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Koblenz

Auf dem Schlachtfeld der Widersprüche

Saisonauftakt jetzt auch im Puppentheater: Es ist gerade mal vier Jahre her, dass das Theater Koblenz diese vierte Sparte neben Schauspiel, Oper und Tanz ins Leben gerufen hat. Eine kurze Zeit – aber eine eindrucksvolle. Denn wie im Schnelldurchlauf hat das Publikum nicht nur ganz unterschiedliche Puppen und ihre Spielweisen kennengelernt, sondern auch von etwaigen Vorurteilen Abschied genommen.

Zwei Puppenspielerinnen und ein Fabelwesen: Luisa Grüning (links), der „Mädchenminotaurus“ und Hendrika Ruthenberg  Foto: Katharina Dielenhein
Zwei Puppenspielerinnen und ein Fabelwesen: Luisa Grüning (links), der „Mädchenminotaurus“ und Hendrika Ruthenberg
Foto: Katharina Dielenhein

Die wichtigste Erkenntnis wird zum Saisonbeginn kräftig unterstrichen: Puppentheater ist keinesfalls auf ein junges Publikum beschränkt. Oder sogar mitunter erst für Menschen ab 16 Jahren geeignet. Denn im rekordverdächtig lang betitelten „Erst war es leer ohne Herz, aber jetzt geht's wieder“ geht es um das Leben einer Zwangsprostituierten, das sie in einem langen Monolog erzählt.

Ein Monolog, den Regisseurin Katharina Kummer dreifach aufgeteilt hat: „Wir erleben eine dreifache Gestalt, die einen Monolog verkörpert“, erklärt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Und damit erlebt der Zuschauer „unterschiedliche Positionen der Figur, die die Stimme dieses Monologs ist.“ Zu sehen sind die beiden Puppenspielerinnen und ein Fantasiewesen, das das Haupt eines Rehes auf einem menschlichen Körper trägt. Kummer nennt es einen „Mädchenminotaurus“: Auf die Idee kam sie, weil „Erst war es leer...“ in London spielt. Ebendort hatten 1885 Zeitungsartikel unter dem Titel „The Maiden Tribute of Modern Babylon“ mit Berichten über den massenhaften Missbrauch besitzloser Mädchen für einen Skandal gesorgt. Und darüber hinaus in Anlehnung an die Antike die Mär eines Minotaurus von London genährt, der im Labyrinth der Unterwelt sein Unwesen treibt. Diesem Wesen wollte Kummer eine fragile, weibliche Version entgegenstellen.

Beide Darstellerinnen spielen diese Puppe, teils auch, wie es Kummer formuliert, „im Kampf, den sie über die Puppe oder direkt austragen“ im „Schlachtfeld der Widersprüche“, das die Figur der Dijana umgibt. Und drei Positionen wird auch das Publikum auf der Probebühne 2 einnehmen, um dem Geschehen zu folgen, mit dem Kummer eine „größtmögliche Polyfonie“ aus einer einzelnen Figur entwickeln will. Claus Ambrosius

Die Premiere am Sonntag ist ausverkauft, nächste Termine am 20. und 23. September, Infos und Tickets unter Tel. 0261/129 28 40

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