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    Berlin

    «Erschütternde Wahrheit»: Starkes Drama mit Will Smith

    Wie faszinierend American Football ist, konnte man gerade erst wieder beim Super Bowl sehen. Wie gefährlich und gar lebensbedrohend der raue Sport sein kann, das zeigt nun der Film «Erschütternde Wahrheit», der auf einer wahren Begebenheit basiert.

    Erschütternde Wahrheit
    Dr. Bennet Omalu (Will Smith) hat sich viele Feinde gemacht.
    Foto: Sony Pictures - dpa

    American Football - das ist nicht die Welt von Dr. Bennet Omalu (Will Smith). Noch nicht. Der vielfach diplomierte und fest im Glauben verankerte Pathologe aus Kenia fühlt sich am wohlsten in seinem von Neonlicht beleuchteten Keller. Das ist seine Welt: «Mich beschäftigt das Sterben der Menschen mehr als das Leben», meint Omalu.

    Manch einer empfindet seine unkonventionelle Art als aufreizend, aber Omalu fühlt sich einzig und allein der Wahrheit und der Wissenschaft verpflichtet. In einer eindrucksvollen, und mit leisem Humor inszenierten Gerichtssequenz zu Beginn des Films, stellt er seine Brillanz als Pathologe unter Beweis.

    Dann gibt es nicht mehr viel zu lachen, denn Omalu holt die Welt des American Football ein, als eines Tages Mike Webster (David Morse) auf seinem Seziertisch liegt. Der Held der Pittsburg Steelers, der von seinen Fans «Iron Mike» genannt wird, war kurz vor Ende seines Lebens ein Wrack. Was aber hat «Iron Mike» wirklich umgebracht?

    Schon bald kommt der Pathologe der erschütternden Wahrheit auf die Spur, die die Welt des American Football ins Wanken bringen könnte. «Gott hat nicht vorgesehen, dass wir Football spielen», lautet Omalus Fazit, der die zahlreichen Kopfstöße, denen ein Football-Spieler im Laufe seiner Karriere ausgesetzt ist - nach Omalus Rechnung 70 000 - als Ursache von Demenz, Amnesie und Depressionen ausmacht.

    An der Wahrheit aber ist nicht jeder interessiert: Schon gar nicht die American Football Liga, die alles daran setzt, Omalu mundtot zu machen. Und dann taucht auch noch das FBI auf...

    Das Drama von Regisseur von Peter Landesman spielt sich als Kammerspiel in Nahaufnahmen ab. Die Kamera kriecht an die Protagonisten heran, fängt die kleinsten Regungen ein und übersetzt sie in intensive Bilder von großer Eindringlichkeit. Eher trostlose Stadtansichten von Pittsburgh unterstreichen die Bedeutung des Footballs als Heilsbringer. Wer daran rüttelt, hat schnell viele Feinde.

    «Erschütternde Wahrheit» ist eine One-Man-Show für Will Smith, der als aufrechter Underdog gegen einen übermächtigen Gegner kämpft. Schon bald verflucht Omalu den Tag, an dem Mike Webster auf seinem Seziertisch landete, denn danach gerät sein so geordnetes Leben vollkommen aus den Fugen.

    Als Blockbuster-Star hat Will Smith seine Box-Office-Qualitäten vielfach unter Beweis gestellt. Seine stärksten Leistungen zeigte er aber in biografischen Dramen. Er war Muhammad Ali («Ali») und Chris Gardner, der als Obdachloser in «Das Streben nach Glück» seinen Weg zurück ins Leben findet - für beide Filme erhielt er eine Oscar-Nominierung. Das hätte er auch für «Erschütternde Wahrheit verdient gehabt. Stattdessen wird er nicht zur Verleihung Ende Februar kommen, weil keine Schwarzen in den Schauspielkategorien nominiert wurden.

    In den vergangenen Monaten bekräftigte Smith immer wieder, dass er gerne US-Präsident Barack Obama porträtieren würde. Sein Bewerbungsschreiben dafür ist «Erschütternde Wahrheit». Am Ende des Drama ist er dem scheidenden US-Präsidenten tatsächlich unglaublich ähnlich - und das liegt nicht nur an den übereinstimmenden Ohren.

    (Erschütternde Wahrheit, USA 2015, 122 Min. FSK ab 12, von Peter Landesman, mit Will Smith, Alec Baldwin, Gugu Mbatha-Raw)

    Erschütternde Wahrheit

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