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Angelina Jolie als toughe Action-Heldin «Salt»

dpa

Der Kalte Krieg ist zurück. Und das aus gutem Kino-Grund: Wer einen groß angelegten, klassisch-brutalen Agententhriller auf die Leinwand bannen möchte, der sieht die Welt eben gern – à la James Bond – in zwei einander feindlich gesinnte Machtblöcke aufgeteilt.

«Salt»
Angelina Jolie und Brad Pitt bei der Premiere von «Salt» in Los Angeles.

So geraten Heldin und Widersacher des neuen, an den US-Kassen sehr erfolgreichen Actionfilms «Salt» zu Kindern des untergegangenen Sowjetreichs. Sie wollen endlich Amerika vernichten – beziehungsweise retten. Denn wer böse und wer gut ist, bleibt in Phillip Noyce mittelprächtig gelungenem Werk bewusst rätselhaft.

Verwirrend erscheint vor allem die Identität Evelyn Salts, einer überirdisch toughen, der Gegenspionage verdächtigten CIA-Agentin – aus der Ferne lässt die Geschichte von «The Bourne Identity» grüßen. Und in Angelina Jolie, Hollywoods Super-Diva, hat die Titelheldin eine passende, hoch attraktive Verkörperung gefunden: Immerhin wird das Image von Brad Pitts Langzeitpartnerin derzeit PR-gerecht aufgeblasen durch eine «Unauthorized Biography», eine unautorisierte Biografie.

Autor Andrew Morton, der mit seinen Enthüllungsgeschichten über Lady Diana bekannt wurde, beschreibt darin die «schönste Frau der Welt» einmal mehr als Heilige und Hure: als Mutter von sechs Kindern und Menschenrechts-Aktivistin, sowie als angebliche Sex-and-Drugs-Liebhaberin, die mit Mick Jagger im Sadomaso-Club gewesen sein soll.

Nun stemmt die 35-jährige Jolie wieder locker einen ganzen Action-Thriller. Kampferprobt und Leinwand-präsent wie sie nach «Lara Croft: Tomb Raider» oder «Mr. & Mrs. Smith» ist, nimmt man ihr das pausenlose Töten, die unrealistischen Verfolgungsjagden auf Lkw-Dächern und die Sprünge aus fahrenden U-Bahnen locker ab. Wie stets sieht die gertenschlanke Akteurin extrem fotogen und angemessen geheimnisvoll aus. Ihre Perücken und Gesichtsmasken bleiben Zusatzreize. Mehr darstellerische Leistung ist für diesen stunt-beladenen Film keinesfalls nötig.

Blockbuster-Regisseur Noyce («Der Knochenjäger», «Das Kartell») weiß schließlich, was Genre-Fans wünschen. Gewieft fährt er rund eineinhalb Stunden lang auf, was zu ihrer Unterhaltung gehört: eine düstere, kalte Umgebung, in der Hightech zum Feind der Menschheit wird. Enge, verschachtelte Räume, die das Individuum zu erdrücken scheinen. Stets zu Schießereien, Schlägereien und Folter bereites Personal. Fluchten, die so viel artistisches Geschick verlangen, wie wohl kein Sterblicher es hat. Und eben das Szenario eines finalen Schlages von Sowjet-Ideologen gegen Demokratie und Freiheit.

Zusammengeschnitten zu knappen Szenen mit schnellen Zeit- und Ortssprüngen ergibt sich daraus Salts Welt, unterlegt von einer pathetisch peitschenden Musikkulisse. Mit einer Botschaft oder gar Horizonterweiterung dient der Thriller allerdings nicht. Dafür wartet er aber eben mit einer toughen weiblichen Heldin auf.

Dass Salt eine Frau ist, ergab sich übrigens erst im Laufe der Arbeit an dem Film. Zunächst sollte der Held Edwyn Salt heißen und von Tom Cruise gespielt werden. Doch der stieg aus, um mit Cameron Diaz die von Kritikern wenig geliebte Actionkomödie «Knight and Day» zu drehen. Nun ist die weibliche Note das Salz in Noyce Suppe. Außerdem ergab sich dadurch auch eine Chance für August Diehl («Inglourious Basterds»): Der sanft wirkende Mime gibt als Deutscher namens Krause den Ehemann von Mrs. Salt – den einzigen richtig netten Typen im ganzen Geschehen.

www.salt-derfilm.de

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