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    Filmfestleiter Ströhl kann mit Glamour nicht viel anfangen

    Gespräche statt Glamour - mit diesem Credo hat Andreas Ströhl acht Jahre lang das Münchner Filmfest geleitet. Ende Juli verabschiedet er sich und wechselt ans Goethe-Institut. Seine Nachfolgerin Diana Iljine hat bereits angekündigt, den Glamour-Faktor zu erhöhen.

    Andreas Ströhl
    ARCHIV - Andreas Ströhl, Chef des Filmfestes München, posiert am 20.06.2011 in München (Oberbayern) während einer Pressekonferenz. Seit acht Jahren steht das Filmfest München vor allem für die Begegnu
    Foto: DPA

    Mehr Stars, mehr rote Teppiche, mehr Blitzlichtgewitter? Für Ströhl passt das nicht so recht zusammen: Das Filmfest sei ein Publikumsfestival für Leute, die anspruchsvolles Programm schätzten, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Statt Starrummel also Konzentration auf das Wesentliche: den Film.

    Besonders wichtig ist für ihn der Austausch zwischen Filmemachern und Zuschauern, wie ihn das Filmfest etwa in Gesprächsrunden bietet. «Film verblödet tendenziell seine Zuschauer, weil sie wehrlos gemacht werden und nicht antworten können», sagte er. Deswegen brauche Film mehr als andere Kulturtechniken einen Dialog, den die Festivals bieten könnten - allerdings nur, wenn sich Regisseure, Schauspieler und Zuschauer auf Augenhöhe begegneten.

    «Wenn das Publikum die Filmschaffenden für Stars hält, für Helden und Göttinnen und Diven und da einen Glamour erkennt, dann kann es keinen Dialog geben und dann ist es völlig sinnlos, ein Festival zu machen», resümierte Ströhl. «Deswegen glaube ich, dass Glamour Festivals schadet, jedenfalls solchen, wie wir es sind.»

    Natürlich gebe es noch viele große Schauspieler, die er gern in München empfangen hätte. «Es gibt Schauspieler, die sind hochsensible Intellektuelle und meisterhafte Künstler. Und es gibt andere, das sind Leute, die ihr Gesicht vermieten und mit denen kann ich nicht viel anfangen.» Auch das Publikum oder die Sponsoren hätten diese Art von Stars nicht vermisst. «Nach Glamour geschrien haben bislang eigentlich nur Vertreter bestimmter Medien, die von diesem selbstgemachten Hype leben.»

    Mit dem Begriff Glamour kann sich Ströhl ohnehin nicht anfreunden, er hegt vielmehr Bewunderung für künstlerische Leistungen. «Glamour ist die Aura eines Gelehrten, das ist die ethymologische Bedeutung. Jetzt ist es Lametta aus zweiter Hand», findet er. «Ich kann John Malkovich großartig finden, weil er einer der besten Schauspieler der Welt ist; dass der berühmt ist, interessiert mich nicht sehr.»

    Ströhl setzt lieber auf Schauspieler, die beides vereinen wie die Cine Merit Preisträger Mads Mikkelsen oder John Malkovich, die sowohl in Arthouse-Filmen als auch in kommerziellen Werken wie «James Bond» oder «Transformers 3» zu sehen sind. «Die Leute entdecken so, was ihre Lieblinge aus dem Unterhaltungskino sonst noch so machen, und vielleicht findet der eine oder andere ja Geschmack an einem anspruchsvollen Film - das sind Brücken.»

    Dass seine Nachfolgerin Iljine möglicherweise vieles verändern wird, sieht Ströhl gelassen: «Ich wünsche dem Filmfest, dass alles anders wird und gut bleibt.» 2 Millionen Euro stehen dem Filmfest zur Verfügung, 500 000 Euro davon erwirtschaftet es selbst mit Ticketverkäufen.

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