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    «Guten Tag, Ramón»: Ein mexikanischer Film aus Hessen

    Wiesbaden/Mexiko-Stadt (dpa) – Die Liebe hat Jorge Ramírez-Suárez einst nach Deutschland gebracht. Seit Jahren lebt der mexikanische Filmregisseur («Rabbit on the Moon», «Amar») mit seiner deutschen Frau und zwei Kindern in Taunusstein bei Wiesbaden.

    Jorge Ramírez-Suárez
    Der mexikanische Regisseur Jorge Ramírez-Suárez vor dem Kurhaus in Wiesbaden.
    Foto: Friedemann Kohler – DPA

    In seinem neuen Film «Guten Tag, Ramón» setzt er der Wahlheimat ein Denkmal: Der Immigrant Ramón aus Mexiko erlebt in Wiesbaden ein ungewöhnlich freundliches Deutschland. Aber auch ein Land voller alter und einsamer Menschen.

    In Mexiko, dem viertgrößten Markt an Kinozuschauern weltweit, ist «Guten Tag, Ramón» ein kleiner Hit und hat schon 1,3 Millionen Zuschauer angezogen. Internationale Premiere ist am Freitag (14.11.) beim Exground Filmfest in Wiesbaden, am 22. Januar kommt der Film deutschlandweit in die Kinos.

    Zwei bis drei Mal im Jahr fliegt Ramírez-Suárez (45) zu Dreharbeiten und Gesprächen nach Mexiko. Doch wenn ihn die laute Millionen-Metropole Mexiko-Stadt müde gemacht hat, zieht es ihn wieder in sein Haus auf dem Taunuskamm. Er mag das Theater in Wiesbaden, den nahen Rheingau und dessen Weine. «Ich liebe die Lebensqualität für meine Frau und Kinder hier in Deutschland», sagt der Regisseur.

    Die Handlung seines fünften Spielfilms: Der junge Mexikaner Ramón (Kristyan Ferrer) will daheim nicht kriminell werden, Ausreisen in die USA scheitern, also fliegt er nach Deutschland. Er landet auf der Straße, bis die Rentnerin Ruth (Ingeborg Schöner) ihm Obdach gibt. Ramón schleppt Einkäufe für die alten Hausbewohner, sie versorgen ihn mit Essen. Mit Merengue-Tanzen bringt er den ganzen Seniorenkreis in Schwung. Doch dann wird er bei der Polizei verpfiffen.

    Ramírez-Suárez zeigt seinen Landsleuten ein fernes, exotisches Land. Zum Frühstück essen Deutsche keine Tortillas, sondern schmieren Butter und Marmelade auf schmale Brotscheiben. Staunend entsorgt Ramón weiße und grüne Flaschen in getrennte Container. Selbst Bordelle sind einschüchternd gut organisiert.

    Vor allem aber sind die Deutschen fast alle freundlich, hilfsbereit. Sieht der Regisseur seine Wahlheimat zu positiv? «Ich bin es leid, dass Filme über Mexiko immer nur von Drogen, Gewalt und Kriminalität handeln», sagte Ramírez-Suárez der Nachrichtenagentur dpa. «Und es gibt so viele nette Menschen in Deutschland, aber das wird im Kino nicht gezeigt.» Kein Land in Europa tue so viel für Flüchtlinge wie Deutschland, hat Ramírez-Suárez in das Pressematerial zu seinem Film schreiben lassen.

    In Mexiko sind die Reaktionen geteilt. Der Kinogängerin Claudia García Soto gefällt der positive Blick auf das Thema Migration, das sonst mit Leid und Elend behaftet ist. «Natürlich ist es auch wichtig, all die Probleme der Migranten nicht zu verschweigen», sagt die 28-Jährige. «Aber es ist auch mal schön, eine Auswanderer-Geschichte mit einer hoffnungsvollen Botschaft zu sehen.»

    Dem Filmkritiker Alonso Díaz de la Vega ist das hingegen zu viel des Guten. «Trotz seines Erfolgs scheitert «Guten Tag, Ramón» filmisch an seiner extremen Sentimentalität und seinen Allgemeinplätzen», schreibt er in der Zeitung «Excélsior».

    In der «Vanguardia» urteilt Kritiker Carlos Díaz Reyes etwas milder: «Der Film hat ein gutes Herz und eine exzellente Idee, hätte aber besser umgesetzt werden können.» Das Spannende sei die Freundschaft zweier völlig verschiedener Menschen, getrennt durch die Sprachbarriere, aber geeint in ihrer Einsamkeit.

    In Deutschland könnte der Blick des Mexikaners auf die einsamen Alten zum Nachdenken anregen. Ramírez-Suárez hat sich viel mit der älteren Generation beschäftigt, deren Kindheit im Zweiten Weltkrieg unterging. «Das unterscheidet sie von denen, die danach geboren wurden.» Häuser, in denen nur noch alte Menschen in kleinen Wohnungen leben, kennt er aus eigener Anschauung in Deutschland. «In Mexiko wäre so etwas nicht möglich.» Die Alten lebten in ihren Familien.

    Guten Tag, Ramón

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