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Neuwied

Eine rockige Weihnachtsgeschichte: Der 24. Dezember steht für den Sammler Dirk Jacob ganz im Zeichen einer Band

Dieser 24. Dezember wird kein gewöhnlicher – Dirk Jacob steht in diesem Jahr ein einmaliger Weihnachtsabend bevor. Weil der Neuwieder eine ganz besondere Leidenschaft pflegt: den Rock 'n' Roll.

Den Rock 'n' Roll im Blut: Der Neuwieder Dirk Jacob lebt für eine Band – Creedence Clearwater Revival. Die US-Kombo gründete sich am 24. Dezember vor 50 Jahren; Anlass genug, um in Jacobs CCR-Sammlung zu stöbern, die eine der größten weltweit ist. Jacob hat CCRs Karriere schon begleitet, als die Band noch The Blue Velvets und Golliwogs hieß. Und gerade diese Bandperiode markiert den Höhepunkt der Sammlung Jacobs.
Den Rock 'n' Roll im Blut: Der Neuwieder Dirk Jacob lebt für eine Band – Creedence Clearwater Revival. Die US-Kombo gründete sich am 24. Dezember vor 50 Jahren; Anlass genug, um in Jacobs CCR-Sammlung zu stöbern, die eine der größten weltweit ist. Jacob hat CCRs Karriere schon begleitet, als die Band noch The Blue Velvets und Golliwogs hieß. Und gerade diese Bandperiode markiert den Höhepunkt der Sammlung Jacobs.
Foto: Sascha Ditscher

Am 24. Dezember genau vor 50 Jahren gründete sich eine Band, die zum Lebensinhalt für den Neuwieder Dirk Jacob wurde. Zwar sagt er klipp und klar: „Die Familie steht an erster Stelle“, wer aber nur nach den vier Wänden des 61-Jährigen geht, könnte durchaus einen anderen Eindruck gewinnen.

Sie sind mit Fotografien, Tourplakaten, sogar signierten Gitarren bestückt – ganz zu schweigen von den Regalmetern mit Schallplatten, Schubladen und Schränken voller Erinnerungen an große Konzerte und persönliche Treffen. Nur vier Musiker entfachten diese Sammelliebe bei Jacob; sie gründeten ihre Band genau am 24. Dezember 1967: die US-Kombo Creedence Clearwater Revival – kurz CCR – um Frontmann John Fogerty.

Eine der größten CCR-Sammlungen weltweit besitzt Jacob. Sagt er selbst. „Woher ich das weiß?“, fragt er und strafft sich vor Stolz. „Die Sammler weltweit kennen sich – und auch ihre Bestände. Wirklich schöne Sammlungen haben Darlene Schwarz aus den USA und Robert Aets aus Belgien. Es gibt nicht zehn Leute auf der Welt, die diese Sachen haben. Und ich gehöre eben dazu.“

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Wie sieben Alben ein Haus füllen

Was Jacob über Jahre aufgebaut hat, kann er schlecht in Zahlen fassen. Eine aber nennt er und die muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: CCR haben in ihrer nur fünfjährigen Karriere sieben Studioalben veröffentlicht – Jacob besitzt diese in mehr als 1000 Ausführungen. Unterschiedlichste Pressungen weltweit hat er gesammelt. Etwa solche aus Japan oder Russland. „Das sind besondere Reihen, die viel mehr zeigen als ,nur’ Musik“, erklärt er den Reiz der zigfachen Ausfertigungen.

„In Russland wurden etwa häufig Landschaftsaufnahmen für die Cover verwendet. Die Musiker wurden nicht gezeigt, das spiegelt auch die ablehnende Haltung gegenüber dem Westen. In Japan waren die Cover hingegen meist quietschbunt und quirlig.“ Und Jacob zeigt ein weiteres Schmuckstück mit besonderer Lesart: einen weißen Ledergürtel. Er zeigt die Porträts der CCR-Besetzung und die der Beatles – CCR steht dabei klar sichtbar auf Höhe der Gürtelschnalle, die Beatles abgeschlagen dahinter. „Daran wird das Selbstverständnis der Band klar: Der Sound CCRs überrollte die Beatles von 1969 auf 1970 und schnappte ihnen die Vorreiterstellung auf dem Musikmarkt jener Zeit weg“, deutet Jacob.

Doch das ist längst nicht der Höhepunkt seiner Sammlung; der steckt in einer unscheinbaren, roten Kladde für Single-LPs. „Das haben nicht drei Leute auf der Welt“, freut er sich und drückt das Mäppchen ans Herz. Es enthält erste Singles aus den Bandanfängen, noch bevor CCR unter diesem Namen eine große, wenn auch kurze Erfolgsgeschichte schrieben – mit Songs wie „I Put a Spell on You“ (1968), „Down on the Corner“ (1969) oder „Have You Ever Seen the Rain“ (1970). Fern allseits bekannter Hits wie dieser werden Sammler mit ihren Raritäten immer wieder zum Glücksfall für Labels, die längst nicht alle Werke archiviert haben. „Wir besitzen auf jeden Fall mehr als die Musikindustrie“, spricht Jacob aus Erfahrung – auch er wurde schon nach Leihgaben gefragt.
Wie sich so eine Sammelleidenschaft entwickelt, kann er schlecht rational erklären – nicht wenige Menschen sind schließlich musikbegeistert, doch wenige leben dieses Interesse derart konsequent aus. „Ich kann es nicht genau sagen“, windet sich Jacob und erzählt von seiner ersten Begegnung mit CCR. Er hörte sie in den späten 70ern zum ersten Mal bei einem Freund in Neuwied. „Da hat es sofort Bumm gemacht. Und dann ging es eben weiter“, erinnert er sich an ein Gefühl, das vieles für ihn veränderte.

Zum Sammler wurde er erst, als die Band schon nicht mehr existierte. Natürlich verfolgte Jacob aber auch die Solokarriere des Frontmanns John Fogerty nach 1972 intensiv, denn ohnehin war es der heute 72-jährige Sänger, der in den Augen Jacobs CCR zu 90 Prozent ausmachte: „Er war der Macher. Die Band lebte von seiner Charakterstimme. Ich mochte auch den ehrlichen Sound. CCR war nie eine dieser Rauschgiftgruppen, wie sie in San Francisco damals anzutreffen waren. CCR war nicht abgehoben, vollgepackt mit Effekten, sondern ungekünstelt, bodenständig. Ehrlicher Rock, wie ich ihn mir vorstelle.“

Traum von einem CCR-Museum

Genau diese Geschichten Teil der Öffentlichkeit werden zu lassen, wäre für Jacob ein Glück. Er träumt von einem CCR-Museum, vielleicht auch einem allgemeineren Rockmuseum in Neuwied. Doch angesichts seiner Bestände muss er lachend eingestehen: „Die Stadt müsste mir wohl die Räumlichkeiten dafür zur Verfügung stellen – hier ist einfach zu wenig Platz.“ Was er in einem solchen Museum machen würde? Sein Wandeln auf den Wegen CCRs dokumentieren, die Jacob natürlich auch in die USA führten und zu Begegnungen mit John Fogerty selbst. Auch würde er erzählen, wie der Sohn des Gitarristen Tom Fogerty – CCR war ein Brüdergespann, das im Streit auseinanderging – einmal in Neuwied zu Besuch war, um „die Creedence-Familie, so hat er uns genannt“, kennenzulernen. Und auch mit Missverständnissen würde er aufräumen: etwa damit, dass die erste Single CCRs nicht „Suzie Q“ (August 1968), sondern „Call It Pretending“ (Januar 1968) war.

Tauchen solche Fehler etwa in der Medienberichterstattung auf, bleibt Jacob trotz seines Expertenwissens gelassen; ohnehin scheint eine gewisse Tiefenentspannung im Naturell des Neuwieders zu liegen. So betrachtet er auch das Fandasein sehr selbstreflexiv. Fest steht für ihn: Da ist kein Platz für Fanatismus. „Musik ist ein schönes Hobby, aber da muss man klar Prioritäten setzen. So eine Sammelleidenschaft geht ja auch ins Geld, und wenn sie anfängt, Beziehungen zu strapazieren, sollte man bremsen.“ Seine Familie trägt die Sammlerliebe mit, auch wenn sie hin und wieder spleenig genannt werden darf: Jeden Morgen – und so auch an Weihnachten – wird Jacob mit den legendären Zeilen aus dem CCR-Hit „Proud Mary“ (1969) geweckt: „Rollin’, Rollin’, Rollin’ on the River“.

Von unserer Redakteurin Melanie Schröder

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