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Sandwich

Kaymer und Langer im Schatten von Golfstar McIlroy

dpa

Alles dreht sich bei den 140. British Open um den neuen Golf-Superstar Rory McIlroy. Der 22-jährige Liebling der Massen aus dem nordirischen Holywood stellt seit seinem US-Open-Triumph Anfang Juni in den südenglischen Dünen von Sandwich alles auf den Kopf – wie einst Tiger Woods.

Starrummel
Rory McIIroy musste beim Training auf dem Royal St. Georges Golf Course viele Autogramme schreiben.
Foto: DPA

«McIlroy kehrt zurück auf die Erde» und «Rory ist bereit zu Allem, seitdem sich die Welt auf den neuen Helden einstimmt», titelten englische Gazetten, bevor der Jungstar nach dreiwöchiger Golfpause und einem Medienmarathon zur Pressekonferenz in Sandwich erschien. «Ich muss vergessen, was in den letzten Wochen passiert ist. Ich muss nur versuchen, das nächste Golfturnier zu gewinnen», sagte der 8:1-Topfavorit, der seit 10 Tagen wieder trainiert.

Selbst die englischen Weltranglistenführenden Luke Donald und Lee Westwood (je 12:1) sowie Martin Kaymer aus Mettmann (25:1) als Nummer drei der Hackordnung werden vor dem Kampf um den wertvollsten Titel unter den vier Majors nur am Rande wahrgenommen. Und das, obwohl Donald mit seinem Sieg bei den Scottish Open seinen Platz an der Spitze der Weltrangliste eindrucksvoll untermauert hat.

Die «Rory-Mania» im Royal St. George's Golfclub am Ärmelkanal kommt den Mitfavoriten trotzdem nicht ganz ungelegen. «Es ist ganz schön, dass Rory die Aufmerksamkeit so anzieht. Ich habe dadurch ein ruhige Woche», sagte Kaymer. Zusammen mit Kollegen wie Hendrik Stenson oder seinem spanischen Kumpel Alvaro Quiros hat er ein Haus mit zwölf Schlafzimmern gemietet, um sich «mal zurückziehen zu können», zur «Ablenkung mal Fußball und Billard» zu spielen. «Die Open sind mein Lieblingsturnier. Das ist eine Kämpferwoche, weil die Open ein ganz anderes Golfturnier sind als alle anderen Majors. Ich liebe diese Herausforderung», sagte Kaymer.

Als erster Deutscher will der 26-Jährige in diesem Jahr die silberne Rotweinkanne («The Claret Jug») als Siegtrophäe gewinnen. «Im vergangenen Jahr war ich dicht dran. Der Titel steht ganz oben auf meiner Liste.» 2010 war für Kaymer in St. Andrews auf der letzten Runde der Traum vom ersten Major-Titel geplatzt. Der geteilte 7. Rang hinter Überraschungssieger Louis Oosthuizen (Südafrika) war aber schon ein Hinweis auf den späteren ersten Major-Titel bei der US-PGA-Championship.

Ende Februar erklomm der Musterprofi erstmals und für acht Wochen den Golfthron als Nummer 1. Danach ging es leicht bergab – aber in Sandwich will sich Kaymer zurückmelden: «Die Schwierigkeiten sind schon heftig, aber das ist es, was mir den Kick gibt.» Um sich zu wappnen, hat er mit Golf-Altmeister Bernhard Langer Trainingsrunden gespielt und «einige Tipps» bekommen. «Von seinem Auftritt, wie er sich bewegt, kann ich nur lernen. Aber er ärgert sich immer noch, dass er 1981, 1985 und 1993 dreimal so kurz vor dem Sieg stand und nicht gewonnen hat», sagte Kaymer.

Auch Langer hat sich bei seinen bisher 30 Versuchen immer die Zähne am British-Open-Titel ausgebissen. Der 53-jährige Schwabe steht nach fünfjähriger Abstinenz wieder in Sandwich am Abschlag und ist neben Kaymer einer von nur zwei deutschen Startern unter 156 Kandidaten. Als Sieger der vorjährigen British Senior Open ist er erstmals seit 2006 wieder qualifiziert. Sein Start ist allerdings wegen anhaltender Schmerzen im linken Daumen noch ungewiss.

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