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Koblenz

Aufregung in Kulturszene: Anonyme Karikatur kritisiert Förderung für Café Hahn

Eine Postkarte sorgt für Gesprächsstoff in der freien Koblenzer Kulturszene, thematisiert sie doch die Kulturförderung in Koblenz auf satirisch bissige Weise: Das ganze öffentliche Geld geht ans Café Hahn, so stellt es der anonyme Zeichner dar. Aber ist das wirklich so?

So stellt ein anonymer Zeichner die Situation der Kulturförderung in Koblenz dar – alles Geld gehe an Berti Hahn.
So stellt ein anonymer Zeichner die Situation der Kulturförderung in Koblenz dar – alles Geld gehe an Berti Hahn.

Die Karikatur zeigt, wie zwei der Koblenz-Touristik und Stadtverwaltung zugeordnete Hände einen Geldsegen über einer Schar von Kulturschaffenden, Ehrenamtlichen, Vereinen und Veranstaltern ausschütten. Diese recken sich nach ein paar Scheinen und Münzen, die an einem weit aufgespannten, umgedrehten Schirm vorbeiflattern und -kullern. Den hält eine Figur über den Fingerspitzen der anderen, frohlockend das Gros des Geldes auffangend. Diese Gestalt soll Berti Hahn abbilden, Inhaber des Café Hahn in Güls und Generalbetreiber auf der Festung Ehrenbreitstein, dem auf dem Bild die Taschen voller Geld stecken. Dazu verhilft der Schirm, auf dem "Förderverein Café Hahn" steht.

Wer die Karte grafisch umgesetzt hat, wer der Absender ist – all das ist unbekannt, das Papier lässt keinen Rückschluss auf denjenigen zu, der die Karte weit gestreut hat: In den vergangenen Tagen lag sie in den Briefkästen von diversen nichtstädtischen Kultureinrichtungen und -veranstaltern, der Kufa etwa, im Circus Maximus, bei Music Live und anderen Einrichtungen, aber auch bei Privatpersonen. Die Resonanz fällt gemischt aus, von Schadenfreude bis Unverständnis darüber, dass über die Karte eine Neiddebatte ausgelöst wird. Einige Empfänger sehen einen wahren Kern in der Motivaussage, treten Berti Hahn und der Förderverein ihrer Ansicht nach doch als absolute Platzhirschen auf, was die Umsetzung von kulturellen Veranstaltungen der Stadt angeht – was teils auch in ihrem Namen beziehungsweise im Auftrag der Koblenz-Touristik geschieht. Nur: Offiziell äußern möchte (oder darf) sich niemand.

Einhellig allerdings kritisieren die Adressaten der Karte, dass sie anonym verteilt wurde. Dieter Servatius, Geschäftsführer der Kufa, hält das "Ganze für eine schäbige Geschichte", sagt er. Die Kufa werde seit Jahren fest von der Stadt bezuschusst, einen Grund, dem Café Hahn beziehungsweise dem Förderverein Mittel zu neiden, gebe es für ihn nicht. Ralf Prestenbach, Inhaber des Circus Maximus, spricht bei der Kartenaktion von schlechtem Stil: "Wenn jemand so etwas auf den Weg bringt, sollte er es in seinem Namen tun. Nur dann kann aus so einem Anstoß eine vernünftige öffentliche Diskussion entstehen."

Tatsächlich fehlt für eine solche eine verlässliche Grundlage: Die kulturelle Förderung in Koblenz ist nur in den Fällen transparent, in denen sie über das Kulturamt der Stadt Koblenz läuft und somit im Haushaltsbericht nachzuhalten ist. Geht es um die Förderaktivitäten der Koblenz-Touristik als Eigenbetrieb der Stadt, tut sich Geschäftsführer Andreas Bilo schwer, Zahlen offenzulegen.

Für das Haushaltsjahr 2013 bestätigt Bilo auf Anfrage unserer Zeitung lediglich die geplante Summe von 186 000 Euro für Veranstaltungen. Die Genehmigung der ADD steht allerdings noch aus. Angaben zur Fördersumme aus dem vergangenen Jahr und dazu, mit welchen Geldern welche Veranstalter bedacht wurden, macht der Cheftouristiker nicht – mit Hinweis auf Rücksicht auf bestehende Verträge und Kooperationsvereinbarungen. Bilo betont aber: "Die Koblenz-Touristik ist dabei bemüht, das ,knappe Gut‘ an Fördergeldern gerecht zu verteilen, mit dem Ziel einer breiten kulturellen Förderung. Dabei finden politisch legitimierte Entscheidungen und Beschlüsse, Vorgaben des Haushalts und die Satzung der Koblenz-Touristik Anwendung." Getroffen werden die Entschlüsse in nicht öffentlicher Sitzung.

Kulturdezernent Detlef Knopp betont ebenfalls, dass der Stadt an einer vielfältigen Förderung der freien Kulturszene gelegen ist. "Wir tun, was wir in unserer finanziellen Situation tun können – und wir sind immer großzügig gewesen", sagt Knopp. Die Polemik der Karte kann er nicht nachvollziehen, obgleich er versteht, dass Berti Hahn (und mit ihm der Förderverein) als dominierend im kulturellen Geschehen der Stadt wahrgenommen werden können – nicht zuletzt, weil Hahn als Generalbetreiber der Festung in den Fokus gerückt sei. "Man muss aber sehen, dass es Hand und Fuß hat, was Hahn auf die Beine stellt, unterstützt von einem Förderverein, der gut 1500 Mitglieder hat", bekräftigt der Kulturdezernent.

Eine solche Aussage dürfte Berti Hahn freuen, den die Karte – kaum überraschend – ärgert. "Es stimmt vor allem nicht, dass ich mir die Taschen mit öffentlichem Geld vollstopfe", sagt er und nennt Fördersummen, die ihm für 2013 von der Koblenz-Touristik in Aussicht gestellt sind: Der Förderverein bekommt als Veranstalter des Weltmusikfestivals Horizonte auf der Festung Ehrenbreitstein 30 000 Euro von der Koblenz-Touristik, die künstlerische Leitung liegt bei Hahn.

Erstmals tritt der Förderverein als Veranstalter des auf die Festung verlegten Internationalen Kleinkunst- und Gauklerfestes auf. Die Koblenz-Touristik, die das Fest sonst in der Altstadt veranstaltete und künftig im zweijährlichen Wechsel mit dem Förderverein ausrichtet, garantiert eine Ausfallbürgschaft in Höhe von 20 000 Euro, sollten die Einnahmen die Kosten des Festes nicht decken. "Das war es. Weitere Fördermittel seitens der Stadt gibt es für den Förderverein und das Café Hahn nicht", beteuert Hahn. Postkarte hin oder her.

Von unserer Redakteurin Anke Hoffmann

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