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Berlin

«Wagner & Me» – Stephen Fry auf Wagners Spuren

dpa

«Ich komme mir vor wie ein Kind in einem Bonbon-Laden», sagt Stephen Fry, als er im Bayreuther Festspielhaus auf dem Dirigentenstuhl Platz nehmen darf. In dem Dokumentarfilm «Wagner & Me» (Wagner & Ich) offenbart der britische Schriftsteller, Schauspieler und Komiker (54) eine bisher eher unbekannte Seite.

«Wagner und Ich»
Stephen Fry geht Richard Wagner auf den Grund.
Foto: Film Kino Text – DPA

Er ist ein glühender Verehrer Richard Wagners. Und so begibt er sich auf eine sehr persönliche Suche nach Wagner, diesem genialen, umstrittenen Magier der Musik.

An welchem anderen Ort könnte die Suche beginnen als auf dem Grünen Hügel von Bayreuth: «Für jeden, der Wagner verehrt, ist dieser Ort Stratford-upon-Avon, Mekka und Graceland in einem», schwärmt Fry. Zu Klängen aus dem «Siegfried» wohnt er einer Orchesterprobe bei, staunend durchwandert er den Festspielbezirk, voller Ehrfurcht betritt er den Zuschauerraum, «das Heiligtum der Heiligtümer». «Unglaublich», «großartig», «fantastisch» – Fry ist hingerissen von dem, was er sieht: «Meine Lieblingsmusik in Wagners eigenem Theater zu erleben – davon träume ich, solange ich mich erinnern kann.»

Fast naiv mutet diese grenzenlos scheinende Wagner-Verehrung zunächst an. Doch schnell wird es ernst: Hitler kommt ins Bild. Das ist das Spannende an dem eineinhalbstündigen Film: Wie Fry, der jüdische Wurzeln hat und Angehörige im Holocaust verlor, darum ringt, die richtige Balance zu finden zwischen Wagner, dem genialen Schöpfer des «Tristan» und des «Ring» einerseits, und Wagner, dem üblen Antisemiten und Lieblingskomponisten der Nazis andererseits.

Er bemüht sich zu verstehen, reist an Wagners Wirkungsstätten in der Schweiz, spricht mit Experten, besucht Nürnberg, die Stadt der Nazi-Reichsparteitage. Und er kommt zu dem Fazit: «Hitler und die Nazis haben Wagner befleckt.» Aber stärker als alle moralischen Einwände ist seine Liebe zum Werk. Mit kindlicher Begeisterung sitzt er im Bayreuther Haus Wahnfried an Wagners Originalflügel, spielt den Tristan-Akkord und glaubt es kaum: «Ich muss mich zwicken!»

2009 ist der Film bereits entstanden, gedreht hat ihn der britische Dokumentarfilmer Patrick McGrady. Vor dem Wagner-Jahr 2013, dem 200. Geburtstag des Komponisten, kommt er jetzt in die deutschen Kinos – als eine kurzweilige, auch nachdenklich machende Einstimmung für alle, die Wagner und sein Werk bisher nur wenig kennen und Lust haben, sich näher mit dem Bayreuther Meister zu beschäftigen.

Wagner & Me

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