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Toronto

Filmfest in Toronto: Stars statt Geheimtipp

Die Anfänge waren klein, geradezu beschaulich: Als das erste Toronto International Filmfest (TIFF) vor 40 Jahren mit einer Handvoll Filmen in seine erste Runde ging, schlug es kaum Wellen.

TIFF – Colonia
Lena (Emma Watson) und Daniel (Daniel Brühl) geraten in die Straßenunruhen während des Militärputsches in Chile.
Foto: Majestic/Ricardo Vaz Palma – dpa

Dass es sich in den nächsten Dekaden zu einem der beliebtesten Filmfeste Nordamerikas entwickeln würde, hätte damals kaum jemand vermutet.

Am Donnerstag (10. September) startet das Festival in seine Jubiläums-Saison. Heute ist das TIFF eine Institution, die dazugehörige Filmorganisation unter der Leitung von Piers Handling ein erfolgreiches Unternehmen, das ganzjährig Programme anbietet. «Damals gab es fünf Vollzeitkräfte, heute sind es 200. Stars waren rar, mittlerweile kommen sie in Scharen», erinnert sich Handling im Interview der Deutschen Pressagentur.

Und das wird auch im Jubiläumsjahr nicht anders sein: Die kanadische Metropole rüstet sich für einen besonders großen Celebrity-Auflauf. Das TIFF, sagt Handling, habe sich zu einem Star-Magneten entwickelt. Auch wenn es der Millionenstadt am Glanz und Glamour eines Cannes oder Venedig mangele – in Toronto stehe die Lässigkeit im Mittelpunkt, «das wissen Stars und Filmemacher zu schätzen. Der Druck fehlt, der Schwerpunkt liegt auf den Filmen». Unter anderem werden in diesem Jahr Matt Damon, Sandra Bullock, Jake Gyllenhaal, Kate Winslet und Kristen Stewart erwartet.

Mit 399 Produktionen aus 71 Ländern, darunter 132 Weltpremieren, legt das elftägige Filmfest erneut zu. Für Handling ist das Jubiläum auch ein guter Zeitpunkt, um Bilanz zu ziehen und zu sagen «es reicht, wir haben das Limit bereits erreicht.» Quantität sei auf Dauer nicht tragbar, «die Qualität der Auswahl hat das Filmfest zu dem gemacht, was es heute ist: international angesehen.»

Auch Deutschland reist wieder mit einem vollen Programm über den Atlantik: 34 Beiträge, darunter Dokumentationen und Koproduktionen, werden vorgestellt. «In diesem Jahr ist es schwierig, die Filme unter einem Aspekt zusammenzufassen, da sie alle sehr unterschiedlich sind. Sowohl von den Themen, als auch von den Filmemachern», sagt Birgit Koch von German Films. Neben etablierten Namen wie Wim Wenders («Every Thing Will Be Fine») sind auch Filmemacher wie Sebastian Ko («We Monsters») oder Thomas Stuber («A Heavy Heart») mit ihren ersten Langfilmen dabei.

Mit Spannung erwartet wird «Colonia» des deutschen Regisseurs Florian Gallenberger mit Emma Watson und Daniel Brühl als Liebespaar, das sich 1973 in blutigen Ausschreitungen nach dem Coup gegen Chiles Präsidenten Salvador Allende wiederfindet. Mit Vorschusslorbeeren und vorsichtigem Oscar-Buzz bedacht werden bereits Filme wie «The Danish Girl» von Tom Hooper oder Ridley Scotts «The Martian» mit Matt Damon und Jessica Chastain in den Hauptrollen. Hoopers Drama erzählt die Geschichte der Transgender-Künstlerin Lili Elbe, gespielt von Oscar-Gewinner Eddie Redmayne («The Theory of Everything»).

Stark vertreten sind 2015 vor allem Filmbiografien wie «The Programm» über Lance Armstrong oder Jay Roachs «Trumbo» mit Ben Foster in der Rolle des Drehbuchautors, der auf die Schwarze Liste geriet. Den Auftakt macht im Jubiläumsjahr ein romantisches Drama: Jean-Marc Vallés («Dallas Buyers Club») «Demolition» mit Naomi Watts und Jake Gyllenhaal eröffnet am Donnerstag das Festival, dessen Sieger am 20. September nach einem Publikumsvotum feststehen wird.

Denn beim TIFF entscheidet – anders als in Cannes oder Venedig – anstelle einer Jury das Publikum über die Gewinner. «Bisher traf das Publikum immer den Nerv», sagt Handling. So gut, dass das Festival mittlerweile als zuverlässiges Barometer für die im Februar anstehenden Academy Awards gilt. 2013 gewann beispielsweise das Sklavendrama «12 Years A Slave» den Publikumspreis und sahnte anschließend auch bei den Oscars ab. In den Jahren davor heimsten Filme wie «Silver Linings», «The King's Speech» oder «Slumdog Millionaire» nach ihrem Gewinn in Toronto weitere große Preise ein.

«Torontos Bewohner sind filmverrückt», sagt Handling. Das passiere wohl nach 40 Jahren erfolgreichem Festival-Wachstum und elf Tagen Starrummel in der Stadt. «Wir bringen die Lässigkeit, die Stars den Glamour, die Filmemacher die Kultur. Es ist eine perfekte Mischung.»

Website des Festivals

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