40.000
Aus unserem Archiv
Los Angeles

«Selma»: Würdiges Denkmal für Martin Luther King

Hollywood hat sich Zeit gelassen. 47 Jahre ist es her, dass Amerikas berühmtester Bürgerrechtler durch ein Attentat ums Leben kam.

Selma
Präsident Lyndon B. Johnson wird von Tom Wilkinson gespielt.
Foto: Atsushi Nishijima/StudioCanal – dpa

Mit «Selma» wird der schwarze Prediger, Nobelpreisträger und Anführer der Bürgerrechtsbewegung, Martin Luther King, erstmals durch eine größere Filmbiografie gewürdigt. Gestandene Regisseure wie Michael Mann, Stephen Frears, Spike Lee und Lee Daniels waren zeitweise an dem Stoff dran, doch nun setzte sich die schwarze Filmemacherin Ava DuVernay (42) durch. Mit «Selma» liefert sie ein packendes Historiendrama, das großen Filmbiografien wie «Malcolm X» und «Lincoln» nicht nachsteht.

Wie Steven Spielberg, der «Lincoln» auf die letzten Monate im Leben des US-Präsidenten Abraham Lincolns zuschnitt, wählte DuVernay – die bislang Independentfilme wie «Middle of Nowhere» drehte – einen kurzen Abschnitt in Kings Leben, der Amerika aber grundlegend veränderte. Selma im US-Staat Alabama war im März 1965 der Ausgangspunkt für Protestmärsche in die 86 Kilometer entfernte Alabama-Hauptstadt Montgomery. Die Demonstranten wollten damit auf die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung beim Wählen aufmerksam machen. Vor allem in den Südstaaten konnten viele ihr Wahlrecht nicht ausüben.

Als weiße Polizisten mit Tränengas, Peitschen, Knüppeln und Gewehren gegen die friedlich marschierende Gruppe vorgehen, wird King zum Anführer der Protestzüge. Die Brutalität geht unter die Haut. Ebenso die Courage der Demonstranten, die der weißen Übermacht hilflos ausgesetzt sind. Allein die heute noch relevante Brisanz dieser Geschichtsepoche macht «Selma» sehenswert. Dazu kommt die packende Darstellung des Briten David Oyelowo (38, «Der Butler», «Jack Reacher»), der Kings Predigerstimme, seine Stärke aber auch seine Zerrissenheit und Zweifel überzeugend verkörpert. Stark sind die Szenen im Weißen Haus, als King auf US-Präsident Lyndon B. Johnson (Tom Wilkinson) einredet, den Voting Rights Act zu unterzeichnen.

«Selma» zeigt den festgenommenen King hinter Gitter, als wortstarken Prediger auf der Kanzel, im Streit mit seiner Frau Coretta, als nervöser Empfänger des Friedensnobelpreises. Oleyowo spielt den Helden der Bürgerrechtsbewegung in all seinen Facetten. Überhaupt hat DuVernay die Hauptrollen in diesem Kapitel amerikanischer Geschichte allesamt mit britischen Talenten besetzt. Tom Wilkinson überzeugt als frustrierter Präsident Johnson, Tim Roth als rassistischer Alabama-Gouverneur George Wallace.

King schrieb am 24. März 1965 Geschichte, als er den Marsch von Selma nach Montgomery erfolgreich anführte und am Ende vor 25 000 Menschen redete. Im August unterschrieb Präsident Johnson den Voting Rights Act, der Wahlhürden für Schwarze aus dem Weg schaffte.

In Hollywood schrieb DuVernay nun als erste schwarze Regisseurin mit einer Golden-Globe-Nominierung Geschichte. «Selma» hat jetzt auch Chancen auf den Oscar als bester Film – und das zu Recht.

Selma

/starline/kino/filmbesprechung/
Meistgelesene Artikel
Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
Claus Ambrosius 

Leiter Kultur

Claus Ambrosius

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Anke Mersmann

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Melanie Schröder

 

Kontakt per Mail

Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!