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München

Katja Eichinger: «Bernd war kein Kommerzhengst»

dpa

Katja Eichinger hat ein Buch über ihren Mann Bernd geschrieben, den berühmten Filmproduzenten, der im vergangenen Jahr völlig überraschend starb. Das Buch ist auch eine Hommage an ihre große Liebe geworden.

Katja Eichinger
Katja Eichinger spricht über ihren Mann Bernd, der vor eineinhalb jahren überraschend starb.
Foto: Peter Kneffel – DPA

Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erzählt sie unter anderem, warum ihr Mann alles andere war als ein «Kommerzhengst».

Sie haben sehr früh nach dem Tod Ihres Mannes angekündigt, seine Biografie schreiben zu wollen. Warum war Ihnen das so wichtig?

Katja Eichinger: «Weil es Bernds Wunsch war, dass ich dieses Buch schreibe. Es gibt immer verschiedene Perspektiven auf die Vergangenheit. Er hat mir seine erzählt. Es war sowohl ihm als auch mir wichtig, dass diese Perspektive aufgeschrieben wird. Wir hatten insbesondere im Zuge von "Der Baader Meinhof Komplex" sehr viel über Zeugenaussagen und Erinnerung gesprochen. Bernd betonte dabei immer wieder, dass Zeugenaussagen nur etwas wert seien, wenn sie direkt nach dem Ereignis erfolgen. Denn unsere Erinnerung passt sich immer den Anforderungen unserer Lebensumstände an. Die Erinnerung ist ein Haus mit beweglichen Wänden.

Im ersten Jahr nach dem Tod steht man als Witwe ein wenig außerhalb des Lebens. Der Rückblick, die permanente Beschäftigung mit dem verstorbenen Partner findet sowieso statt. Die Stimme des Verstorbenen klingt einem im Ohr, Bilder stehen einem kristallklar vor den Augen. Worte haben die wunderbare Eigenschaft, der Erinnerung Plastizität zu verleihen. Irgendwann holt einen der Strom des Lebens wieder zurück. Zwar nur langsam, aber es ist unvermeidlich und auch wichtig. Da wird es schwieriger, stehen zu bleiben und mit dem erforderlichen Sinn fürs Detail zurückzublicken.»

Welche Dinge, die über Bernd Eichinger geschrieben wurden, haben Sie am meisten geärgert?

Katja Eichinger: «Ärger ist das falsche Wort. Ich habe mich nur sehr gewundert, dass Bernd regelmäßig die Integrität abgesprochen und er als Kommerzhengst dargestellt wurde. Anhand seiner Filme, die sich ja zum großen Teil sehr düsterer Stoffe annahmen und auf den ersten Blick überhaupt keinen Hit versprachen, ist das eine bizarre Unterstellung. Klar hat er die Leute auch durch sein Verhalten provoziert und sich bürgerlichen Gesellschaftsspielen verweigert. Dass sich die Leute so daran gestoßen haben, ist mir unverständlich, denn genau dafür habe ich ihn ja geliebt.»

Sie scheinen auch immer sehr eng in die Arbeit Ihres Mannes eingebunden gewesen zu sein. Möchten Sie seine Arbeit – in welcher Form auch immer – fortsetzen?

Katja Eichinger: «Eins von Bernds Filmprojekten – "Vernon God Little" nach dem Roman von DBC Pierre – habe ich übernommen. Mal schauen, wie das läuft und ob ich das kann. Ansonsten ist es mir wichtig, dass Bernds Geist den Menschen zugänglich gemacht wird. Dass wir von seinen Erfolgen ebenso wie von seinen Fehlern lernen können. Bernd wollte immer ein ordentliches Archiv für seine Aufzeichnungen und Memorabilien haben. Das habe ich in die Wege geleitet. Es ist großartig, dass die Deutsche Kinemathek in Berlin nun das Bernd Eichinger Archiv verwaltet.»

Wie geht es Ihnen heute?

Katja Eichinger: «Ich bin erleichtert, dass das Buch fertig ist. Das war keine kleine Aufgabe. Ansonsten versuche ich, auf mich aufzupassen, die Erfahrung des Todes bewusst zu verarbeiten und daraus zu lernen. Ich habe meine Arbeit, meine Freunde, meine Familie und meine Erinnerungen. Dafür bin ich dankbar.»

Interview: Britta Schultejans, dpa

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