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    Warschau

    Keine Angst vor Tabus: Agnieszka Holland wird 65

    In der Oscar-Nacht wird sie unmittelbar gegen ihren einstigen Lehrmeister und Landsmann Andrzej Wajda konkurrieren.

    Agnieszka Holland
    Agnieszka Holland ist eine der bekanntesten Regisseurinnen Polens.
    Foto: Jeon Heon-Kyun - DPA

    Agnieszka Holland geht für Tschechien mit ihrem neuen Film «Der brennende Busch» über die Selbstverbrennung des tschechischen Studenten Jan Palach nach der Niederschlagung des Prager Frühlings ins Rennen um die begehrteste Filmtrophäe der Welt.

    An den Prager Frühling hat die polnische Regisseurin und Drehbuchautorin, die am 28. November 65 Jahr alt wird, ganz persönliche Erinnerungen: Sie studierte in jener Zeit an der Prager Filmhochschule, unterstützte die Reformen in der damaligen Tschechoslowakei und war nach der Niederschlagung des Prager Frühlings wegen ihres Engagements mehrere Wochen inhaftiert.

    Politischer Kampf liegt Holland gewissermaßen im Blut: Ihre Mutter war während des Zweiten Weltkriegs in der polnischen Untergrundbewegung aktiv, kämpfte 1944 im Warschauer Aufstand gegen die deutsche Besatzung. Seit Jahren engagiert sich Holland im Leben und auf der Leinwand gegen Nationalismus und Antisemitismus, scheut keine Tabus. Wiederholt machte die Regisseurin, deren Großeltern väterlicherseits als polnische Juden in Auschwitz ermordet wurden, Krieg und Holocaust zum Gegenstand ihrer Filme - etwa «Hitlerjunge Salomon» und «Der Tunnel», die ihr beide eine Oscar-Nominierung einbrachten.

    Kämpferisch zeigte sich Holland auch, als sich ihre Tochter Katarzyna Adamik, ebenfalls Regisseurin, im vergangenen Jahr als lesbisch outete: Sie entzog der regierenden liberalkonservativen Bürgerplattform ihre Unterstützung, nachdem die Partei mit der Einführung eines Partnerschaftsgesetzes für homosexuelle Paare scheiterte. «Für diese Betrüger werde ich nicht mehr stimmen», zürnte Holland.

    Von Beginn ihrer Karriere an arbeitete Holland mit den Großen des polnischen Kinos zusammen - mit Krzysztof Zanussi und Andrzej Wajda, für den sie die Drehbücher für «Danton» und «Eine Liebe in Deutschland» schrieb. Als Drehbuchautorin war sie auch für Krzysztof Kieslowski Film «Drei Farben - Blau» im Einsatz. In den USA führte Holland in den vergangenen Jahren wiederholt bei Fernsehserien Regie, etwa bei «The Wire» und «Cold Case».

    Trotz früher Erfolge geht Holland mit der polnischen Filmbranche, den Kritikern und Festivalleitern hart ins Gericht, wenn es um die Behandlung von Regisseurinnen geht. «Man spürt immer die gläserne Wand», sagte sie in einem Interview mit dem Internetportal Onet.pl. «Ein Frau muss zäh und sehr gut sein, um nur die Hälfte des Erfolges eines Mannes in ähnlicher Situation zu erreichen.»

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