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    Hamburg

    «An Education»: Scherfigs bitter-süße Lektion für das Leben

    England 1961: Angeregt plaudert das aparte Schulmädchen (Carey Mulligan) mit seinen Freundinnen auf der Straße. Als es im strömenden Regen den Heimweg antritt, fährt ein attraktiver Mittdreißiger (Peter Sarsgaard) in seinem schnittigen Bristol Roadster im Schritt-Tempo neben der 16-Jährigen her.

    Belustigt erklärt er, dass er als passionierter Musikliebhaber um ihr Cello besorgt sei. Sie lässt sich auf das ungewöhnliche Angebot ein und läuft neben dem Sportwagen her, während das Instrument auf dem Rücksitz des Wagens chauffiert wird.

    In ihrem englischsprachigen Kinofilm «An Education» lässt die dänische Regisseurin Lone Scherfig («Italienisch für Anfänger», «Wilbur Wants to Kill Himself») die junge Protagonistin in ihr erstes großes Liebesabenteuer stolpern. Es ist aufregend, aufwühlend, atemberaubend – ihre ganze Welt gerät völlig aus den Fugen.

    Die berührende Story basiert auf den Memoiren der britischen Journalistin Lynn Barber, die erstmals in einem Literaturmagazin veröffentlicht wurden. Die autobiografische Erzählung weckte das Interesse des preisgekrönten Autors und Produzenten Nick Hornby («About a Boy»), und er adaptierte den Stoff – auch als typisches Zeitbild – für die Kinoleinwand.

    Als der smarte, attraktive Geschäftsmann in das Leben der zielstrebigen Schülerin tritt, die in der eintönigen Londoner Vorstadt nur von einem Studienplatz in Oxford träumte, eröffnet er ihr schlagartig eine faszinierende, neue Welt. Er führt sie in edle Restaurants und besucht mit ihr klassische Konzerte, verrauchte Nachtclubs, mondäne Dinner-Partys oder spektakuläre Kunstaktionen.

    Selbst ihre konservativen Eltern (Alfred Molina, Cara Seymour) erliegen auf Anhieb dem Charme des Mannes und lassen ihre minderjährige Tochter sogar mit ihm nach Paris reisen. Nur ihre Englischlehrerin (Olivia Williams) und die Schuldirektorin (Emma Thompson) sind entsetzt.

    Die hinreißende 24-jährige Mulligan («Stolz und Vorurteil») spielt die Wandlung vom gelangweilten Teenager zu einer erwachsenen jungen Frau so überzeugend, dass sie eine Oscar-Nominierung als Beste Hauptdarstellerin erhielt. Bei der 82. Verleihung der Academy Awards am 7. März 2010 wird der zauberhafte Film mit insgesamt drei Nominierungen ins Rennen geschickt. Die Produzenten Finola Dwyer und Amanda Posey konkurrieren in der Königs-Kategorie Bester Film unter anderem mit dem Oscar-Favoriten «Avatar – Aufbruch nach Pandora», während Hornby mit seinem packenden Skript für das Beste adaptierte Drehbuch nominiert wurde.

    In «An Education» schafft es Scherfig, dem Zuschauer das prickelnde Gefühl der ersten großen Liebe zu vermitteln. Die Farbdramaturgie des Films unterstreicht die graue Alltagstristesse des Elternhauses, in das plötzlich ein bunter Vogel flattert und die 16-Jährige in farbig schillernde Welten entführt. Mit der mitreißenden Geschichte über den Verlust der Unschuld und das Erwachsenwerden trifft die dänische «Dogma»-Regisseurin mitten ins Herz. Zu einer Zeit, in der die verkrusteten gesellschaftlichen Konventionen aufbrechen und die pulsierende Leichtigkeit des Seins zelebriert wird, muss die junge Frau eine schmerzhafte Lektion für ihr Leben lernen.

    www.aneducation-derfilm.de

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