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    Berlin

    Eindrücklich: Juliette Binoche in «Das bessere Leben»

    Für ihre Rolle der Hana in dem Liebesdrama «Der Englische Patient» wurde Juliette Binoche mit einem Oscar geehrt. Als selbstbewusste Pralinenfee Vianne holte sie sich mit «Chocolat» noch einmal eine Nominierung.

     'Das bessere Leben'
    Juliette Binoche und Louis-Do de Lencquesaing in «Das bessere Leben».
    Foto: Zorrofilm - DPA

    In dem provokanten Frauendrama «Das bessere Leben» schreckt die 48-jährige Starschauspielerin jetzt auch vor einer entblößenden Psychostudie nicht zurück: Mit viel Sensibilität und Nachdenklichkeit gibt sie dem ansonsten arg voyeuristischen Prostituiertenfilm ein wunderbares Gesicht - ein Muss für jeden Binoche-Fan.

    Die ungewöhnliche Perspektive der polnischen Regisseurin Malgorzata Szumowska («Leben in mir») habe sie fasziniert, sagte die Französin in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. «Der Film beschuldigt niemanden, sondern stellt Fragen. Er zeigt, wie unsere Konsumgesellschaft Frauen dazu bringt, ihren Körper als Sexobjekt zu verkaufen.»

    Binoche verkörpert in der polnisch-französisch-deutschen Koproduktion eine erfolgreiche Pariser Journalistin, die für ein Frauenmagazin eine Geschichte über sich prostituierende Studentinnen recherchiert. Die Begegnung mit den beiden selbstbewussten jungen Frauen Alicja (Joanna Kulig) und Charlotte (Anais Demoustier) bringt ihren eigenen Lebensentwurf ins Wanken: Wo bleibt zwischen Job, Karrieremann und Kindern noch Raum für sie selbst und ihre Bedürfnisse?

    Binoche spielt diese zunehmend verunsicherte, zweifelnde Frau mit schonungsloser Offenheit - ungeschminkt, im schlabbrigen Hausfrauenlook und immer wieder reichlich besoffen. Am eindrücklichsten ist die Szene, in der sie eines der Mädchen nach ihren Gefühlen bei der Arbeit befragt. Man sieht nur das Gesicht von Binoche - und es spiegelt eine solche Vielfalt an Emotionen, Zweifeln und Ängsten, dass einem der Atem stockt. «Wir reden jetzt nicht über mich, oder?», fragt sie schließlich fast hilflos.

    Warum der Film trotz dieser Sensibilität so sehr die sexistische Neugier bedient, bleibt ein Rätsel. Auch die Journalistin Anne muss ja die oft genug perverse oder einfach nur langweilige Arbeit ihrer «Schützlinge» nicht sehen, um sich in sie hineindenken zu können.

    Und vollends ärgerlich wird es am Schluss, wenn das Heil der Frauen doch wieder nur darin besteht, Männerfantasien zu erfüllen. «Ist Prostitution eine ultimative Befreiung der Frau, weil sie Besitz über ihren Körper übernimmt...? Oder ist es eine unerträgliche Unterwerfung?», fragt Drehbuchautorin Tine Byrckel. «Wir wollten diese Frage stellen, ohne sie zu beantworten.» Vielleicht wäre eine Antwort doch schön gewesen.

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