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Berlin

Corinna Harfouch: «Auf der Suche» nach ihrem Sohn

dpa

Fremdes Land, fremde Stadt, fremder Helfer: Die Umstände für Valerie (Corinna Harfouch) sind denkbar ungünstig. Sie ist nach Marseille gekommen, um ihren Sohn Simon (Trystan Pütter) zu suchen. Der ist schwul, Arzt und – davon ist sie überzeugt – verschwunden. Helfen soll ihr bei der Suche Jens (Nico Rogner), Simons Ex-Freund.

«Auf der Suche»
Corinna Harfouch als Valerie in einer Szene des Kinofilms "Auf der Suche".
Foto: Salzgeber – DPA

Wohnung durchsuchen, Bekannte fragen, Fährgesellschaften abklappern. Die Sache ist mühsam, es gibt kaum Anhaltspunkte. Dazu kommt das Misstrauen zwischen den beiden Suchenden. Hier die Mutter, die mit jeder Minute deutlicher spürt, wie wenig von ihrem Sohn sie wirklich weiß. Und dort der schmächtige Schwule, der im Leben seines Ex-Freundes keine Rolle mehr gespielt hat – und deswegen auf eine andere Art genauso wenig weiß wie Valerie.

Skeptische Blicke, verschnupfte Antworten – keiner will sich vom anderen auch nur ansatzweise die Verantwortung für das aufbürden lassen, was geschehen ist. Dabei ist nicht mal klar, ob überhaupt etwas passiert ist. Ist Simon verschwunden? Oder doch nur verreist? Die Antwort liegt scheinbar irgendwo dazwischen.

Die deutsch-französische Co-Produktion «Auf der Suche» ist ein leiser Film. Action gibt es ebenso wenig wie Szenen mit viel Witz. Ein Schmunzeln, ja, aber kaum mal ein Lachen. Die Art und Weise, wie Drehbuchautor und Regisseur Jan Krüger die Geschichte erzählt, soll nicht amüsieren – nachdenklich machen schon eher.

Muss man sich vor der anderen Generation für seinen Lebensstil rechtfertigen? «Für Jens ist Simons Mutter erstmal all dem zugehörig, was er ablehnt», sagt Krüger in einer Pressebeilage zum Film. «Umgekehrt macht Valerie die Selbstbezogenheit, die Jens verkörpert, für Simons unsteten Lebenswandel verantwortlich.»

Je länger die Suche dauert, desto größer werden die Fragen – aber auch das Verständnis für den anderen. Valerie lernt viel über ihren Sohn, über Jens, über das Leben. Auf dem Weingut, beim Baden im Meer, beim Autofahren: In manchen Szenen sind die Figuren mehr auf der Suche nach sich selbst, als auf der Suche nach Simon.

«Natürlich geht es letztlich um etwas tiefer Gehendes, eine Auseinandersetzung mit sich selbst und der eigenen Verantwortung», meint Krüger. Abwarten, beobachten, überlegen ist daher die Devise.

Mit wenigen Ausnahmen sind Valerie und Jens auf sich selbst angewiesen. Die Polizei wiegelt ab, die meisten anderen Ansprechpartner sind wortkarg und sehr zurückhaltend. Aber es gibt sie, die kleinen Erfolge. Krankenschwestern, Autoverkäufer – sie wissen ein bisschen was von Simon. Kennen seine Träume, Urlaubspläne, Ziele. Daraus ein funktionierendes Bild zu basteln, ist allerdings schwierig. Für Valerie. Für Jens. Und für den Zuschauer.

Edition Salzgeber

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