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    Koblenz

    Ein neuer Chefdirigent und Kribbeln im Bauch: Auftakt mit Garry Walker in Koblenz

    Der Schotte Garry Walker stellt sich am Freitag am Pult der Rheinischen Philharmonie der Öffentlichkeit vor. Ein bemerkenswerter Auftakt, der hoffen lässt, dass die erste "Verliebtheit" lange tragen wird.

    Gekommen, um zu bleiben: Garry Walker tritt sein neues Amt bei der Rheinischen Philharmonie an – sichtlich bewegt.
    Gekommen, um zu bleiben: Garry Walker tritt sein neues Amt bei der Rheinischen Philharmonie an – sichtlich bewegt.
    Foto: Anke Mersmann

    Wer sich den Begriff „offizielle Amtseinführung“ auf der Zunge zergehen lässt und ihm nachschmeckt, merkt: Aufregend ist das nicht. Man kennt das: Reden der Offiziellen, ein Musikprogramm drumherum, Wein und Salzgebäck. Diese Erinnerung an die normale Betriebstemperatur solcher Ereignisse sei hochgehalten, um das herzliche Willkommen an Garry Walker, den neuen Chefdirigenten der Rheinischen Philharmonie, zu würdigen. Im Gewand der offiziellen Amtseinführung geriet es zur hochemotionalen Angelegenheit, die Erwartungen auf den neuen Abschnitt in der Geschichte des Orchesters anheizt.

    Überwältigende Mehrheit für Walker

    Ein bisschen Feuer war durchaus nötig, immerhin ist es schon mehr als anderthalb Jahre her, dass der schottische Dirigent als nächster Chef am Pult des Koblenzer Orchesters vorgestellt wurde – und sich anschließend verabschiedete: Sowohl die Findungskommission, vor allem aber eine überwältigende Mehrheit der Orchestermusiker hatte sich für Walker entschieden, auf das kurze und heftige Kennenlernen folgte aufgrund bereits eingegangener Engagements eine lange Durststrecke. Doch das Kribbeln im Bauch ist offenbar die ganze Zeit über nicht erloschen: Sowohl Orchesterintendant Günter Müller-Rogalla als auch der Trompeter Andreas Stickel vom Orchestervorstand schwärmten in ihren Begrüßungen sowohl vom damaligen Kennenlernen, aber auch von den inspirierenden Proben zum am morgigen Freitag anstehenden ersten Konzert mit dem „Neuen“.

    Hatte sich Kulturminister Konrad Wolf (SPD) noch auf die höfliche Begrüßung, eine Kurztour durch dessen Lebenslauf und herzliche Wünsche konzentriert und Herbert Grohe als Vorsitzender der Freunde der Rheinischen Philharmonie nicht nur Wein von Rhein und Mosel, sondern auch die Zusicherung der unverminderten Unterstützung als Begrüßungspräsent übergeben, so konnte Intendant Müller-Rogalla in einer furiosen Tour de force sämtliche Schotten- und Schottland-Klischees abhaken und sich anschließend zu großen Worten hinreißen lassen: So wie er selbst bei seinem Amtsantritt vor drei Jahren von seiner Vision für die Rheinische Philharmonie als einem „Orchester der Zukunft“ sprach, freut er sich nun auf Garry Walker, den er in der Findungsphase und in der Vorbereitung für dessen erste Spielzeit als einen „Dirigenten der Zukunft“ erlebt hat: Garry Walker sei für ihn eben kein „Maestro“ – sondern jemand, mit dem man toll zusammenarbeiten könne.

    Musik ist vor allem eins: Leidenschaft

    Orchestervorstand Andreas Stickel erinnerte an einen Ausspruch Walkers nach dessen Ernennung 2015: „Ich bin genau da, wo ich sein wollte“, habe der Dirigent damals sinngemäß gesagt. Ein großes Gefühl, das Stickel gern erwiderte: „Ich darf Ihnen sagen: Auch wir sind jetzt genau da, wo wir sein wollen.“ Auf der Internetseite Walkers war Stickel ein Satz besonders aufgefallen: „Gutes Musizieren ist keine Raketenwissenschaft.“ Für Walker braucht es demzufolge dazu einfach nur talentierte Menschen mit Leidenschaft für das, was sie tun; einen Willen zur Zusammenarbeit, das Verlangen danach, ihr Bestes zu geben und eine gute Grundlage, auf der man arbeiten kann. „Ich freue mich“, so Stickel bewegt, „Ihnen mitteilen zu können, dass Sie all dies hier vorfinden.“

    Nach so viel Vorschusslorbeeren und Herzlichkeit fiel es dem 43-Jährigen, der auf den ersten Blick zumindest jenseits des Dirigentenpultes einen höflich-abwartenden und kontrollierten Eindruck hinterlässt, sicht- und hörbar schwer, mit einer vorbereiteten Begrüßung zu antworten: Geradezu überwältigt – „ich glaube, man sagt hier: Ich bin nahe am Wasser gebaut“, wich er vom vorbereiteten deutschen Text in seine Muttersprache aus, dankte den Rednern ebenso wie den Musikern seines Orchesters, die mit Kammermusik von der Romantik bis zum Jazz eine offizielle Amtseinführung zu einem Abend der großen Gefühle machten.

    Ein bemerkenswerter Auftakt – bleibt also die Hoffnung, dass dem leidenschaftlichen Wiedersehen von Orchester und Dirigent eine lange und fruchtbare Verliebtheit in all ihren wünschenswerten Reifegraden folgt.

    Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

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