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    Oberhausen

    Arabischer Frühling bei den Kurzfilmtagen

    Verwackelte YouTube-Videos sind im Arabischen Frühling und in den Protestbewegungen etwa in Russland zu Sprengstoff gegen Diktaturen geworden.

    Doch auch im künstlerischen Kurzfilm hinterlassen die Freiheitsaufstände - ästhetisch verfremdet - ihre Spuren, wie sich bei den diesjährigen Kurzfilmtagen in Oberhausen vom 26. April bis 1. Mai zeigt. Wandel, Erneuerung und ein kritischer Blick auf Missstände sind 2012 in den nominierten Beiträgen des Festivals wichtige Motive.

    6000 Beiträge wurden beim ältesten deutschen Kurzfilmwettbewerb eingereicht. Allzu direkt politische Darstellungen schafften nicht den Sprung unter die 140 ausgewählten Filme. «Wir wollten hier keine zweiten "Tagesschau"-Beiträge», sagt Festivalleiter Lars Henrik Gass. Der Wandel zeigt sich aber im Privaten; etwa im humorvollen und romantischen Elfminüter «Cafe Regular, Cairo» des Inders Ritesh Batra.

    Da drängt eine junge Ägypterin beim Tête-à-Tête in einem öffentlichen Café ihren Freund zum vorehelichen Sex - in einer islamisch geprägten Gesellschaft nach wie vor ein heikler Vorschlag. 50 rote Rosen sollen auf dem Bett liegen und er muss die Augen dabei schließen. Wie stark die Kraft der Konvention noch ist, zeigt das ängstliche Verstummen des Paares, sobald sich der Kellner nähert. «Und wenn wir dann nicht zusammen passen?», fragt der verblüffte Freund. Sie übernehme die Verantwortung, antwortet die Frau - eine Haltung, die eben nicht nur privat ist.

    Ein politisches Filmexperiment wagt «Snow Tapes/Schnee Videos» des israelischen Filmemachers Michael Zupraner: Er stattet Palästinenser mit Videokameras aus und dokumentiert einen winterlichen Videoabend der Familie Al-Haddad im Wohnzimmer im Westjordanland. Der Bildschirm ist geteilt: Zu sehen sind die Videoaufnahmen und zugleich die Kommentare der Familie beim Anschauen. Zum Glas Tee gibt es dabei fröhliche Bilder von der Schneeballschlacht im Familienkreis. Schon in der nächsten Szene sind die Schneebälle aber Waffen: Jüdische Siedler und Palästinenser bewerfen und beschimpfen sich wüst, es sollen auch Steine geflogen sein. Das Private wurde politisch.

    Den Verfall des Bestehenden zeigt der Beiruter Elie Alexandre Habib minutiös in seinem Film «E.D.L.» über die Zentrale der Beiruter Elektrizitätswerke. Der Filmemacher geht mit der Kamera durch fast jeden Raum des Hochhauses - überall Verfall, abgeblätterte Farbe und zugewachsene Wege. Aus Syrien sind derzeit nicht einmal solche Beiträge zu sehen, berichtet Gass. Die einst blühende Filmszene des Landes sei durch staatliche Willkür und Zensur praktisch zum Erliegen gekommen. Das 2008 gegründete Dokumentarfilm-Festival «Dox Box» in Damaskus wurde wegen der chaotischen Verhältnisse im Land 2012 von den Organisatoren abgesagt.

    Politisches im Privaten gibt es beim Festival auch aus Russland. Valery Shevchenko zeigt das Ende der alljährlichen Neujahrsfeier im Kreml mit Hunderten von Kindern, die auf dem Platz vor der Kathedrale unsanft wieder ihren Eltern übergeben werden: Polizisten mit Megafonen sperren den Platz mit Gittern ab und zwingen die frierenden Eltern hinter die Absperrung. Die Kinder müssen im Kreis laufen, wieder und wieder, bis sie auf dem riesigen Platz endlich ihre Eltern erkennen. Tränen fließen, Polizisten werden wütend beschimpft, bis endlich das letzte Kind übergeben ist. Die Uniformierten räumen stoisch die Gitter weg - bis zum nächsten Mal.

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