40.000
Aus unserem Archiv
Koblenz

Bruno Lehan: Jetzt mal ernsthaft

Anke Mersmann

Viele kennen den Koblenzer Musiker und Schauspieler Bruno Lehan als Sägner und Gitarristen der Wild Boobin' Baboons oder von Auftritten in der Komödien-Saga "Zum Schängel". Jetzt will er sich und seinem Publikum eine andere Seite präsentieren – und wählt dazu ein Stück, das kontrastreicher kaum sein könnte. Am Freitag, 12. Januar, feiert er mit dem Monolog "Judas" Premiere in der Kulturfabrik.

Bruno Lehan (links) ist in Koblenz als Sänger der Rock-'n'-Roll-Coverband Wild Boobin' Babbons und als Ensemble-Mitglied des Boulevardtheater-Serie „Zum Schängel“ bekannt. Jetzt geht er mit Markus Angenvorth als Regisseur eine Eigenproduktion an, in der er seine ernsthafte Seite als Künstler zeigen möchte.  Foto: Anke Mersmann
Bruno Lehan (links) ist in Koblenz als Sänger der Rock-'n'-Roll-Coverband Wild Boobin' Babbons und als Ensemble-Mitglied des Boulevardtheater-Serie „Zum Schängel“ bekannt. Jetzt geht er mit Markus Angenvorth als Regisseur eine Eigenproduktion an, in der er seine ernsthafte Seite als Künstler zeigen möchte.
Foto: Anke Mersmann

Wenn Bruno Lehan auf der Bühne steht, geht es meistens hoch her: Als Sänger und Gitarrist der Band Wild Boobin' Baboons feiert er mit seinen Kollegen den Rock 'n' Roll. Sie covern Songs aus den 50er- und 60er-Jahren, ihre Shows sind schräg und wild, sie wissen, wie sie Stimmung machen. Und Lehan gehört zum Ensemble um Dirk Zimmer, der seit 15 Jahren mit seiner Serie „Zum Schängel“ rund um das Komikerduo „Willi und Ernst“ hochtouriges Boulevardtheater in Koblenz zeigt: Komik ist angesagt, Trubel auf der Bühne. Lehan neuestes Projekt ist dazu komplett konträr – und soll es auch sein. Er möchte damit eine andere Seite von sich als Künstler zeigen: seine ernsthafte. Die hat Lehan, 1968 in Koblenz geboren, seit Jahren nicht sonderlich in seiner Heimatstadt betont. Das wird er jetzt ändern.

Dafür hat er sich einen Text der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemans ausgesucht: „Judas“ über Judas Iskarioth, den die Bibel als Verräter Jesu beschreibt. Vekemans lässt Judas in ihrem 2012 in den Münchner Kammerspielen uraufgeführten Stück sprechen, sich und sein Vorgehen erklären. Es ist ein Monolog, Bruno Lehan beschreibt ihn als eindringlich und intensiv. „Das ist einer der Texte, die mich beim Lesen total gepackt haben“, erzählt er. Als er ihn entdeckte, las er ihn gleich dreimal, entwickelte direkt Ideen für die Bühne. Sogar abends im Bett ließen ihn der Text nicht los, die Gedanken eilten: „Ich habe mich quasi schon spielen sehen. Da wusste ich, dass ich dieses Stück machen muss“, erzählt Lehan. Und zwar solo auf der Bühne und auf eigene Kappe.

Also ging er das Projekt Eigenproduktion an: Er suchte Kontakt zum Verlag, um die Rechte für eine Inszenierung zu bekommen. Er suchte nach einem Ort, wo er mit seinem „Judas“ Premiere feiern könnte und wurde in der Kulturfabrik in Lützel fündig. Er suchte nach einem Regisseur – und gewann ihn mit Markus Angenvorth, der einige Jahre am Koblenzer Stadttheater spielte und seit 2009 freiberuflich als Schauspieler und Regisseur aus Koblenz tätig ist. Er ist ein Kollege, mit dem Lehan schon einige Male in „Zum Schängel“ arbeitete und einer, mit dem er bei den Arbeiten für „Judas“ voll auf Wellenlänge liegt, wie beide erzählen. So wie der Text Bruno Lehan packte, fasziniert er auch Angenvorth. Der Judas, diese als Prototyp des Verräters abgestempelte Figur, hat ihn schon seit seiner Jugend interessiert – und noch mehr, seit er, der sich nicht als bibelfester Mensch bezeichnet, vor ein paar Jahren das Alte und Neue Testament las. „Ich habe es schon immer als ungerecht empfunden, wie die Figur des Judas seit Jahrhunderten wahrgenommen wird“, erzählt Angenvorth und ergänzt: „Vielleicht springe ich deshalb so auf den Text an, weil Judas darin eine Stimme bekommt, sich erklärt und daraus provokante Fragen entstehen. Er ist ja durchaus nicht der Einzige, der Jesus verraten hat.“

Über solche Gedanken, über die Frage nach Schuld und Mitschuld haben sich Lehan und Angenvorth viel ausgetauscht, sind tief in den Text über Judas eingetaucht. Lehan wird ihn sprechen, die Figur spielen, allein auf einer so gut wie leeren Bühne, wie er erzählt. Großes Regietheater gibt es bei diesem Monolog nicht, in dieser Funktion war Angenvorth als Regisseur daher nicht gefordert. Es ging aber darum, erzählt Lehan, dass er mit dem Kollegen noch einen Beobachter von außen hat, einer, der ihm im Spiel leitet. „In so einer Bühnensituation kommt es auf jede kleine Geste, jeden Blick und ihre Wirkungen an“, beschreibt Lehan. Ein anderes Arbeiten als etwa im turbulenten, auf Komik ausgerichteten „Schängel“.

Unterschiedlich ist es auch, weil der Monolog ihn als Schauspieler emotional stärker fordert und weil er ein- und demselben Stück über sein Spiel unterschiedliche Stimmungen zuschreiben kann. Sein Ausdruck kann aggressiv sein, verzagt, verzweifelt, vieles mehr. Ein Quäntchen Tagesform definiert letztlich Lehans Spiel, wie er und der Regisseur aus den Proben berichten. „Das macht die Arbeit für mich so vielschichtig, weil ich weiß, dass jeder Abend für mich anders verläuft, wenn ich mich vom Text tragen lasse“, meint Lehan. Auf diesen Zustand kommt es ihm an, ihn hat er in der Zusammenarbeit mit Angenvorth als Regisseur erreicht, mit ihm hat er Sicherheit in der Figur gefunden, wie beide es nennen.

Ein Stück für den mobilen Einsatz

Die ist umso wichtiger, als Lehan den „Judas“ auf unterschiedlichen Bühnen gibt: In der Kufa spielt er zwar die Premiere des Stücks, führt es dort aber nicht häufiger auf. Es ist als mobile Produktion gedacht, mit der er problemlos an unterschiedlichen Orten spielen kann. So, wie er es vor Jahren schon einmal mit dem Stück „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ des französischen Schriftstellers Éric-Emmanuel Schmitt tat. An diese Zeiten will Lehan mit dem „Judas“ anknüpfen und dabei eben seine ernsthafte Seite als Schauspieler zeigen. Sie soll ein drittes Standbein sein – neben der Musik und dem Boulevardtheater.

Der Monolog „Judas“ hat am morgigen Freitag, 12. Januar, um 20 Uhr Premiere in der Kulturfabrik in der Mayer-Alberti-Straße 11. Karten gibt es unter anderem unter www.kufa-koblenz.de. Buchungsanfragen sind möglich per E-Mail an judas@lehan.de, Telefon 0172/617 15 51

Von unserer Redakteurin Anke Mersmann

Kultur
Meistgelesene Artikel
Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
Claus Ambrosius 

Leiter Kultur

Claus Ambrosius

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Anke Mersmann

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Melanie Schröder

 

Kontakt per Mail

Anzeige
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!