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Film über Georg Trakl: Unmögliche Geschwisterliebe?

Luxemburg/München (dpa) – Ein Kinofilm über den österreichischen Dichter Georg Trakl (1887-1914) macht ein Tabu zum Thema: Geschwisterliebe. Im Fokus steht die Liebesbeziehung Trakls zu seiner Schwester Grete, die zwar historisch nicht belegt ist, aber angenommen wird.

«Es ist eine Liebe, die Grenzen überschreitet», sagte Regisseur Christoph Stark der Nachrichtenagentur dpa in München. Sie stehe letztlich für eine unmögliche Liebe, für die zwei Menschen dennoch kämpfen. «Inzest ist eines der letzten Tabus, das es noch gibt», sagte Stark, der gerade die Dreharbeiten für den Film «Für immer und ewig» in Luxemburg beendet hat. Der Streifen soll im Herbst 2011 in die Kinos kommen.

Bei dem Film handele es sich «nicht um eine historische Nacherzählung», sondern um eine moderne Interpretation von Trakls Leben, sagte der 45-Jährige. Für Stark «ist es ganz klar, dass es eine inzestuöse Beziehung zwischen Georg und Grete gab». Dies werde vor allem in den Gedichten deutlich, in denen der Expressionist die gegenseitigen Gefühle beschrieb («Blutschuld»). Der Film mit Lars Eidinger (Georg Trakl) und Peri Baumeister (Grete Trakl) in den Hauptrollen wurde auch in Wien gedreht.

«Missbrauch ist ein großes Thema dieser Zeit», sagte Stark, der bereits mehrere Folgen der TV-Krimireihe «Tatort» und «Bloch» inszeniert hat und im Kino mit «Julietta» (2000) debütierte. War Grete doch schließlich mit ihren 17 Jahren noch minderjährig, als die Beziehung begonnen haben soll. Die große Frage bei dem Film sei, «wie das Publikum reagiert», sagte Stark. Was für den einen vielleicht unangenehm zu sehen sei («Es gibt ein paar explizite Szenen»), betrachte der andere möglicherweise als normal.

Trakls Leben war zudem bestimmt von Alkohol- und Drogenkonsum, finanziellen Schwierigkeiten und einer großen Todessehnsucht. «Es war eine Herausforderung, ein schweres Thema nicht so schwer zu erzählen», sagte Stark. Gelungen sei dies, indem Georg Trakls Leben aus der Sicht seiner Schwester Grete erzählt werde. «Mit ihr schaue ich in den Abgrund – und wieder weg», sagte der Regisseur. Das Drehbuch zu dem Film stammt von Ursula Mauder. Das Budget für den Dreh belief sich auf rund vier Millionen Euro.

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