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Koblenz

Für Henschel ist Koblenz wie Las Vegas

Es ist für den Autor Gerhard Henschel ein Heimspiel. Schließlich hat er seine Kindheit in der Region verbracht. Entsprechend begeistert wird Henschel vom Publikum in der Kulturfabrik begrüßt, in der er jetzt beim Literaturfestival "Ganz Ohr" aus seinen Werken las.

Koblenz
Henschels Werk spielt in und um Koblenz, die Zuhörer sehen jeden der beschriebenen Orte gleich vor sich.
Foto: DPA

Koblenz – Es ist für den Autor Gerhard Henschel ein Heimspiel. Schließlich hat er seine Kindheit in Koblenz und Vallendar verbracht. Entsprechend begeistert wird Henschel von seinem Publikum in der Kulturfabrik begrüßt, in der er jetzt im Rahmen des Koblenzer Literaturfestivals "Ganz Ohr" aus einigen seiner Werke las.

Nicht unbedingt nervös, aber doch ein wenig aufgeregt wirkt Henschel, als er die Kufa-Bühne betritt. Man kann es ihm nicht verdenken, schließlich sitzen zahlreiche Verwandte, Freunde sowie ehemalige Lehrer des Autors im großen Publikum. Doch damit nicht genug: Einige von ihnen sind sogar zu Figuren in seinen beiden Büchern "Kindheitsroman" und "Jugendroman" geworden, die beide autobiografisch sind. Genau diese beiden Romane stehen auch im Mittelpunkt dieser vierten "Ganz Ohr"-Veranstaltung.

Für die Koblenzer ein besonderes Vergnügen sind Henschels Schilderungen der frühen Jahre im Leben von Martin Schlosser (so heißt er in den Büchern) im "Kindheitsroman". So spielt das Werk in und um Koblenz, die Zuhörer sehen jeden der beschriebenen Orte gleich vor sich. Das Publikum taucht ein in Schulszenen im Eichendorff-Gymnasium, schlendert mit dem kleinen Martin durch die Fußgängerzone und fiebert mit ihm mit, als er im Woolworth beim Stibitzen von Spielzeugautos erwischt wird.

Wissendes Nicken

So mancher nickt bei Henschels überaus pointierten Erzählungen wissend mit dem Kopf, eine Frau wispert gar - als es um einen ehemaligen Lehrer geht - ihrer Nachbarin ein aufgeregtes "Den hatte ich auch!" zu. Und wenn Henschel in die Rolle seiner Mama schlüpft und eine saftige Schimpfkanonade loslässt, lachen seine Verwandten besonders laut - allen voran seine Schwester. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass nur Insider Spaß an Henschels Lesung und seinen Romanen hätten. Denn der Autor beschreibt so lebhaft und in authentischer Erzählweise, dass wohl jeder Zuhörer gewisse Parallelen zu seiner eigenen Familie findet. Denn wer hat nicht schon einmal den typischen Familienstreit erlebt, weil der Weihnachtsbaum partout nicht gerade stehen will. Oder wer kennt nicht die Ausbrüche einer Mutter, die an ihrer hoffnungslosen Brut verzweifelt.

Derartig witzige Familienbegebenheiten beschreibt Gerhard Henschel im "Kindheitsroman" sowie im "Jugendroman", der im Zentrum des zweiten Teils des Abends steht. Diese Fortsetzung des ersten Buches spielt allerdings nicht mehr in hiesigen Gefilden, sondern in Meppen. Dorthin hat es Martin Schlosser (so wie damals Henschel) nämlich mittlerweile verschlagen. Doch dieser Ort im Emsland kann nicht mithalten mit der Rhein-Mosel-Stadt. "Gegen Meppen ist Koblenz Las Vegas", erklärt Henschel sogleich freimütig, ehe er seine ach so traurigen und für den Zuhörer lustigen Schwänke aus der Jugend in den 70ern zum Besten gibt - herrlich blumig in Worte verpackt und launig vorgetragen. Entsprechend schnell geht Gerhard Henschels Lesung, abgerundet durch den Auftritt des Sängers und Songschreibers Dave de Bourg, in seiner alten Heimatstadt zu Ende.

Publikum begeistert

Und das Publikum? Das ist nicht nur begeistert, sondern hofft auf kommende autobiografische Erzählungen des Autors, in denen dann vielleicht auch eine tolle Lesung des älter gewordenen Protagonisten Martin Schlosser in der Kufa eine Rolle spielen wird. Christiane Hausding

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