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    Hamburg

    «Troubled Water»: Psychogramm von Schuld und Sühne

    Gelingt es einer Mutter, dem Mörder ihres Kinder zu vergeben? Das ist nur eine von vielen Fragen, die der Film «Troubled Water» des norwegischen Regisseurs Erik Poppe aufwirft.

    elingt es zu vergessen, dass man nur einen Kakao für den Jungen holen wollte, ihn kurz alleinließ, dass diese Minuten genügten, ihn zu entführen? Die Kinderkarre wurde damals am Fluss gefunden, der Leichnam nie. Nein, Agnes (Ellen Dorrit Petersen) schafft es nicht. Vor allem als sie plötzlich dem Mann auf der Straße begegnet, der für den Tod ihres Sohnes verantwortlich ist. An der Seite des Mannes ein kleiner Junge, der ihrem Sohn zum Verwechseln ähnlich sieht.

    «Troubled Water», der letzte Teil der Oslo-Trilogie, bekam auf Festivals von Kritik und Publikum viel Lob und Auszeichnungen. Die Reaktionen waren oft, völlig zu Recht, überschwänglich, und der Verleih wirbt mit einem Zitat des amerikanischen Oscar-Preisträgers Michael Moore: «...dieses eindringliche Drama über Vergebung, Erlösung und die Permanenz gefällter Entscheidungen. Es ist der absolut beste Film, den ich seit Jahren gesehen habe.»

    Acht Jahre sind vergangen seit der Verurteilung des jugendlichen Straftäters, er wird zur Bewährung entlassen. Dank seiner ungewöhnlichen Begabung findet er einen Job als Organist in einer Kirchengemeinde. Seinen ersten Vornamen verschweigt er - genau wie seine Vergangenheit. Als Thomas beginnt er ein neues Leben. Er verliebt sich in die junge alleinerziehende Pastorin, deren vierjähriger Sohn schnell eine tiefe Zuneigung zu ihm entwickelt.

    Die Erinnerung an die Entführung, die Bilder jenes schicksalhaften Tages verfolgen Thomas immer und überall hin, ein Alptraum, der nicht enden will. Der schlaksige junge Mann wirkt verschlossen, fast feindlich, dann wieder bescheiden, sanft, um plötzlich unerwartet aggressiv aufzubegehren, er fühlt sich zu Unrecht verurteilt, bestreitet jede Schuld. Er hat den Glauben an Gott und die Welt verloren, brillant gespielt von Pal Sverre Valheim Hagen, ausgezeichnet für seine Rolle mit dem norwegischen Filmpreis. Bedrückend und ergreifend zu sehen, wie Thomas nur beim Orgelspiel seine Qualen zum Ausdruck bringen kann, für die er sonst keine Worte findet. Simon & Garfunkels Song «Bridge over Troubled Water», in einer opulent dramatischen Fassung von Komponist Johann Södequist, wird im Kirchengewölbe zu einer Explosion von Schmerz und Sehnsucht.

    Wasser, auch visuell Leitmotiv, signalisiert Gefahr und Gewalt, in Rückblenden werden jene entscheidenden Minuten am Fluss immer wieder thematisch aufgenommen und ein Stück weiter entwickelt. Die eigentliche Handlung der Gegenwart wird aus zwei völlig konträren Perspektiven gezeigt und erlebt, zuerst aus der Sicht von Thomas und dann aus der Sicht Agnes, das verleiht dem Film seine beklemmende Spannung.

    Agnes spioniert Thomas nach, lauert ihm auf, ist sicher, dass er auch den anderen Jungen töten wird. Sie will warnen, doch keiner schenkt ihr Gehör, da entführt sie das Kind. So schließt sich der Kreis der tragischen Ereignisse. Die Protagonisten haben die Rollen getauscht und beginnen so langsam zu begreifen, was damals geschehen ist. Die Konfrontation mit der schmerzhaften Wahrheit, ersehnt wie gefürchtet, ist eine Erlösung. Es gibt kein wirklich glückliches Ende, aber mit einer Versöhnung beschließt Regisseur Erik Poppe seinen Film.

    www.troubled-water.de

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