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Cebu

Millionär baut «Hollywood des Ostens»

dpa

Ein Drama am Meeresboden, eine junge Frau, deren Haare in einer Schiffsschraube hängenbleiben – am Ende gewinnen natürlich die Guten, auch in diesem Film. Der Kampf findet nicht wirklich am Meeresboden, sondern in einem riesigen Tank für Unterwasseraufnahmen auf der philippinischen Insel Cebu statt.

«Hollywood des Ostens»
Eine Anlage für Unterwasseraufnahmen in den Bigfoot Studios auf Cebu, Philippinen.

Der Tank ist einer der modernsten seiner Art, mit allen Raffinessen wie Unter- und Seitenbeleuchtung sowie Fenstern fürs Filmen aus allen Winkeln ausgestattet. Bauen lassen hat ihn Michael Gleissner (42), ein Filmemacher und Fotograf, in Regensburg geboren, der hier Millionen aus einem erfolgreich verkauften Internetgeschäft investiert hat.

Bigfoot Entertainment heißt die Firma, die seit 2004 auf Cebu am «Hollywood des Ostens» bastelt, wie die Tourismus-Webseite der Insel schwärmt. Die Adresse ist Programm: «One, Hollywood Boulevard». «Die Filmindustrie ist mit ihren Bühnen, Produktionsstätten und so weiter Anfang des 20. Jahrhunderts von New York nach Hollywood gezogen, dann nach Vancouver in Kanada, von dort nach Osteuropa und dann nach Thailand. Wir meinen: Die Philippinen haben das Zeug, der neueste Dreh- und Angelpunkt zu werden», sagt Bigfoot-Managing-Partner Matt Lubetich, der von seinem Büro aus über eine malerische Bucht aufs Meer blickt. «Es ist nicht zu teurer, die Leute sprechen Englisch und kennen die westlichen Standards.»

Die Philippinen waren Jahrhunderte erst unter spanischer, dann amerikanischer Kontrolle. Die für ein international erfolgreiches Filmprojekt fast unentbehrliche amerikanische «Denke» ist hier vertraut und populär. Schwierig ist es nach Angaben von Lubetich noch, Millionenproduktionen zu versichern, weil es muslimische Rebellen im Süden des Landes gibt, Korruption und jede Menge Taifune.

Bigfoot beschränkt sich deshalb bislang auf Produktionen, die ein bis fünf Millionen Dollar kosten und meist direkt auf den DVD-Markt kommen, außerdem Produktionen für das Fernsehen wie etwa Reality- Shows. 14 Filme sind in den vergangenen fünf Jahren entstanden. Der Horrorstreifen «Midnight Movie» (2008) war vor allem in Deutschland ein Hit, sagt Lubetich. «Deep Gold», der Film mit den dramatischen Unterwasserszenen unter der Regie von Gleissner, soll im Herbst rauskommen.

Neben dem fünf Meter tiefen Tank hat Bigfoot auch sechs große Aufnahmestudios und neueste Kamera-, Licht und Verarbeitungstechnik. Das Studio für Geräuschaufnahmen sieht aus wie eine Rumpelkammer. Hier liegen Flaschen, Kisten, Sessel, Tütensuppen, Bürsten und Äste herum, um Tonspuren aufzunehmen, die eine Szene authentisch machen: Gras, das beim Betreten leise raschelt, das Geräusch einer Flasche beim Abstellen auf dem Tisch, die Reibung auf der Sessellehne, wenn sich jemand erhebt. Ein guter Film hat mehr als 100 Tonspuren, sagt Lubetich.

Bigfoot sucht immer nach Talenten und hat darum Praktikanten, die neben der Arbeit mit Geräten und Ideen experimentieren dürfen. Die Filmakademie bildet im Jahr 125 angehende Filmemacher aus zwei Dutzend Ländern aus. «Englisch only» ist das Gebot für alle, auch Deutsche mit Deutschen und Philippiner mit Philippinern dürfen nicht in ihrer Muttersprache reden. «I see opportunity here – hier gibt es Chancen», sagt Praktikant Christoph Müller-Dechant, der in Bremen Film studiert hat. Er schwärmt vom Kontakt mit weltbekannten Regisseuren, die an der Akademie unterrichten.

Das Bigfoot-Imperium ist groß – mit Standorten unter anderem in Kalifornien, Hongkong, Singapur und auf den Philippinen. Dazu gehören auch eine Investment- und eine Immobilienfirma. Das «Deutsche» spielt das Unternehmen herunter. «Wir sind international», betont Lubetich. Millionär Gleissner ist Jetsetter und wohnt laut Lubetich überall und nirgends. «Er ist ständig unterwegs», sagt er. Gleissners Spezialität als Fotograf und Filmemacher sind Unterwasseraufnahmen, deshalb kommt er manchmal zum Filmedrehen und für Fotoshootings vorbei.

Eines der nächsten Bigfoot-Projekte ist die Verfilmung des Dramas um den Flugzeugabsturz über dem Bodensee 2002. Bei dem Zusammenstoß einer russischen Passagier- und einer Frachtmaschine kamen 71 Menschen ums Leben. Witali Kalojew, der seine Frau und zwei Kinder verlor, tötete zwei Jahre später den verantwortlichen Fluglotsen in Zürich. Wann gedreht wird, steht noch nicht fest.

www.bigfoot.com

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