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    Wiesbaden

    «goEast»-Filmfestival in Wiesbaden

    Zwanzig Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs filmen osteuropäische Regisseure längst ohne Schere im Kopf - zumindest ohne die Zensurschere. «Die Zensurproblematik aus sozialistischen Zeiten wurde durch eine viel erbarmungslosere Diktatur abgelöst: die des Marktes», zeichnet der Berliner Filmhistoriker Hans-Joachim Schlegel ein drastisches Bild von heutigen Zwängen.

    Auch die neue Leiterin des «goEast»-Filmfestivals in Wiesbaden, Gaby Babic, sieht diese Problematik. Sie meint aber: «Die unglaublich reiche Filmgeschichte wird von der jungen und mittleren Generation durchaus reflektiert.» Die Tendenz zum sehr langsamen Erzählen und einer «Verzögerung des Tempos» spricht für diese Einschätzung.

    Das «goEast»-Festival, das seit Mittwochabend zum elften Mal in Wiesbaden stattfindet, versteht sich als «cineastisches Kaleidoskop Mittel- und Osteuropas». Bis zum Dienstag (12. April) werden 127 Filme aus 30 Ländern gezeigt.

    Als Beispiel für den Spagat zwischen eigener Handschrift und Marktbedürfnissen beschreibt Babic das aktuelle Filmschaffen in Bulgarien, wo es kaum noch Kinos gebe. «Dort wird nun versucht, der ganz jungen Generation das Medium Kino neu zu vermitteln.» Die damit verbundene Konventionalisierung sei eine Überlebensmaßnahme. «Es kommen aber keine platten Filme dabei heraus», betont sie. Gerade bulgarische Komödien seien sehr charmant.

    Als roter Faden zieht sich das Thema Migration in allen Facetten durch die Filme. Außerdem gibt es eine Tendenz zu privaten und individuellen Geschichten: «Vieles dreht sich um die Veränderung von Rollenmustern, um das Scheitern von Familien- und Beziehungsmodellen.»

    Bei «goEast» versammeln sich jene Filmemacher, die trotz kommerzieller Ansprüche auch künstlerische Ambitionen haben. «Unsere sehr reiche Filmgeschichte endete 1989. Plötzlich durfte man alles sagen, und dies entpuppte sich als Problem», sagt Igor Chojna, der im polnischen Lodz studiert. «Um die Zensur zu umgehen, musste man Dinge indirekt erzählen. So entstand ein sehr spezieller Stil. Nach dem Ende der Diktatur versuchten alle, Filme wie in den USA zu machen. Aber die Budgets waren klein und die Ergebnisse schrecklich.» Erst die Gründung des Polnischen Filminstituts 2005 und massive Fördermaßnahmen machten künstlerisches Filmen wieder möglich.

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