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    Berlin

    Jung und verschwiegen – Die Kinderjury bei der Berlinale

    Gerade hat ein niederländisch sprechender Elch auf der Leinwand nach heißer Schokolade verlangt. Das Publikum fand die Weihnachtskomödie «Midden in de Winternacht» lustig. Aber Lilly Rinklebe (12) ist eisern. Ob ihr der Film gefallen hat, das verrät die Berliner Schülerin nicht.

    64. Berlinale – Die Kinderjury
    Elf Spielfilme und dazu Kurzfilm-Programme gilt es für die Kinder-Jury zu bewerten und Trophäen (Der Gläserne Bär) an die Gewinner zu vergeben.
    Foto: Daniel Naupold – DPA

    Sie sitzt mit einem Festival-Pass bei der 64. Berlinale in der Jury des Kinderprogramms. Da gilt Schweigepflicht wie bei den Großen. Elf Spielfilme und dazu noch Kurzfilm-Programme dürfen die Jung-Kritiker anschauen und dann die Trophäen vergeben. Seit 1978 hat die Berlinale ein Kinderprogramm. Der Gläserne Bär, der Hauptpreis, wird dieses Jahr 20.

    Die Kinderjury bekommt schulfrei und Kino satt. «Ich gehe schon immer auf die Berlinale, und da ist es einfach toll, jetzt selbst mal die diejenige zu sein, die da auf der Bühne steht und den Preis verleiht», sagt Lilly. Sie liebt den Festival-Trailer mit dem Feuerwerk und dem funkelnden Bären. Auch Jan-Hendrik Schmahl (12) guckt mit Kennerblick. «Ich achte darauf, dass die Bildqualität gut ist», sagt er. Wichtig findet Jan, ob der Film lustig, spannend oder überraschend ist.

    1200 Jungen und Mädchen hatten sich bei der vorigen Berlinale mit Fragebögen beworben, elf wurden ausgewählt. Die Festivalreihe, die offiziell «Generation» heißt und zwei Wettbewerbsreihen für Kinder und Jugendliche hat, ist längst kein Geheimtipp mehr. 60 000 Besucher von jung bis alt kommen jedes Jahr.

    In den Vorführungen für die Kleinen geht es ein bisschen wuseliger zu als im Erwachsenenprogramm. Wie bei den Großen haben die Zuschauer die Gelegenheit, hinterher dem Filmteam Fragen zu stellen. Wie das mit dem Elch funktioniert hat, wollen die Kinder wissen. Und der Weihnachtsmann aus dem holländischen Film wird gefragt: «Haben Sie mehr als eine Flasche Schnaps getrunken?» Ja, sagt dieser. «Das hat sehr gut geholfen.»

    Damit die Jüngeren nicht auf Untertitel angewiesen sind, ist bei der Aufführung zusätzlich zum Original eine deutsche Stimme zu hören. Das funktioniert gut. Die Kinderjury macht sich während des Films Notizen und diskutiert nach den Vorstellungen. Einer führt dabei Protokoll.

    Ob Animation oder klassischer Spielfilm – das Programm ist bunt gemischt und kein Mainstream. Es laufen Filme aus Indien, Japan oder der Türkei. Jugendliche können sich den britischen Musikfilm «God Help the Girl» von Stuart Murdoch ansehen, das Regiedebüt des Sängers der Band Belle and Sebastian. «Jack», Edward Bergers Geschichte von zwei vernachlässigten Berliner Jungen, wird nicht nur im Hauptwettbewerb gezeigt, sondern auch in der Kinderreihe.

    Die Leiterin der Festival-Sektion weiß, wie aus Kindern Cineasten werden können. «Junge Menschen begeistern sich für das Kino beziehungsweise Filme, wenn sie merken, dass die Filme aus ihrem Blickwinkel erzählt werden und auf Augenhöhe stattfinden», sagt Maryanne Redpath. Das Publikum wachse auch mit. Viele Kinder von einst seien heute erwachsen und treue Fans der Sektion geworden.

    So wird es wohl auch bei Jan und Lilly aus der Jury sein. Langweilig wird es ihnen bei der Berlinale bestimmt nicht. Der Kinomarathon kann auch anstrengend werden, weiß Lilly. Aber bei der Berlinale Filme zu gucken, das sei einfach ein Erlebnis. Beim Festival findet sie es viel besser als sonst im Kino, wo die Leute am Ende nicht klatschen und schon beim Abspann rausgehen.

    Berlinale Generation

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