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Hamburg

«Briefe an Julia»: Liebesfilm mit Kitsch und Ironie

dpa

Die Sommerlöcher im Kino werden gerne mit viel Action, mit Kinderfilmen oder mit Liebeskomödien gefüllt. Eine beschwingt schnulzige Romanze in Italien passt also genau ins Sommerprogramm – wobei hier wohl weniger die Hitze als vielmehr der Kitsch schweißtreibend wirken könnte.

Amanda Seyfried
Amanda Seyfried darf in «Briefe an Julia» jedes Liebes-Klischee ausleben.

«Briefe an Julia» ist aller Emanzipation zum Trotz auf Romantik-versessene Frauen zugeschnitten, die ihren Action-liebenden Liebsten zu einer cineastischen Reise nach Verona, neben Paris die andere «Hauptstadt der Liebenden», drängen. Retten kann sich der Film gerade so durch seine Darsteller, die Landschaftsaufnahmen und ein wenig Selbstironie.

Die junge New Yorkerin Sophie (Amanda Seyfried aus «Mamma Mia!») macht mit ihrem Verlobten Victor (Gael García Bernal) eine Art Prä-Honeymoon-Reise nach Verona, jene durch Shakespeares Theaterstück «Romeo und Julia» berühmt gewordene Stadt in Norditalien. Doch während sie durch die mittelalterlichen Gassen schlendert, hat ihr Freund nur Augen beziehungsweise Nasen für die kulinarischen Köstlichkeiten der Stadt und der Umgebung: Er will in New York ein italienisches Restaurant eröffnen und sucht dazu die besten Zutaten an der Quelle.

Sophie nun kommt auch am berühmten Balkon vorbei, wo Romeo und Julia sich einst ihre Liebe gestanden. Hier schreiben verzweifelte Frauen verzweifelte Briefe an Julia und fragen sie in Liebesdingen um Rat. Der «Club di Giulietta», eine Vereinigung aus mehreren Frauen, beantwortet diese Briefe – dies übrigens nicht nur im Film, sondern auch in Wirklichkeit. Sophie, die eh' nichts anderes zu tun hat, macht stante pede bei dem Club mit und findet in der Mauer bei Julias Balkon einen übersehenen Brief aus dem Jahr 1957.

Die Absenderin Claire hatte sich als junge Frau in einen gewissen Lorenzo verliebt, ist aber vor dieser Liebe geflohen. Als Sophie ihr nun mehr als 50 Jahre später antwortet, reist Claire – gespielt von einer sichtlich gealterten, aber nach wie vor viel Würde ausstrahlenden Vanessa Redgrave («Wiedersehen in Howards End») – schnurstracks mit ihrem Enkel nach Verona, um ihre erste große Liebe wiederzufinden. Bis zum Happy End passiert dann natürlich noch einiges: Lorenzo wird lange nicht gefunden, Enkel und Sophie necken sich erst, dann verlieben sie sich, ein paar Sehnsüchte und Missverständnisse werden ausgetauscht, bis am Ende doch alle beim Richtigen landen.

Die Romanze unter der Regie von Gary Winick («Bride Wars – Beste Feindinnen») erzählt also eine Geschichte wie viele andere, die man leider schon nach wenigen Szenen vorhersagen kann. Gefallen an dem Film finden kann man dennoch, wenn man sich auf die schönen Bilder von Verona und von der Toskana konzentriert. Auch die Darsteller spielen allesamt ordentlich, darunter Christopher Egan («Eragon ­ Das Vermächtnis der Drachenreiter»), ein charmanter blonder Schwiegermuttertraum, der eine süffisante Ironie in sein Spiel legt.

Überhaupt rettet dies den Film: Eine Spur Selbstironie, als zum Beispiel der richtige Lorenzo einem Märchenprinzen gleich auf einem Ross an seinen eigenen Weinfeldern vorbei- und Claire entgegen reitet. Hier kann man beherzt lachen und sich den Schweiß von der Stirn wischen: Der Film weiß also, dass er kitschig ist, und er genießt es. Und so manche Zuschauer dann wohl auch.

www.briefe-an-julia.de

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