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Koblenz

Generationswechsel bei Koblenzer Theaterfreunden

Claus Ambrosius

Gerade ging beim Freundeskreis des Koblenzer Theaters eine Ära zu Ende: Nach 36 Jahren stellte sich Hubert Scherer (84) nicht mehr als Vorsitzender zur Wahl – mit der erklärten Absicht, das Amt nicht nur in vertrauenswürdige, sondern vor allem auch in deutlich jüngere Hände übergeben zu wollen (wir berichteten). Diesem Wunsch des Gründungsvorsitzenden wurde bei der Wahl entsprochen: Zu seinem Nachfolger wurde einstimmig Dr. Fabian Freisberg erkoren – geboren 1982, just in dem Jahr, als der Freundeskreis des Theaters gegründet wurde.

Musikwissenschaftler mit Hang zu Antiquitäten, Kunst und einem Händchen für das Aufspüren wertvoller Weinraritäten: Dr. Fabian Freisberg ist der neue Vorsitzende des Freundeskreises des Theaters Koblenz.  Foto: Ambrosius
Musikwissenschaftler mit Hang zu Antiquitäten, Kunst und einem Händchen für das Aufspüren wertvoller Weinraritäten: Dr. Fabian Freisberg ist der neue Vorsitzende des Freundeskreises des Theaters Koblenz.
Foto: Ambrosius

Wer die Wohnung des Unternehmers und promovierten Musikwissenschaftlers betritt, kommt nicht gleich auf die Idee, dass es sich um die Privaträume eines Mittdreißigers handelt: Die Liebe Freisbergs zur Kunst und Antiquitäten ist in den ausgesuchten Werken regionaler Maler der vorvergangenen Jahrhundertwende allgegenwärtig, die Stücke sind perfekt aufeinander abgestimmt. Auch das Drumherum passt, aus dem Fenster des Altbaus schaut man zwischen den Häusern am Ufer hindurch von der Pfaffendorfer Seite aus in Richtung Rheinanlagen. Eine Zwischenlösung für den selbstständigen Unternehmer, der bereits seit zwei Jahren in seiner Heimatstadt Koblenz das sucht, was so viele suchen: das passende Haus.

Freisberg ist jemand, den man als Premierengast im Theater mit Sicherheit kennt, der aber auch abseits der Bühne immer wieder in der Stadt unterwegs war und ist: „Ich bin ein Altstadtgesicht“, sagt er lachend – und er ist es auch in den Jahren geblieben, in denen er seinen Lebensmittelpunkt zunächst nach Bayern, Berlin und schließlich ins Saarland verlagert hatte.

Nach Hubert Scherer, der seine künstlerische Ader in seiner Leidenschaft für das Klavier pflegt, folgt mit Freisberg ebenfalls ein musikaffiner Vorsitzender mit den Eckpunkten Musikwissenschaft, Orgel und Gesang. Seine Dissertation zur Kirchenmusik Anton Bruckners ist seit den 1920er-Jahren die erste Darstellung dessen Gesamtwerks – nach der akribischen Bibliotheksarbeit zur Bereinigung vieler sich fortsetzender Irrtümer und Ungenauigkeiten hätte sich Freisberg auch eine akademische Laufbahn vorstellen können.

Die eher zufällige Berufung ins Familienmetier im IT-Bereich unterbrach diese Pläne, erst nach Jahren in der Bundeshauptstadt und nach der Rückkehr nach Koblenz finalisierte Freisberg seine Doktorarbeit in Saarbrücken, wo er für drei Jahre als Dozent im Schnittpunkt der Bereiche Musikwissenschaft, Betriebswirtschaft und Jura im heftig nachgefragten Studiengang Musikmanagement tätig war.

Seit vergangenen Jahr hat Freisberg ein extravagantes Hobby zum Beruf gemacht: die Liebe zu alten Weinen. Diese ist ihm gewissermaßen in die Wiege gelegt – die Familie verfügt seit Generationen über eine Sammlung rarer Weine. Solche Schätze, die im Handel und auf Weingütern und selbst auf Auktionen selten zu finden sind, spürt Freisberg für Toprestaurants und einen kleinen, exklusiven Kundenkreis auf – ein Geschäftsfeld, das über Mund-zu-Mund-Progaganda und persönliche Ansprache funktioniert.

All das wird auch in seinem Ehrenamt bei den Theaterfreunden gefragt sein, das ihm dem Inhalt und Wesen nach so neu nicht ist: einmal, weil er dem Koblenzer Theater als womöglich jüngster Vollabonnent seiner Generation schon sehr lange verbunden ist – schon mit 14 erwarb er den Dauerplatz im Theater, den er nach der Studienunterbrechung wieder als Premierenabonnent innehat. Und was das Netzwerken angeht, ist er bestens in Sachen Politik, Gesellschaft und Kultur präpariert: Noch als Student wirkte er als Vizepräsident bei den Freunden des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, in den Interessenverbänden der Familienunternehmer und der Jungen Unternehmer (bei diesen als stellvertretender Bundesvorsitzender) hat er über Jahre Erfahrungen in der Lobbyarbeit gesammelt.

Einsatz mit ideellem Gegenwert

Von diesen Tätigkeiten kennt Freisberg die Frage nach dem Gegenwert des Engagements nur allzu gut, die auch von potenziellen neuen Theaterfreunden immer wieder gestellt werden mag: „Wenn mich Leute zum Eintritt in die Wirtschaftsverbände gefragt haben, was sie denn für die 2000 Euro Jahresbeitrag bekommen, sagte ich immer: Sie investieren die Summe, damit politische Rahmenbedingungen geändert werden – und nicht, um sie in barer Münze zurückzubekommen.“

Für die drastisch günstigere, genau 1 Prozent dieses Beitrags fordernde Mitgliedschaft bei den Koblenzer Theaterfreunden, die Freisberg auch für jüngere Theaterfreunde attraktiv machen möchte, soll das ähnlich gelten: „Es geht bei den Theaterfreunden doch in erster Linie darum, durch bürgerschaftliches Engagement einen Leuchtturm zu setzen und zu sagen, dass wir das Theater wollen, dass wir dazu stehen, weil es ein ganz wichtiger integraler Bestandteil unserer Stadt ist.“ Noch dazu ein wichtiger Standortfaktor für alle Betriebe, die in Koblenz samt Umgebung darauf angewiesen sind, gute Mitarbeiter zu finden, die Lust auf die Stadt und ihr kulturelles Angebot haben.

Freisberg ist erleichtert, dass sämtliche weiteren Vorstandsmitglieder des Freundeskreises, der derzeit rund 400 Mitglieder zählt, noch für zumindest weitere zwei Jahre ihre Ämter versehen werden und so seinen Start begleiten werden. Ideen, wie man potenzielle neue Theaterfreunde gewinnen kann, hat er so einige – doch die will er erst ausführlich mit seinen Vorstandskollegen besprechen, bevor sie irgendwann spruchreif werden. Eines ist aber gewiss: Es klingt nicht nach kleinen Brötchen, was da gebacken werden soll.

Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

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