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    Bitte, sprüht vor Kreativität: Sprayer aus aller Welt beim "Meeting of Styles"

    Ein stechender Geruch von Farbe lag am Samstagnachmittag am Kasteler Brückenkopf in der Luft, und überall war das Klappern von Spraydosen zu hören. Beim Graffiti-Festival "Meeting of Styles" unter dem Brückenkopf der Theodor-Heuss-Brücke besprühten 80 Künstler etwa 3000 Quadratmeter Wandfläche.

    Kastel - Ein beißender Geruch von Farbe lag am Samstagnachmittag am Kasteler Brückenkopf in der Luft, und überall war das Klappern von Spraydosen zu hören. Zu Rap- und Hip-Hop-Musik von DJ Short Cut ging am Wochenende zum achten Mal das Graffiti-Festival "Meeting of Styles" unter dem Brückenkopf der Theodor-Heuss-Brücke über die Bühne.

    3000 Quadratmeter Wandfläche an der Unterführung verwandelten sich in eine riesige Freiluftgalerie, die von 80 Graffiti-Künstlern aus rund 20 Ländern bearbeitet wurde. Mit dabei: Sprayer "Zore" aus Chicago, der sich vom Festival angetan zeigte und die relaxte Atmosphäre lobte. Er sprayt seit Anfang der 80er und ist in der Szene ein Großer. In Chicago gebe es viele Galerien, an die er seine Bilder verkaufe und gut von seiner Kunst lebe. Inzwischen organisiert er soziale Projekte, um die Jugendlichen in der früheren Al-Capone-Stadt von den gefährlichen Straßenbanden wegzuhalten.

    Die Erde, ein komplexes System

    Das Festival stand diesmal unter dem Motto "All in one". Der Organisator, der Kasteler Sprayer Manuel Gerullis, erklärte: "Die Erde ist ein komplexes System, in dem alles ineinander übergeht. Wir begreifen uns als eins." Die Sprühflächen wurden so verteilt, dass immer ein bekannter Sprayer neben Nachwuchskünstlern agierte. Es gibt sogar eine lange Warteliste.

    Der Argentinier "Tekaz" aus Buenos Aires hat seine Heimatstadt gesprayt. Überirdisch sind viele Wolkenkratzer zu sehen, unterirdisch ein System von Kanälen und Abflüssen. Gleich daneben hat eine Gruppe polnischer Künstler sehr farbenprächtig die Warschauer U-Bahn abgebildet. Der Athener "iNo" würde anscheinend am liebsten die ganze Welt verspeisen, denn sein Graffiti zeigt einen riesigen, weit aufgerissenen Mund. Außerdem sind viele Fantasieobjekte wie martialische Kämpfer oder ein gefährlicher fliegender Drache mit scharfen Klauen zu sehen. Ein Sprayer hat sich selbst abgebildet: grinsend, mit Stirnband und Spraydose in der Hand.

    Mundschutz und Atemschutz

    Alle Künstler trugen einen Mundschutz oder Atemschutzgeräte, um sich vor Dämpfen zu schützen. Zwischendurch wurde eifrig gefachsimpelt, und einige tanzten zu "The Message" von Grandmaster Flash Breakdance.

    Unterstützung erhalten die Sprayer von der Kommunalpolitik. Das Wiesbadener Umweltamt gibt auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung 10 000 Euro, die Ortsbeiräte von Kastel und Kostheim beteiligen sich mit je 1500 Euro. Hinzu kommen erstmals 2000 Dollar vom US-Generalkonsulat. "Das ist das Schöne", sagte Kastels Stadtrat Rainer Schuster (SPD). "Wir haben hier weltweit bekannte Künstler und auch den lokalen Nachwuchs." Das Festival trage dazu bei, dass nicht mehr so viel wild gesprayt werde. "Es gab einen Wandel im politischen Denken", ergänzte Ortsbeirat Klaus Beuermann (SPD). "Graffiti wird inzwischen als Kunst akzeptiert." Oliver Gehrig

    "iNo" verspeist die ganze Welt Das Graffitifestival "Meeting of Styles"Das Meeting of Styles in Bildern
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