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Berlin

Bushidos Leben als Eichinger-Film

dpa

Noch vor wenigen Jahren galt Skandal-Rapper Bushido als Bürgerschreck Nummer Eins in Deutschland. Doch mit seiner Autobiografie, die 2008 die Bestseller-Listen stürmte, hat sich der inzwischen 31 Jahre alte Musiker aus Berlin das Image vom harten Kerl mit dem weichen Herz verpasst.

«Zeiten ändern dich»
Aus Anis Mohamed Youssef Ferchichi wurde Bushido.

Der deutsche Erfolgsproduzent Bernd Eichinger («Der Name der Rose») und Regisseur Uli Edel polieren die Aufsteigergeschichte des Jungen aus der Gosse nun mit großer Besetzung zu einem rührenden Märchen auf. Am Donnerstag (4.2.) kommt «Zeiten ändern Dich» bundesweit in die Kinos.

«Mir war sofort klar, dass ich das mache und dass ich das schaffe», sagt Bushido, der in dem Eineinhalb-Stunden-Streifen sich selbst spielt. «Das war, als ob Eminem bei mir anruft und fragt, ob ich Bock auf einen gemeinsamen Song habe. Da gab es nix zu überlegen.»

Und vielleicht ist das die größte Überraschung des Films: Bushido, der es mit zehn Gold- und zwei Platin-Schallplatten zum erfolgreichsten deutschen Rapper gebracht hat, ist als Schauspieler ebenfalls überzeugend. Auch wenn die Geschichte oft eng an Kitsch und Klischees entlangschrammt – an der darstellerischen Leistung liegt es nicht.

«Wenn Du keinen Respekt hast, dann bist Du ein Niemand, ein Opfer» – das ist Bushidos Glaubenssatz und das Motto des Films. Der Streifen erzählt von dem kleinen Anis Mohamed Ferchichi, der sich als Kind eines tunesischen Säufers und einer deutschen Mutter (Hannelore Elsner) von ganz unten hocharbeitet: Er verschafft sich – wenngleich mit höchst zweifelhaften Methoden – Respekt bei den Kids auf der Straße, Respekt in der Drogenszene und schließlich auch Respekt im Musikgeschäft.

Produzent Bernd Eichinger, der mit seinem Regie-Freund Edel schon Hits wie «Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo» (1981), «Last Exit Brooklyn» (1989) und «Der Baader Meinhof Komplex» (2008) auf die Leinwand brachte, war von Anfang an fasziniert von der Geschichte des Mannes, der sich dick den japanischen Namen Bushido («Weg des Kriegers») auf den Hals tätowiert hat.

«Bushido versteht es, die Panik-Knöpfe der Gesellschaft zu drücken und die Bürger zu Empörungsorgasmen zu bringen», sagt Eichinger in Interviews. «Dabei erfahren wir nicht nur etwas über Bushido, sondern vor allem etwas über die Ängste unserer Gesellschaft.» Bewusst haben sich die Filmemacher vorgenommen, nicht einfach die Biografie zu verfilmen, sondern ein «Märchen mit wahrem Hintergrund» zu erzählen.

Vieles gerät dabei schmalzig und zu dick aufgetragen: etwa, wenn der gerade vierjährige Anis kurz nach der gewalttätigen Schlüsselszene mit seinen Eltern sagen muss: «Ich war froh, dass er mich schlug und nicht meine Mutter.» Oder wenn der spätere Freund und Berater Arafat (Moritz Bleibtreu) ihn zur Versöhnung mit dem verachteten Vater drängt: «Frei bist du erst, wenn kein Hass mehr in der Seele ist.»

Dennoch dürften die hartgesottenen Bushido-Verehrer (und vor allem Verehrerinnen) sich über die filmische Neuerfindung ihres Helden freuen. Bis zum krönenden Abschlusskonzert, in dem «erstmals ein Kanake am Brandenburger Tor spielen darf», gibt es jede Menge authentischen Rap – und natürlich haufenweise zotige Sprüche übers Kiffen, Chillen und Ficken. Echt krass. Ältere Semester müssen ihre Toleranzschwelle gelegentlich etwas anheben.

«Die Menschen lassen sich schnell von Dingen erschrecken, die sie nicht kennen», sagt Eichinger. «Aber Bushido ist Zeitgeschichte, auch wenn wir das vielleicht erst später merken werden.»

www.zeiten-aendern-dich.de

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