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    Bamberg

    Der Franken-"Tatort" in der Krise? Das ist das Urteil unseres Kritikers

    Was macht der Chef der Mordkommission „Franken“, wenn er aus dem Tschetschenien-Urlaub zurückkehrt und einen Mordanschlag auf ein Flüchtlingsheim aufklären muss? Richtig, er verschenkt ein paar tschetschenische Würste und mischt sich undercover unter Syrer und Iraker. Ein bisschen Akzent, ein altes T-Shirt und strubbelige Haare – schon wird aus Chefermittler Felix Voss (Fabian Hinrichs, 42) der tschetschenische Flüchtling Erso Maschadow.

    Anmeldung im Flüchtlingsheim: Hauptkommissar Felix Voss (Mitte) gibt sich als Tschetschene aus. Foto: BR/Rat Pack Filmproduktion/Bernd Schuller
    Anmeldung im Flüchtlingsheim: Hauptkommissar Felix Voss (Mitte) gibt sich als Tschetschene aus.
    Foto: BR/Rat Pack Filmproduktion/Bernd Schuller

    Der Auftakt zum Sonntags-„Tatort“ (ARD, 20.15 Uhr) verspricht einen spannenden und skurrilen Krimi – doch er gerät zur herben Enttäuschung. Er ist ein löbliches Plädoyer für Menschlichkeit gegenüber Flüchtlingen. Aber packende Unterhaltung geht anders.

    Der Franken-„Tatort“ mit dem Ermittlerduo Voss und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel, 58) feierte 2015 Premiere. Damals wurde ein Professor beim Sex im Auto getötet. 2016 versuchte man dann das Experiment, drei Geschichten auf einmal zu erzählen. Mit mäßigem Erfolg. Die Einschaltquote sank von 12,1 Millionen (2015) auf 8,4 Millionen. Und jetzt der neue Fall. Der Franken-„Tatort“ steckt schon nach der dritten Folge in der Krise.

    „Ist da Esel drin?“, fragen die Kollegen, als Voss seine tiefschwarzen Salamis verteilt. Bisher wusste man so gut wie nichts über den Kommissar. Jetzt erfährt man, dass er eine tschetschenische Großmutter hat, die Würste macht. Aha.

    Der Krimi beginnt mit einem heimtückischen Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Bamberg. Ein Unbekannter wirft einen Brandsatz in die Gemeinschaftsküche – eine Frau aus Kamerun stirbt. Kein Anwohner hat etwas gesehen, kein Flüchtling sagt etwas. Es folgt der Undercovereinsatz von Chefermittler Voss. Er rasiert sich nicht mehr und spricht mit höchst albernem tschetschenischen Akzent. Man reibt sich verwundert die Augen, dass die „Tatort“-Macher dies als realistisches Szenario verkaufen wollen.

    Foto: frei

    Die „Tatort“-Folge betrachtet das Flüchtlingsthema aus vielen allzu bekannten Blickwinkeln: Da ist der Neonazi, der Migranten verprügelt. Die ausländische Bande, die Rentnern ihre Schätze stiehlt. Die engagierte Hausfrau, die Migranten Deutsch beibringt. Und der Reiche, der durch die Flüchtlingskrise noch reicher wird.

    Immerhin eine Szene bricht mit Klischees. Kommissar Sebastian Fleischer (Andreas Schadt, 39) sinniert im Büro über den Fluchtweg der getöteten Kamerunerin: „Erst vermutlich zu Fuß quer durch Nordafrika. Hunger. Durst. Marodierende Banden. Angst vor Vergewaltigung. Dann Schleuser, ein Schiff, völlig überfüllt, untauglich für Hochsee. Ein ständiges Bangen, ob das Ding untergeht oder nicht.“ Bis seine Kollegin ihn unterbricht: „Fleischer, sie ist geflogen!“

    Wie fränkisch ist der Franken-„Tatort“? Einige Kommissare fränkeln. Und der Fall spielt in Bamberg. Aber: Man merkt es kaum.

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