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    Los Angeles

    «#Zeitgeist»: Tragikomödie über Liebe und Sex

    «#Zeitgeist» heißt der neue Ensemblefilm von Regisseur Jason Reitman («Juno», «Up in the Air») in Deutschland, in den USA lief er unter dem Titel «Men, Women & Children», wie der gleichnamige Kultroman von Chad Kultgen.

    #Zeitgeist
    Jennifer Garner als Kontroll-Freak Patricia.
    Foto: D. Robinette/Paramount Pictures - DPA

    Beides passt, denn es geht um Männer, Frauen und Kinder im Zeitalter der digitalen Kommunikation.

    Reitman hätte seine bitterböse Tragikomödie, die mehr zum Nachdenken als zum Lachen animiert, auch «Liebe, Sex und Freundschaft» nennen können. Er stellt sieben Familien in einer Vorstadt in Texas mit ihren Beziehungsproblemen, Wünschen und Ängsten vor, unter dem ständigen Bombardement von SMS-Botschaften, Online-Pornos, Videospielen und Internetüberwachung.

    Jennifer Garner, die schon in Reitmans gefeierter Teenagerkomödie «Juno» (2008) einen verunsicherten Kontroll-Freak spielte, stellt in «#Zeitgeist» ihrer 15-jährigen Tochter Brandy auf Schritt und Tritt nach. Um den Teenager zu «beschützen», verlangt sie von Brandy alle Passwörter, überwacht ihr Handy und kontrolliert eingegangene Anrufe.

    Dem Mädchen gelingt es dennoch, sich heimlich mit Tim (Ansel Elgort aus «Das Schicksal ist ein mieser Verräter») zu treffen. Seine Mutter hat die Familie verlassen und sich neu verlobt, wie er zufällig auf Facebook erfährt. Er flüchtet sich in Videospiele, sein Vater Kent (Dean Norris aus «Breaking Bad») tröstet sich mit der gefrusteten Single-Mutter Donna (Judy Greer), die ihre hübsche Tochter mit heißen Fotos auf einer Webseite als angehende Schauspielerin vermarktet.

    Da sind auch noch die Eheleute Don (Adam Sandler) und Helen (Rosemarie DeWitt), die kaum noch Sex miteinander haben. Er bedient sich bei Online-Pornos, sie probiert heimlich einen Dating-Service. Auf der Suche nach echtem Kontakt lebt man aneinander vorbei. Die digitalen Möglichkeiten machen das Miteinander nicht leichter, ganz im Gegenteil.

    Diese Message bringt Reitman mit seiner hochkarätigen Ensemblebesetzung unterhaltsam, mitunter provozierend und auch nachdenklich rüber. Weniger wäre allerdings mehr gewesen. Er packt zu viele Stränge in die Story. statt bei den Hauptfiguren etwas tiefer zu gehen.

    Doch er trifft die Balance zwischen Komödie und Drama. Eine Szene in einer Shopping-Meile mit Menschen, die tweeten, texten und nur Blicke für ihr Handy haben, ist nur im ersten Moment lustig. Dann macht ihre Einsamkeit trotz virtueller Vernetzung betroffen.

    Reitman gibt «#Zeitgeist» zudem einen originellen Rahmen. Mit Aufnahmen von der Raumsonde Voyager wirft er einen Blick aus dem Weltraum auf die verschwindend kleine Erde und zitiert den US-Astronom und Autor Carl Sagan (1934-1996). Dieser hatte die 1990 als winzigen blassblauen Punkt fotografierte Erde «pale blue dot» genannt. Sagan spricht über menschliche Eitelkeiten und die Zerbrechlichkeit des Planeten. Er fordert die Menschen auf, freundlicher miteinander umzugehen und diesen blassen blauen Punkt zu schätzen und zu bewahren. Mit dieser Message gibt Reitman am «#Zeitgeist»-Ende einen passenden Denkanstoß.

    Filmseite zu «#Zeitgeist»

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