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    Berlin

    Daniel Radcliffe als Anwalt im Horror-Thriller

    Ob sein Zauber noch wirkt? Vermag er auch in anderen Rollen zu überzeugen als jener, in der er zehn Jahre lang alle Welt in seinen Bann zog und in der er vom Kind zum Mann reifte - als Magierlehrling Harry Potter, in den acht überirdisch erfolgreichen Verfilmungen von Joanne Rowlings Roman-Megasellern?

    'Die Frau in Schwarz'
    Daniel Radcliffe als Arthur Kipps im Thriller «Die Frau in Schwarz».
    Foto: Concorde - DPA

    Fragen wie diese dürften vor allem Jugendliche und junge Erwachsene auch bei uns in die Kinos locken, um das Schauerdrama «Die Frau in Schwarz» zu sehen. Denn die Hauptrolle, einen melancholischen Londoner Anwalt am Ende des 19. Jahrhunderts, spielt niemand anderes als ihr Idol Daniel Radcliffe im ersten Leinwandjob nach Pottermania.

    Um es gleich vorweg zu nehmen: Auch ohne Blitznarbe auf der Stirn und Zauberstab macht der 22-jährige in James Watkins betont altmodischem und stimmungsträchtigen, dabei wahrhaftig gruseligen Werk eine respektable Figur. Radcliffe scheint zumindest auf dem Weg, ein ernst zu nehmender Schauspieler zu werden - wie es seinem ausgesprochenen Wunsch entspräche. Im Ausland kamen die Kinozuschauer bereits in Scharen: In Großbritannien etwa katapultierte sich der Film sofort auf Platz eins der Charts, international beträgt das Kassenergebnis bislang mehr als 100 Millionen Dollar (rund 76 Millionen Euro).

    Smart hat sich der Brite den passenden Stoff ausgesucht: ur-englische, für Kinder völlig ungeeignete Gruselgotik nach Susan Hills 1983 erschienenem gleichnamigen Erfolgsroman. «Die Frau in Schwarz» wurde bereits Ende der 1980er für das Fernsehen bearbeitet und bildet seit mehr als 20 Jahren die Grundlage für einen Bühnenhit im Londoner West End. Mit der Produktion verlässt Radcliffe zwar den Bannkreis der Hogwarts-Schulzauberei. Er bleibt aber dem Übersinnlichen verhaftet - geht also nur einen halben, quasi todsicheren Schritt in Richtung Befreiung vom Rollenklischee und Selbstfindung.

    Zumal die Geschichte um den verwitweten, alleinerziehenden jungen Anwalt, der rund um ein verlassenes Herrenhaus unheimliches Kindersterben aufdeckt, beim Landsmann Watkins («Eden Lake», 2008) in guten Händen liegt. Genüsslich und gekonnt erzählt der 1978 geborene Regisseur das psychologisch motivierte Geschehen um Verlust, Trauer und Rache mittels einer opulenten, tatsächlich Gänsehaut hervorrufenden Orgie klassischer Genre-Versatzstücke. Und ein Reigen angesehener Darsteller tut dazu das Seine - von Ciarán Hinds («Harry Potter», «Dame, König, As, Spion») bis zu Liz White als Titelfigur.

    Dunkelheit und Regen, flackerndes Gaslicht und spärlicher Kerzenschein, ein Schloss im Watt und ein trostloses Dorf, knarrende Türen und krächzende Krähen, bleiche, tote Kindergesichter und immer wieder eine Unheil verheißende verschleierte Wiedergängerin in Trauerkleidung: Mit solchen Elementen spielt der Regisseur in einer Weise, dass so mancher Zuschauer fürchten muss, sich nie mehr allein in den Keller oder in den Wald zu trauen. Dass zugunsten der Ausstattung, zu der auch wundersames Spielzeug der Zeit gehört, das Vorantreiben der Handlung ein wenig zu kurz kommt, wirkt sich kaum störend aus.

    Ernsthaft und uneitel fügt sich Radcliffe in das Geschehen ein. Wie getrieben dringt er - mit adrettem Seitenscheitel und im dunklen Gehrock - immer tiefer zu düsteren Geheimnissen der Vergangenheit vor, die ihn am Ende selbst bedrohen. Sehr blass ist sein stiller, verletzlicher Held, die Augen blicken stets unglücklich. Das ist noch keine reife, facettenreiche schauspielerische Leistung. Doch reicht sie für seinen im Grunde passiven Part voll aus - wahrer Hauptakteur ist hier Atmosphäre. Radcliffes nächste Rolle wird mehr über seine Talente erweisen: In der Indie-Produktion «Kill Your Darlings» will er den schwulen Beat-Poeten Allen Ginsberg (1926-1997) verkörpern.

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