40.000
  • Startseite
  • » Kino & TV
  • » Filmkritik
  • » «Die innere Zone»: Science Fiction made in Switzerland
  • Aus unserem Archiv
    Berlin

    «Die innere Zone»: Science Fiction made in Switzerland

    Was passiert, wenn die Zerstörung der Umwelt nicht nur furchtbare gesellschaftliche, sondern auch grauenvolle persönliche Folgen hat?

    "Die innere Zone"
    Die Psychologin Marta (Jeanette Hain) ist zunehmend verwirrt.
    Foto: RealFiction - DPA

    Dieser Frage geht der in naher Zukunft angesiedelte Spielfilm «Die innere Zone» mit einer Geschichte um die Selbstfindung der von Jeanette Hain gespielten Psychologin Marta nach.

    Die Wissenschaftlerin soll Jahrzehnte nach einem Atomunfall unwegsames Berggelände untersuchen und prüfen, welche Folgen die dort aus dem Erdinneren quellenden Dämpfe haben. Dabei verliert sich Marta mehr und mehr in einem Gespinst aus Halluzinationen und Erinnerungen. Sie droht in einem räumlichen und zeitlichen Vakuum zu verschwinden. Doch warum? Die Antwort kommt spät. Für Marta vielleicht zu spät.

    Die jetzt 45-jährige Jeanette Hain zeigt als Marta wieder einmal, wie etwa schon in «Poll» (2011), dass sie zu den ausdrucksstärksten deutschen Schauspielerinnen ihrer Generation gehört. Mit einer somnambul anmutenden Entrücktheit gibt sie der Figur eine geheimnisvolle Aura. Hain sorgt für packende Kino-Momente.

    Autor und Regisseur Fosco Dubini (60) hat sich deutlich an den philosophischen Science-Fiction-Epen des legendären russischen Regisseurs Andrej Tarkowski (1932-1986) orientiert.

    Dem gelang es zum Beispiel in «Stalker» (1979), mit starken Bildern und wenigen, dafür äußerst pointierten Worten die Enge der damaligen sowjetischen Gesellschaft zu spiegeln. Dubini will die Umweltsünden der Menschheit geißeln. Das aber wirkt aufgesetzt.

    Insbesondere ein oft quälend angestrengt anmutender Off-Kommentar Martas, der auf vielen Szenen lastet, stört den Fluss der Erzählung. Die Konstruktion wirkt zu gewollt intellektuell und trägt nicht wirklich dazu bei, die von schönen statischen Bildern gerahmte Story voranzubringen.

    Sicherlich reflektiert der Film auch Fosco Dubinis Trauer um seinen Bruder Donatello (1955-2011). Bis zu dessen Tod haben die Zwei alle Filme gemeinsam realisiert. Ihr wohl größter Erfolg war 1993 das originelle Porträt des Bayernkönigs Ludwig II. in «Ludwig 1881».

    Wenn in «Die innere Zone» der Song «Nothing Else Matters» der Band Metallica in einer Streicher-Version anklingt, hat das etwas von einem Requiem.

    Doch die meisten Kinobesucher werden vom Schicksal Dubinis nichts wissen und deshalb die Zusammenhänge kaum erkennen. Wie wohl auch die wenigsten schon einmal etwas von der Katastrophe im Kernkraftwerk Lucens in der Schweiz gehört haben. Dort kam es vor 45 Jahren, 1969, zu einem damals öffentlich heruntergespielten Unglück, das heute als eines der schwersten eines Atomkraftwerks in Europa gilt.

    Die innere Zone

    /starline/kino/filmbesprechung/
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Claus Ambrosius 

    Leiter Kultur

    Claus Ambrosius

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Anke Mersmann

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Melanie Schröder

     

    Kontakt per Mail

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!