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    «Max Manus»: Norwegens Kassenschlager

    Berlin (dpa) ­ Mit mehr als 140 000 Besuchern am Startwochenende gilt «Max Manus» als erfolgreichster Kinostart aller Zeiten in Norwegen. Mehr als 1,2 Millionen haben die aufwendige norwegisch-deutsch-dänische Co-Produktion dort inzwischen gesehen.

    Sie basiert auf der wahren Geschichte des legendären norwegischen Widerstandskämpfers Max Manus (1914-1996), der sich in jungen Jahren den nationalsozialistischen deutschen Besatzern entgegenstellte, um zu einem der meistgefürchteten Saboteure zu avancieren. Während Manus vom Norweger Aksel Hennie verkörpert wird, gibt der deutsche Schauspieler Ken Duken («Zweiohrküken») dessen Widerpart, Gestapo-Offizier Siegfried Fehmer. Inszeniert hat diesen Kriegsfilm der nachdenklicheren Art das Regieduo Joachim Rønning und Espen Sandberg («Bandidas»).

    In elegant komponierten, teils auch sehr actionreichen und blutigen Bildern erzählt der Film, wie sich Manus mit anderen patriotisch gesinnten Norwegern zusammentut, erste Sabotageakte ausführt, sich in Schottland militärisch ausbilden lässt, um schließlich, wieder in seiner Heimat, den Widerstand gegen die Besatzer mit noch mehr Engagement voranzutreiben. Vor allem deutsche Kriegsschiffe geraten ins Visier der jungen Truppe um Max Manus, der in einer besonders spektakulären Szene mittels Fenstersprung den Nazis zu entkommen versucht.

    Manus Gegenspieler aber, Siegfried Fehmer, ist den Widerständlern stets auf den Fersen. Ken Duken spielt den Nazi mit stechendem Blick, während Manus Mimik zwischen verbissen und bübisch verschmitzt changiert. Der Preis, den dieser für sein furchtloses Tun zu entrichten hat, ist jedoch hoch: Unzählige seiner Freunde und Komplizen fallen den Deutschen in die Hände, werden verhaftet, ermordet. Mit wachsender Intensität leidet Manus darunter, dass er noch am Leben ist, während um ihn herum so viele sterben.

    Auch wenn die Musik hier und da ins Dramatische kippt, verzichtet der Film doch auf unnötiges Pathos. Er versteht es gar, all der Action ruhige, nachdenkliche und auch lustige Momente abzutrotzen. Eine Love Story darf da freilich nicht fehlen. Aksel Hennie gibt seinen Max Manus mit so viel Leidenschaft und Energie, dass man sich dessen Aura kaum entziehen kann. Nicht zuletzt aber überzeugt auch Ken Duken in seiner Rolle als maliziöser Antagonist.

    Die Deutsche Presse-Agentur dpa sprach mit Duken (30) über das Gefühl einen Nazi zu spielen, über die Schwierigkeiten Norwegisch zu lernen und die möglichen Gründe für den Erfolg des Films in Norwegen.

    Wo würden Sie «Max Manus» einordnen. Handelt es sich um ein typisches Kriegsdrama?

    Duken: «Max Manus ist auf jeden Fall sehr speziell, da er stilistisch wirklich schwierig einzuordnen ist: Kein reines Kriegsdrama, wo man sagen könnte, das ist jetzt nur für Fans des Genres. Ich würde sagen, es handelt sich um ein Gemisch aus Mainstream und Arthouse.»

    Wie war es für Sie, einen Gestapo-Offizier in einer norwegisch-deutsch-dänischen Co-Produktion zu spielen. Dazu noch einen mit dem Namen «Siegfried»?

    Duken: «Ich hatte da keine wirklichen Berührungsängste, auch wenn ich natürlich den Bösewicht spiele. Das aber ist ja gerade das Spannende, dass man jemanden spielt, der damals wirklich davon überzeugt war, er sei der Gute und die anderen die Bösen. Für mich als Darsteller ist das sehr interessant. Es war kein Thema, wo ich lange überlegt hätte, ob ich die Rolle übernehme. Ich wollte aber auch nicht diesen typischen, schreienden, ewig brüllenden Nazi darstellen. Ich habe ja schon zwei, drei Filme zu dem Thema gemacht, es ist nicht der erste, der in dieser Zeit spielt: Von meinem kleinen Auftritt bei "Inglourious Basterds" bis hin zu italienischen Filmen, wo ich den Bösewicht gespielt habe oder auch mal einen jüdischen Lehrer, der 50 Kinder vor den Nazis rettet.»

    Sie sollen für den Film in nur zwei Wochen Norwegisch gelernt haben?

    Duken: «Es waren zehn Tage, bevor ich dann die erste, eine sehr lange Gefängnis-Szene, gedreht habe. Ich habe bis heute keine Ahnung, wie ich das überhaupt geschafft habe. Ich hatte aber einen tollen Coach, eine Norwegerin, mit der ich die Texte gelernt und dann Wort für Wort übersetzt habe.»

    Was denken Sie, woher rührt der große Erfolg des Films in Norwegen. Mehr als 1,2 Millionen Besucher, was rund einem Viertel der Bevölkerung entspricht?

    Duken: «Es gibt Filme, die treffen den Zeitgeist bestimmter Regionen. Norwegen, Deutschland ­ es gibt viele Länder, die teilweise Probleme haben, die eigene Identität positiv zu besetzen. Ich selbst bin auch nicht mit dem Gedanken groß geworden, dass es toll ist, Deutscher zu sein und ich habe mit vielen Norwegern gesprochen, die auch keinen besonders ausgeprägten Nationalstolz haben. Und plötzlich darf man sich mit einem Helden auseinandersetzen, der ja in Norwegen bekannt war und zudem dadurch menschlich wurde, dass er nicht der immer perfekt agierende Held war. Dadurch können sich wohl so viele mit Max Manus identifizieren.»

    Was macht den Film auch fürs deutsche Publikum spannend?

    Duken: «Natürlich fragen sich in Deutschland viele: Wieso schon wieder das Thema? Es ist aber kein Film, der zwingend in diese Zeit gehört. Der Kampf des Helden könnte auch in anderen Systemen stattfinden. Der Film ist zeitloser als so mancher Nazifilm, der sich wirklich nur einem Thema widmet.»

    www.maxmanus-film.de

    /starline/kino/filmbesprechung/
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