, danach wird sie im Rahmen der heiligen Messe im Petersdom aufgeführt. Daneben geben alle Aktiven des Projekts ein Chor- und Orchesterkonzert in St. Ignatius, einer der größten Kirchen Roms. Weitere Informationen zum Projekt unter www.franziskusmesse.de

Ambitioniertes Projekt

Viel Zeit zum Einstudieren der Messe und des ihr vorausgehenden Programms mit geistlichen Werken, das am 10. November auch in einer der größten römischen Kirchen Roms, in St. Ignatius aufgeführt wird, hatten die Mitwirkenden nicht. Vier Proben beziehungsweise Probenwochenenden mussten reichen, davon nur eine gemeinsame von Chor und Orchester. Kein Wunder, dass die (An-)Spannung an diesem Abend nicht nur unter den Mitwirkenden, sondern auch im Publikum groß ist. Viele der Zuhörer haben Freunde oder Verwandte in Chor oder Orchester, fiebern mit ihnen mit, freuen sich mit ihnen auf Rom. Überall werden Smartphones in die Höhe gereckt, Fotos, Videos aufgenommen. Das Ereignis will dokumentiert sein.

Und dann ist es endlich so weit. Hellinghausen eröffnet mit dem Projektorchester den Abend mit dem „Alleluja! Laudamus te“ des 2005 verstorbenen amerikanischen Komponisten Alfred Reed, ein festlicher, die beeindruckenden Klangmöglichkeiten eines sinfonischen Blasorchesters ausschöpfender Hymnus, der, wie die anderen Instrumentalwerke des Konzerts, das „Nobilitas“ des Belgiers Jan van der Roost oder der Hymnus über den Psalm 23, „Der Herr ist mein Hirte“, schon die Richtung andeutet, in die der Komponist mit seiner Franziskusmesse geht.

Unterstützt von einem von Michael Rinscheid und Mario Siry betreuten Chor, der sich in Felix Mendelssohn Bartholdys „Richte mich Gott“, der zweiten Psalmvertonung des op. 78, die mit ausgedehnten psalmodierenden Passagen der Männerstimmen vor allem auf Textverständnis setzt, ebenso geschlossen und diszipliniert präsentiert wie in Anton Bruckners A-capella-Motette „Locus iste“ oder in Mozarts „Ave verum corpus“, KV 618, parallel zur Arbeit am Requiem entstanden.

Klangvolle Mehrstimmigkeit

Hellinghausen reiht sich mit seiner Franziskusmesse ganz in die Tradition ein, setzt vokal auf glanzvolle Mehrstimmigkeit und instrumental auf mit Pauken, Trompeten, Posaunen und reichlich eingesetzten Röhrenglocken auf beeindruckende Prachtentfaltung. Die strebt nicht nur im Gloria zu immer neuen Gipfeln, kontrastiert durch die Einbeziehung eines Tenors – Christian Dietz – ab dem Sanctus, durch die verstärkte Konzentration auf den Text der Messe, besonders im insgesamt ruhigere Bahnen einschlagenden Agnus Dei. Selbst wenn Hellinghausen beteuert, sein Werk lasse sich auch mit kleinerer Besetzung aufführen: Zuerst ist sie doch ein Opus mit gezieltem Monumentaleffekt. Man darf gespannt sein, was Papst Franziskus, dem der Komponist die Partitur bei einer Audienz überreichen wird, zu diesem Werk sagt.
In diesen Tagen wird Papst Franziskus die ihm gewidmete Messe im Rahmen einer Audienz persönlich überreicht, danach wird sie im Rahmen der heiligen Messe im Petersdom aufgeführt. Daneben geben alle Aktiven des Projekts ein Chor- und Orchesterkonzert in St. Ignatius, einer der größten Kirchen Roms. Weitere Informationen zum Projekt unter www.franziskusmesse.de

Von unserer Mitarbeiterin Lieselotte Sauer-Kaulbach

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