40.000
  • Startseite
  • » Kino & TV
  • » Filmkritik
  • » Blutig und bildgewaltig: Nicole Kidman in «Stoker»
  • Aus unserem Archiv
    Berlin

    Blutig und bildgewaltig: Nicole Kidman in «Stoker»

    Ein Schocker mit Stil und zwei völlig gegensätzliche Schauspielerinnen. Für seinen Psychothriller «Stoker - Die Unschuld endet» hat der südkoreanische Regisseur Park Chan Wook («Lady Vengeance») zwei Frauen vor die Kamera geholt, die auf den ersten Blick nur ihre Herkunft verbindet.

    «Stoker»
    Evelyn (Nicole Kidman/l) und India (Mia Wasikowska) sitzen in «Stoker» an einem Tisch - doch der Friede trügt.
    Foto: Twentieth Century Fox - DPA

    Nicole Kidman (45) und Mia Wasikowska (23) sind beide Australierinnen. Im Film spielen sie Mutter und Tochter und für den Zuschauer wird schnell klar: Die junge Schauspielerin spielt ihre erfahrenere Kollegin glatt an die Wand.

    Wasikowska («Alice im Wunderland») ist die 18-jährige India Stoker. Als Indias geliebter Vater stirbt, geht sie mit dem Verlust völlig anders um als ihre leicht überspannte Mutter Evelyn, die Kidman als egozentrisches, puppenhaftes und ziemlich weltfremdes Wesen im luftleeren Raum spielt. Wasikowska macht aus India ein hypersensibles Mädchen mit kleinen bis großen Spleens, das einem fatalen Familiengeheimnis auf die Spur kommt.

    Bei der Beerdigung ihres Vaters taucht überraschend der lange verschollene Onkel Charlie (Matthew Goode) wieder auf - fortan ist alles infrage gestellt, was das zwar emotional kühle, aber doch wohlgeordnete Miteinander der wohlhabenden Familie ausmachte.

    Während Evelyn sofort von Charlies Charme in den Bann gezogen wird, bleibt India zunächst misstrauisch - sehr zurecht. Denn der geheimnisvolle Onkel ist alles andere als harmlos. Park Chan Wook hat seine stilvolle Horrorstory mit vielen, kleinen und anspielungsreichen Details gespickt. So schleicht sich die Angst ganz langsam in das große, zeitlos luxuriös ausgestattete Haus der Familie und in den Kopf des Zuschauers.

    Zuerst sind es nur Kleinigkeiten, die irritieren: Die Spinne, die India ohne mit der Wimper zu zucken an ihrem Bein hochklettern lässt, während sie Klavier spielt. Die schwarz-weißen Halbschuhe, von denen India zu jedem Geburtstag ein neues Paar erhält. Indias Vorliebe für Retro-Kleider, die sie in der Schule zur Außenseiterin, aber auch zum aggressiv umworbenen Zielobjekt jugendlicher Sexprotze werden lassen. Onkel Charlie gräbt aus unerfindlichen Gründen gerne im Garten tiefe Löcher. Die Abgründe in der wohlhabenden Familie sind tief.

    Mit brillant komponierten Tableaus lotet Park Chan Wook die Gefühlswelt von India aus. Im Gegensatz zu Indias düsterem Blick auf ihr Leben, befeuert der Regisseur die Fantasie des Kinogängers mit immer aufwendiger gestalteten, melancholisch-schönen Bildern - bis alles in atemberaubender Gewalt explodiert.

    Dabei geht Park Chan Wook ganz anders mit der Darstellung von Brutalität um als zum Beispiel Quentin Tarantino («Pulp Fiction», «Django Unchained») mit seiner expressiven und ironisch überhöhten Darstellung. Für Park Chan Wook scheint das Grauen vor allem ein ästhetisches Phänomen zu sein - sinnbildlich dafür steht eine genüsslich zelebrierte Szene, in der rotes Blut kunstvoll auf das Grün von Pflanzen spritzt. «Stoker» ist eindeutig ein Schocker - mit ausgeklügelter Story, einer faszinierenden jungen Darstellerin und sorgfältig inszenierten Gewaltausbrüchen.

    Stoker

    /starline/kino/filmbesprechung/
    Meistgelesene Artikel
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
    Claus Ambrosius 

    Leiter Kultur

    Claus Ambrosius

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Anke Mersmann

     

    Kontakt per Mail

    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Redakteurin Kultur

    Melanie Schröder

     

    Kontakt per Mail

    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!