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Johannesburg

Die Regenbogennation amüsiert sich über Mr. Bones

dpa

Südafrikas populärster Komiker heißt Leon «Schuks» Schuster. Passend zur Fußball-WM hat er gerade wieder einen Film produziert, der wie gemacht scheint für WM-Fans: «Schuks Tshabalalas Überlebensführer für Südafrika» (Schuks Tshabalalas Survival Guide to South Africa).

Schwarze und Weiße sind bei Schusters Filmen stets lachend im Kinosaal vereint – auch 16 Jahre nach dem offiziellen Ende der Apartheid ist das noch immer eine Seltenheit.

Die bloße Erwähnung von Schusters Namen bringt das Publikum am Kap in Scharen ins Kino und ernsthafte Filmkritiker regelmäßig in Verlegenheit. Denn während südafrikanische Gauner-Komödien wie «Tsotsi», die Opern-Verfilmung «Carmen in Kayelitsha» oder der Science-Fiction-Streifen «District 9» die Qualität des neuen südafrikanischen Films verbildlichten, glänzt Schuster in seinen Werken vor allem mit Slapstick und Fäkal-Humor.

Ähnlich wie in James-Bond-Streifen hält oft ein mehr oder weniger glaubwürdiges Drehbuch eine Serie von Actionszenen zusammen, bei denen der Regenbogennation und ihren Vorurteilen mehr als einmal der Spiegel vorgehalten wird. Der Komiker, der schon vor der demokratischen Wende am Kap mit einer Art «versteckter Kamera» landesweit populär wurde, ist ein Phänomen. Wo feinsinnige Satiriker wie Pieter-Dirk Uys wortstark mit scharfer Klinge fechten, schwingt Schuster den schweren Säbel des Klamauk.

Sein bisher größter Kracher hieß «Mr. Bones». In dem bunten Actionfilm spielte er den weißen Sangoma (Medizinmann) des fiktiven Königreiches Kabukiland, der im modernen Südafrika die unglaublichsten Abenteuer erlebt. Der Film war ein derartiger Kassenschlager, dass er am Kap selbst Hits wie «Titanic» weit in den Schatten stellte. Kein Wunder, dass Südafrikas bedeutendster Filmproduzent, Anant Singh, schon kurz drauf die Neuauflage «Mr. Bones II» herausbrachte – auch ein kommerzieller Erfolg.

In seinem jüngsten Film stellt der weiße Schuster den schwarzen Lehrer Schuks Tshabalala dar, der während der Fußball-WM einen Nebenjob als Fremdenführer hat und ausländischen Urlauber sein Land erklärt. Er führt dabei mehr als einen pompösen Würdenträger vor und schreckt auch vor Klischees nicht zurück. «Es ist eine schräge Odyssee durch das WM-Fieber – der Film ist zeitlich gut platziert», befand der Kritiker der auflagenstarken Zeitung «Sunday Times».

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