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    Hamburg

    Bestsellerverfilmung «Ruhm»

    Aus Daniel Kehlmanns Erfolgsroman «Ruhm» hat die Regisseurin Isabel Kleefeld einen starbesetzten Episodenfilm gemacht. Es geht um die eigene Identität, Scheinwirklichkeiten und Wirklichkeiten, und den ironischen Blick auf den Literaturbetrieb und dessen Eitelkeiten.

    Kinostarts - 'Ruhm'
    Filmstar Ralf Tanner wird von einem Doppelgänger verdrängt.
    Foto: Martin Valentin Menke/NFP - DPA

    Romanverfilmungen bergen stets eine gewisse Gefahr. Zu groß sind die Erwartungen der Zuschauer und erfahrenen Leser, die sich längst ein eigenes Bild von Personen, Schauplätzen und Stimmungen gemacht haben.

    Ob ein Roman funktioniert, hängt meist entscheidend davon ab, ob diese Imagination funktioniert. In Daniel Kehlmanns 2009 erschienenen Roman «Ruhm - ein Roman in neun Geschichten» funktioniert sie. Die gleichnamige Verfilmung von Isabel Kleefeld allerdings offenbart genau diese Schwierigkeit und setzt vor allem auf die Stars der deutschen Filmlandschaft: Heino Ferch, Senta Berger, Justus von Dohnányi. Selbst Kehlmann hat einen kleinen Gastauftritt.

    Elektroingenieur Ebeling (überzeugend paddelig: von Dohnányi) hat sich nach langem Drängen seiner Frau endlich ein Handy zugelegt. Doch die Nummer scheint an einen anderen vergeben, und so erhält er ständig Anrufe, die nicht für ihn bestimmt sind. Anfänglich verwirrt bis verärgert gewinnt er zunehmend Spaß an dem Spiel, verabredet sich mit den Frauen mit den erotischen Stimmen, schließt Verträge ab und arrangiert Treffen.

    Derweil wundert sich Filmstar Ralf Tanner (Heino Ferch), warum sein Handy schon seit Tagen nicht mehr klingelt. Gleichzeitig ist er seines Ruhms, seiner Bekanntheit zunehmend überdrüssig. Er begibt sich zu einem Doppelgänger-Contest und wird plötzlich zu einer Imitation seiner selbst. Denn irgendwann hat ein Doppelgänger Tanners Position in der Villa und im Filmbusiness eingenommen.

    Und dann gibt es da noch den erfolgreichen, selbstgefälligen Leo Richter (Stefan Kurt), der mit seiner Freundin Elisabeth (Julia Koschitz) auf Lesereise nach Südamerika geht und feststellt, dass er nichts ist ohne die Aufmerksamkeit eines anderen. Julia fürchtet derweil, dass Leo alles, was sie ihm erzählt, in seinen Büchern auftaucht und entfernt sich von ihm. Die weniger erfolgreiche Autorin Maria Rubinstein nimmt zeitgleich für Leo einen Platz auf einer Pressereise in ein fiktives Land im Ostblock ein, dort sitzen gelassen wird, weil jemand anderes auf der Liste steht und plötzlich alleine in der Pampa ist - auch weil ihr Handyakku leer ist.

    Es geht also um Identität und Lebenswirklichkeit, die Suche, wer oder was das eigene Leben bestimmt. Eine zentrale Rolle nimmt dabei das Handy ein, das längst nicht mehr nur Kommunikationsmittel ist, sondern längst identitäts- und wirklichkeitsstiftend ist. Das Handy bestimmt, wer oder was man ist.

    Diese Episoden haben durchaus ihren Reiz. Kehlmann hat sie in seinem Roman größtenteils geschickt miteinander verwoben und sich dabei auf eine metafiktionale Ebene begeben, in der er das Thema Schreiben, das Eigenleben der Autoren in den Geschichten und das Eigenständigwerden der Figuren thematisiert. Das alles war schon 2009 bei Erscheinen nicht neu, dank Kehlmanns virtuoser Sprache und seinem Sinn für groteske Figuren aber durchaus charmant.

    Der Film allerdings verlässt sich zu sehr auf die skurrilen Geschichten und Personen sowie auf das prominente Personal. Dabei gelingt es Isabel Kleefeld nicht, ihre Figuren lebendig zu machen und ihnen Tiefe zu geben. Stattdessen verliert sie sich in langatmigen Erzählungen viel zu dick aufgetragener Klischees. Das ermüdet und lässt einen irgendwann nicht einmal mehr müde schmunzeln.

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