40.000
  • Startseite
  • » Kino & TV
  • » Filmkritik
  • » «Giulias Verschwinden»: Altern in vier Episoden
  • Aus unserem Archiv
    Saarbrücken

    «Giulias Verschwinden»: Altern in vier Episoden

    Giulia wird 50 Jahre alt. Immerhin, ein halbes Jahrhundert. Ein runder Geburtstag als Wendepunkt und Anlass genug, sich vor der eigenen Vergänglichkeit zu fürchten.

    Als Giulia (Corinna Harfouch) in den Bus steigt, ist es eine ältere Dame, die ihr eine wichtige Erkenntnis mit auf den Weg gibt: «Uns Ältere sieht man halt nicht mehr.» Die Szene ist der Auftakt für die Geschichte um das vermeintliche Verschwinden Giulias und drei weitere Episoden rund um das Thema Älterwerden. Sie alle nehmen in diesem Bus ihren Ausgang und enden später auf Giulias Geburtstagsfeier in einem Restaurant. Die feinsinnigen und intelligenten Dialoge für den Film lieferte der Schweizer Erfolgsautor Martin Suter, Regie führte Landsmann Christoph Schaub.

    Harfouch und Bruno Ganz spielen sichtlich beglückt das ungleiche Paar, das im Zentrum der vier Geschichten steht. Giulia lernt John beim Einkauf kennen, beide landen in einer Hotelbar und parlieren über das Alter und das Altern. Der Tiefgang des Gesprächs kann allerdings kaum über den konstruiert wirkenden und eher seichten Plot hinwegtäuschen, auch wenn der Film in gefälligen Farben und mit netter Musik durchaus unterhaltsam daherkommt. Während die beiden über die Last und Lust des Alters debattieren, warten Giulias Freunde in einem Lokal auf das Geburtstagskind. Die Tischgespräche drehen sich ebenfalls ums Alter, geleitet von Sunnyi Melles, die wunderbar in die Rolle einer giftenden und gelifteten, aber einsamen Mitfünfzigerin schlüpft.

    Derweil feiert die ältere Frau aus dem Bus in einem Altenheim den Geburtstag einer Freundin. Die Party der rüstigen Bewohner endet nach einem ausgiebigen Gesprächen über das Alter in einer veritablen Kuchenschlacht. Ein Mädchen, das mit einer Freundin im Bus über Jungs, Schuhe und Mode sprach, wird in einer weiteren Episode beim Ladendiebstahl erwischt und gerät unversehens zwischen die Fronten ihrer getrennt lebenden Eltern. Langweilig wird der fast ausschließlich durch seine Dialoge getragene Film zumindest nicht.

    Alle vier Stränge vereinen sich am Ende im Restaurant, in dem Giulia – am Ende auf ihrer Feier eingetroffen – beim Verteilen ihrer Torte die Mitfahrer aus dem Bus erkennt. Niemand ist verschwunden, alle sind da. Die Hauptfiguren können entspannt den Abend ausklingen lassen. Vor allem den engagiert arbeitenden Schauspielern verdankt der Film seine angenehme Ausstrahlung – und macht die klischeehaften Figuren und wenig überraschenden Wendungen des Films im Ergebnis mehr als erträglich.

    In der Schweiz ist der Streifen mit mittlerweile mehr als 160 000 Kinobesuchern ein echter Kassenschlager. «Wenn er in Deutschland nur halb so erfolgreich ist, wäre ich schon froh», verrät Christoph Schaub in Saarbrücken. Dort wurde der Film zur Eröffnung des renommierten Nachwuchsfestivals Max Ophüls Preis gezeigt, in Locarno gewann er den Publikumspreis. Gewiss sei es eine Herausforderung gewesen, die Episoden miteinander zu verknüpfen, sagt Schaub, der sich ebenfalls Gedanken über das Alter macht, liegt sein 50. Geburtstag doch bereits zwei Jahre zurück. «Es ist aber alles gar nicht so schlimm.»

    www.giulias-verschwinden.com

    /starline/kino/filmbesprechung/
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Claus Ambrosius 

    Leiter Kultur

    Claus Ambrosius

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Anke Mersmann

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Melanie Schröder

     

    Kontakt per Mail

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!