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    Hamburg

    «Henri 4»: Kampf gegen religiösen Fanatismus

    Heinrich der Vierte von Frankreich ist unbestritten einer der Großen der europäischen Geschichte, ein wenig in Vergessenheit geraten vielleicht.

    Und Heinrich Manns Exilroman über den französischen König Henri Quatre ist eines der großen Werke der deutschen Literatur, allerdings nicht eben viel gelesen in diesen Tagen. Nun kommt «Henri 4» in die Kinos, in einer ehrgeizigen und fast 20 Millionen Euro teuren Fassung von Produzentin Regina Ziegler, in der Regie von Jo Baier.

    Auch als Zweiteiler fürs Fernsehen gedacht, ist «Henri 4» streckenweise durchaus großes Kino. Schlachten, Intrigen, Liebe, Sex, Verrat und Tod: Kräftig, aber nicht kitschig inszeniert, manchmal spröde und schmutzig. Es ist die Geschichte der Glaubenskriege im 16. Jahrhundert, von Hugenotten und Katholiken, die um Frankreichs Thron streiten. «In den Zeiten des Wahnsinns war er eine Stimme der Vernunft», heißt es im Film über den Titelhelden, gespielt von dem in Deutschland relativ unbekannten Franzosen Julien Boisselier. Ihm zur Seite stehen einige aus der ersten Riege deutscher Darsteller, darunter Joachim Król, Ulrich Noethen, Hannelore Hoger und Devid Striesow.

    Heinrich Mann (1871-1950) hat seinen 1500 Seiten umfassenden Zweiteiler im Exil geschrieben, auch als Antwort auf den in Deutschland wütenden Faschismus. Die Bartholomäusnacht 1572, in der Tausende Hugenotten grausam ermordet wurden, war für den Schriftsteller eine Parallele zum Judenpogrom in der Reichskristallnacht 1938. Und Henri Quatre war der aufgeklärte Herrscher, den Deutschland nie hatte, der seinem Land das Toleranzedikt von Nantes gab, ein guter König, vielleicht der erste Humanist auf einem europäischen Thron.

    Das alles erzählt auch der Film, und er lässt die überlieferten Sprüche Heinrichs nicht aus, von Paris, das eine Messe wert ist, und dem Huhn im Topf, das jedem Bauern sonntags zusteht. Heinrich ist ein sympathischer Kerl, ein Freund der Frauen und des guten Lebens, von seiner super-ehrgeizigen Mutter aus dem kleinen Königreich Navarra in den großen Kampf um Frankreichs Thron geschickt. Im Krieg der Religionen steht er für Toleranz, wechselt gleich mehrmals die Konfession, wenn es denn den eigenen Zielen dient. Eigentlich müsste er sich auch den Vorwurf des Opportunismus gefallen lassen – katholisch, protestantisch, es scheint, als wäre es ihm einerlei. Doch davon handelt der Film nicht.

    Natürlich will «Henri 4» auch ein Plädoyer für Glaubensfreiheit und gegen religiösen Fanatismus sein. Das Thema ist für Regisseur Jo Baier «angesichts von Terroranschlägen und Glaubenskriegen von trauriger Aktualität». Schade, dass so wenig von den Ideen erkennbar wird, die den Aufbruch in eine neue Epoche ausmachen. Das Bemühen ist spürbar, den Zuschauer bloß nicht mit Diskursen zu langweilen. So bleibt die Geschichte von «Henri 4» doch ein bisschen austauschbar. Am Ende gerät der Auftritt der italienischen Prinzessin Marie de Medici, die Heinrich auf Wunsch der Kirche heiratet und die ihn wohl an seinen Mörder verrät, gar zum vielleicht unfreiwilligen Klamauk.

    Die aufwendige internationale Produktion, gedreht wurde in Frankreich, Deutschland und Tschechien, wurde mit öffentlichen Geldern gefördert. Dabei waren deutsche Fernsehsender ebenso wie der Kulturkanal Arte und die eher für leichte Unterhaltung bekannte ARD-Filmtochter Degeto. Vielleicht war dieser Spagat dann doch etwas zu groß. Ein Mantel-und-Degen-Film hat es nicht werden sollen, aber was dann?

    www.henri-vier.com

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