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    Berlin

    Mit «The Music Never Stopped» zurück ins Leben

    Die Heilwirkung von Musik auf Körper, Geist und Seele ist bekannt - seit Urzeiten und in wohl allen Kulturen.

    'The Music Never Stopped'
    Lou Taylor Pucci als Gabriel im Kinodrama «The Music Never Stopped».
    Foto: Senator FIlmverleih - DPA

    Mit Klängen und Tänzen beförderten schon Schamanen bei Naturvölkern die Genesung. Klinisch erforscht wird das Phänomen erst in jüngerer Zeit; mit dem Erfolg, dass Ärzte heute bei diversen Leiden durch Musiktherapien erstaunliche Ergebnisse erzielen. Das Thema bewegte auch den berühmten britischen Schriftsteller und Neurologen Oliver Sacks («Zeit des Erwachens»). Im Buch «Der letzte Hippie» (1996) schildert er den wahren Fall eines Hirntumor-Patienten, der mit Hilfe der Rocksongs seiner Jugend sein Gedächtnis wiederfand.

    Aus dem spannenden populärwissenschaftlichen Stoff hat der amerikanische Produzent und Regiedebütant Jim Kohlberg ein schlichtes Kinomärchen geschaffen. In «The Music Never Stopped» gelang Kohlberg eine zwar sympathische, aber etwas einfältig erzählte und vorhersehbare Geschichte. Doch vermag der tragikomische Film nicht nur bei Rockfans und Nostalgikern durchaus Wohlgefühl auszulösen - dank versöhnlicher Botschaft, warmherzig wirkender Darsteller und vor allem dank des fetzigen Sounds der Hippie-Ära.

    Bing Crosby gegen The Grateful Dead, der romantische Schlager «Young At Heart» von 1954 gegen den rauen Roadsong «Truckin'» von 1970: Vater Henry (J.K. Simmons) und Sohn Gabriel (Lou Taylor Pucci) stehen einander in der Frühzeit des weltweiten Jugendprotestes nicht allein mit ihrem Musikgeschmack verständnislos gegenüber. Nach einem Streit verlässt der langhaarige junge Mann das Haus. Erst 1986 sehen die Eltern ihren Gabe im Krankenhaus wieder, wo der nach einer Operation mit einer Amnesie liegt. Einzig auf die Musik seiner Jugend reagiert er stark - sie ruft in seinen Nervenzellen Erinnerungen und Gefühle wach. Und der alternde Vater begreift, dass er seinem Jungen nur helfen kann, wenn er dessen Sound zu verstehen beginnt.

    «The Music Never Stopped» braucht Zeit, um positive Wirkung auf den Zuschauer zu entfalten. Denn oft statisch und stereotyp gestaltet Kohlberg in blassen Farben die Familiengeschichte aus dem biederen, aber grundanständigen amerikanischen Bürgermilieu der 1950er bis 80er Jahre. Und nur skizzenhaft zeigt er die Gegenkultur mit Beatles und LSD, Vietnam-Protest und Woodstock - sowie das Unverständnis, dass diese bei der Elterngeneration erregte.

    Doch entwickelt der Film nach und nach emotionale Kraft. So lässt man sich dann von den Akteuren, zu denen auch Julia Ormond («Fräulein Smillas Gespür für Schnee») als engagierte Musiktherapeutin gehört, gern mitnehmen auf diese Reise zu den Heilquellen von The Grateful Dead, Dylan und Co.

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