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    Koblenz

    Koblenzer Literaturtage "Ganz Ohr": Bewährtes mit neuen Farben

    Nur unter einen Titel mag Ruth Duchstein die Koblenzer Literaturtage "Ganz Ohr" nicht stellen. Die künstlerische Leiterin nennt lieber drei Überschriften, die programmatisch Unterschiedliches beschreiben und letztlich aus 13 einzelnen Terminen ein großes Ganzes machen.

    Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

    Sie fügen sich zu einem Festival, das den verschiedenen Spielarten der Literatur gerecht werden möchte, wenn es vom 15. bis 27. März stattfindet - wie gehabt an unterschiedlichen Orten der Stadt, mit renommierten Schriftstellern, mit Autoren am Beginn ihrer Karriere und solchen, deren Namen niemand kennt. Noch nicht. Um das zu ändern, gibt es eine Neuerung, womit die erste Festivalüberschrift zum Tragen kommt.

    Die Koblenzer Literaturtage warten mit 13 Terminen auf.
    Die Koblenzer Literaturtage warten mit 13 Terminen auf.
    Foto: dpa

    Überschrift I: Das hatten wir noch nie

    Im achten Jahr von "Ganz Ohr" möchte Ruth Duchstein im Programm zwar durchaus auf Bewährtes setzen - dazu später mehr -, gleichzeitig will sie aber neue Farben in das von der Koblenz-Touristik veranstaltete Festival bringen. In den vergangenen Jahren bekamen während der Literaturtage immer regelmäßig noch unbekannte Autoren ein Podium geboten. Das geschieht wieder.

    Neu ist aber, dass nicht die Verfasser selbst lesen, sondern zwei Schauspieler des Theaters Koblenz: Jana Gwosdek und Jona Mues tragen am 20. März auf der Probebühne 4 des Theaters bislang unveröffentlichte Texte von Studenten und Absolventen des Studiengangs "Szenisches Schreiben" an der Universität der Künste in Berlin vor. Ein Experiment rund um die Nachwuchsliteratur, von dem Duchstein schon jetzt sagt: "Wenn sich diese zwei Schauspieler, die zudem noch großartige Vorleser sind, Texte vornehmen, ist das ein Erlebnis."

    Jona Mues mischt ein weiteres Mal bei "Ganz Ohr" mit - nämlich bei der Literaturmatinee am Sonntag, 15. März, 11 Uhr, im Theater Koblenz. Mit dieser Veranstaltung wird das Festival traditionell eröffnet - und sie bietet zugleich den Auftakt für ein neues Projekt, das Koblenz über die Literaturtage hinaus beschäftigen wird: die Aktion "Eine Stadt liest ein Buch". Hamburg und Köln haben es vorgemacht, jetzt sollen sich auch die Koblenzer in diversen Leseaktionen bis in den Herbst hinein mit einem Buch befassen, mit John von Düffels "Wassererzählungen".

    Er ist nicht nur ein angesehener Schriftsteller, sondern gefragter Dramaturg, der mehrfach für das Theater Koblenz gearbeitet hat. "Ihn für das erste Mal von ,Eine Stadt liest ein Buch' zu gewinnen, ist großartig", sagt Duchstein und setzt darauf, dass die Matinee nicht nur eine schöne Eröffnung für "Ganz Ohr" wird, sondern eine Initialzündung für Koblenz, sich mit von Düffel zu beschäftigen. Für die Matinee tut dies Jona Mues, er liest Texte des Autors - und er tut es nicht allein. Womit der zweite, von Ruth Duchstein gesetzte Titel für "Ganz Ohr" ins Spiel kommt.

    Überschrift II: Versprechen werden eingelöst

    Der Schauspieler liest wie schon vor zwei Jahren mit seinen Brüdern Wanja und Woody. 2013 hatten die Mues-Brüder eine umjubelte Matinee zu Texten von Mark Twain gestaltet. Damals versprachen die drei, das sie wiederkommen. Jetzt ist es so weit. Auch Erfolgsautor Waldimir Kaminer hatte seinerzeit versprochen, erneut nach Koblenz zu kommen - auch er hält Wort, am 16. März ist er im Café Hahn zu Gast. Zwar soll er laut Programm aus seinem Buch "Coole Eltern leben länger" lese. Wahrscheinlicher ist es laut Ruth Duchstein aber, dass Kaminer lieber in seinen Manuskripten gräbt und das vorträgt, an dem er gerade schreibt.

    Auch Axel Hacke, seit 25 Jahren Kolumnist für das Magazin der "Süddeutschen", kehrt wie angekündigt zurück. Am 28. März liest er im Kulturbau "Forum Confluentes" aus seinem "Kolumnistischen Manifest", in dem er seine besten Texte gesammelt hat. Ein angekündigtes Wiedersehen gibt es außerdem mit Hanns-Josef Ortheil, der am 23. März im Rheinsaal der Rhein-Mosel-Halle liest - übrigens ein neuer Spielort für "Ganz Ohr". Ortheil trägt aus seinen Werken "Berlinreise" und "Blauer Weg"vor.

    Auch Elke Heidenreich macht das Versprechen wahr, ein weiteres Mal nach Koblenz zu kommen. Sie liest am 25. März im Theater Koblenz tierische Geschichten aus ihrem Buch "Homestories", das sie mit dem Künstler Daniel Müller gestaltet hat. An diesem Abend gibt es aber nicht nur Texte, sondern auch Töne: Dafür sorgt Heidenreichs Lebensgefährte, der Pianist Marc Aurel Floros. Zudem stehen weitere Wiedersehen bei "Ganz Ohr" an, die allerdings fallen unter den dritten von Ruth Duchstein gesetzten Titel für die Literaturtage.

    Überschrift III: Was ist aus unseren Debütanten geworden?

    "Es ist schön und interessant zu verfolgen, wie es um junge Autoren steht, die bei uns ihr Erstlingswerk vorgestellt und unsere Herzen erobert haben", sagt die künstlerische Leiterin. So wie Annika Reich. 2007 las sie aus ihrem Debüt "Durch den Wind". Jetzt kommt sie mit dem Roman "Die Nächte auf ihrer Seite" am 19. März in Buchhandlung Reuffel zurück.

    Thomas Meyer hat erst im vergangenen Jahr sein Erstlingswerk "Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse" vorgestellt - ein großer Abend. Jetzt bringt er am 22. März sein neues Werk namens "Rechnung über meine Dukaten" ins Kurfürstliche Schloss mit. Ein Neuling im Literaturbetrieb war auch Finn-Ole Heinrich, als er vor zwei Jahren sein Kinderbuch "Frerk, du Zwerg" in der "Ganz Ohr"-Kinderlesung vorstellte.

    Inzwischen wurde er dafür mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet - und er kommt zurück nach Koblenz. Am 27. März liest er in der Stadtbibliothek erneut aus der Geschichte um den kleinen Frerk, allerdings wird diese Lesung jetzt mit Musik gestaltet. Dafür sorgt Schorse, ein Multiinstrumentalist aus Hamburg.

    Bei all dem Neuen, den Versprechen und den Wiedersehen wartet "Ganz Ohr" zudem mit vier Veranstaltungen auf, die Ruth Duchstein losgelöst von Gedanken an Überschriften nach bewährtem Konzept der Literaturtage geplant hat. Da ist der Poetry Slam. Der Wettstreit für junge Dichter gehört seit Jahren zum Festival, steht er doch für eine junge Form der Literatur. Er findet am 17. März im Circus Maximus statt. Jan Philip Zymny, deutschsprachiger Slammeister von 2013, ist mit seinem Bühneprogramm "Bärenkatapult" zu Gast.

    Bewährt ist ebenfalls, dass es bei "Ganz Ohr" hoch literarische Abende gibt: Mit Thomas Hettche, der 2013 als heißer Anwärter für den Deutschen Buchpreis galt, ist dafür gesorgt. Er liest am 24. März im Kurfürstlichen Schloss aus seinem Buch "Pfaueninsel". Anspruchsvoll wird es auch mit Reiner Stach. Er hat mit einer dreibändigen Biografie über Franz Kafka von sich reden gemacht. Aus dem letzten Teil "Kafka. Die frühen Jahre" liest Stach am 26. März in der Stadtbibliothek. Der Abend wird von der Buchhandlung Heimes präsentiert, deren Inhaber Ernst Heimes von den literarischen Qualitäten Stachs schwärmt. "Diese Biografie liest sich wie ein grandioser Roman."

    Bleibt ein Schwenk von renommierten Schriftstellern zur Debütantin des Festivals: Die in Paris lebende, im Westerwald geborene Krimiautorin Andrea Weisbrod liest am 27. März im Deinhards Keller aus ihrem Debüt "Tote Väter". Die Lesung wird gestaltet von den Musikern Thomas Bethmann und Thomas Schmittinger.

    Vorverkauf für die Literaturtage

    Eintrittskarten für die achten Koblenzer Literaturtage"Ganz Ohr" sind ab Samstag, 31. Januar,  erhältlich. Karten kosten in der Regel 15 Euro. Der Eintritt zum Poetry Slam (10 Euro) sowie zur Kinderlesung mit Finn-Ole Heinrich ist günstiger. Hier zahlen Erwachsene 8, Kinder 5 Euro. Zudem gibt es ein Gruppenticket für einen Erwachsenen und zehn Kinder für 40 Euro, bestellbar unter Telefon 0261/303 88 33. Für den Abend mit Elke Heidenreich und Marc Aurel Floros kosten Karten zwischen 10 und 25 Euro.

    Tickets gibt es in der Koblenz-Touristik im Kulturbau, in den Buchhandlungen Reuffel und Heimes sowie bei Becker Hörakustik. Bestellt werden könnten Karten unter Telefon 0651/979 07 77 sowie im Internet unter www.ticket-regional.de.

    Ausschließlich bei Becker Hörakustik sind Karten für die sogenannten Gut-Hör-Plätze erhältlich. Sie sind für Menschen mit vermindertem Hörvermögen gedacht, sie können Plätze in vorderen Sitzreihen kaufen. Zudem können kostenlose Hörverstärker ausgeliehen werden.

    Bei den meisten Lesungen werden regionale Winzer aus den Koblenzer Stadtteilen und die Sektkellerei Deinhard den Besuchern ergänzend ihre Weine anbieten.

    Weitere Informationen zum Programm der Literaturtage gibt es im Internet unter www.koblenz-ganzohr.de

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