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Berlin

«Ginger & Rosa»: Teenager in einem kalten Klima

dpa

Sie kichern und sie rauchen zusammen. Gemeinsam sitzen die Freundinnen Ginger (Elle Fanning) und Rosa (Alice Englert) auch mal in der Badewanne und lassen ihre Jeans hauteng einschrumpfen. Und sie gehen gemeinsam aus, wobei Ginger zugucken muss, wenn Rosa mit Jungs knutscht. Kurzum: Sie scheinen ganz normale britische Teenager zu sein, die das Leben der Erwachsenen proben.

Ginger & Rosa
Ginger und Rosa sind unzertrennlich Und voll in den Wirren der 60er Jahre verstrickt.
Foto: Concorde Filmverleih – DPA

Dass sie dabei fundamental verunsichert und verwundet werden, liegt an den besonderen Umständen ihrer Zeit. Denn während der Geburt der Mädchen geschah der Supergau in Hiroshima und prägte die Menschen – jetzt, 1962, wird ihre Welt durch die Kubakrise atomar bedroht.

Potters größter Erfolg war die Virginia-Woolf-Adaption «Orlando» mit Tilda Swinton 1992, später folgten der Tanzfilm «Tango-Fieber» oder «Rage» mit Judi Dench und Jude Law. Auch bei «Ginger & Rosa» kommen Potters anspruchsvolle Absichten in stilisierten, langsamen und intimen Bildern zum Ausdruck – vor allem aber in ihrem Ansatz, den linkspolitischen Protest ihrer Nachkriegsgeneration zusammen mit deren seelischen Problemlagen auszuloten. Sie erzählt in ihrem Coming-of-Age-Drama von inneren und äußeren Erschütterungen und deren Wechselwirkungen.

Die erst 1998 geborene Elle Fanning ist dabei ein Trumpf. Feinfühlig zeichnet sie die Not eines Mädchens, dessen schwacher, freiheitsbewegter Vater ein Verhältnis mit der besten Freundin beginnt. Das interessante Thema des Films bearbeitet Potter jedoch nicht konsequent. Vieles bleibt plakativ, nicht zuletzt wegen der Fülle von Aspekten, zu denen auch das sexuelle Erwachen zählt. Außer Frage steht für die Regisseurin die politische Korrektheit der damaligen pazifistischen Demonstrationen vor allem junger Menschen und Intellektueller – also werden sie von ihr nicht näher beleuchtet. Am Ende erreicht Potter statt sozilogischem Erkenntnisgewinn eher das Mitleiden mit einem vernachlässigten Teenager.

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