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    Berlin

    Spannend: Stieg-Larsson-Verfilmung «Verdammnis»

    Die Flucht in die Fremde scheitert. Auch auf Weltreise lassen Lisbeth Salander die Schatten ihrer dunklen Vergangenheit nicht los. Das Missbrauchsopfer kehrt nach Schweden zurück, um ihre einstigen Peiniger zur Strecke zu bringen.

    «Verdammnis», der zweite Teil der «Millenium»-Trilogie von Stieg Larsson, ist ein souverän inszenierter Thriller, dessen 750-Seiten-starke Romanvorlage geschickt auf einen schlanken, spannenden Plot gekürzt wurde. Die Hauptdarsteller Noomi Rapace und Michael Nykvist füllen die bisweilen arg holzschnittartigen Figuren überzeugend mit Leben.

    Mehr als 20 Millionen «Millenium»-Bücher wurden bisher weltweit verkauft, eine Hollywood-Version der Skandinavien-Reihe ist schon in Planung. Auch auf der Leinwand setzt die Larsson-Geschichte ihren Erfolgskurs als schwedisch-deutsche Produktion fort: Den ersten Teil – «Verblendung» (2009) – sahen sich nach Angaben des Produzenten 11,5 Millionen Besucher in Europa an.

    «Verblendung» war ein Krimi par excellence: Eine Insel diente als klaustrophobisch enger Schauplatz, fast alle Vertreter einer Industriellenfamilie kamen als Mörder infrage. Den kriminologischen Mikrokosmos verlässt Larsson in den Teilen zwei und drei der Trilogie, die letztlich als eine lange Geschichte zusammenhängen.

    Ein junges Pärchen recherchiert im Rotlichtmilieu und lüftet ein Netzwerk zur Zwangsprostitution. Bald darauf werden die beiden erschossen. Ausgerechnet Lisbeth Salander wird des Mordes verdächtigt. In «Verdammnis» – Teil zwei der Reihe – startet der 2004 gestorbene Journalist Larsson, der zeitlebens mit Reportagen gegen den Rechtsextremismus anschrieb, seinen belletristischen Großangriff auf die schwedische Gesellschaft: Sexsklaven werden von Richtern, Polizisten und anderen Beamten ausgebeutet, Morde von staatlichen Instanzen vertuscht – und Gerechtigkeit ist käuflich.

    Wenn der packende Film Schwächen zeigt, ist das letztlich der Buchvorlage geschuldet: Die Verschwörungstheorien sind ziemlich überzogen, die Lösungen doch sehr simpel. Zu Beginn vergewaltigt ein sabbernder alter Mann eine junge gefesselte Zwangsprostituierte aus Osteuropa, während sich der Zuhälter – ein Dicker in Rocker-Klamotten – im Nebenzimmer langweilt. Solchen Bildern ist der mahnende Zeigefinger des gesellschaftskritischen Journalisten Larsson deutlich anzumerken. Aber der gute Vorsatz heiligt nicht gleich alle erzählerischen Mittel – die Aufteilung der Welt in aufrechte Gute und diabolische Schurken ist doch sehr plakativ. Zumal der Reiz von Teil eins die Vermischung der Gegensätze war: das Böse, das unerkannt unter der Oberfläche lauert. Davon ist im Schwarz-Weiß von «Verdammnis» keine Spur mehr.

    Den Mechanismen eines Kinoprojektes folgend sind die meisten Figuren aus Zeitgründen nur kurz angerissen, ob Salanders Ex-Vormund Palmgren als Schlaganfall-Patient oder der homophobe Polizist Hans Faste. Manche Charaktere fehlen komplett. Der rasant erzählten Kriminalgeschichte schadet das kaum – was an den durchgängig hervorragenden Schauspielern liegt, die auch kurze Auftritte überzeugend nutzen. Nach 129 spannenden Film-Minuten und einem blutigen Finale beginnt dann für Larsson-Fans eine lange Wartezeit: Der dritte Teil, «Vergebung», soll erst im Juni in die deutschen Kinos kommen.

    www.verdammnis-derfilm.de

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