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    Nordkoreas «heimliche» Ruhe: Training im Township

    Tembisa/Johannesburg (dpa) - Wer mitten in einem Township trainiert, muss sich vor einem übergroßen Andrang ohnehin nicht fürchten. Irgendwie haben sich Nordkoreas Fußballer also doch ganz gut abgeschottet.

    Die ein bis zwei Dutzend Journalisten, die sich nach Tembisa wagten, konnten den Disziplin-Fanatikern zumindest täglich eine Viertelstunde bei spielerischen Aufwärmübungen zuschauen. Lauschen, wie der Medienmann des Weltranglisten-105. die Spieler bei den kurzen Presserunden im vor über 50 Jahren gegründeten Armenviertel zwischen Pretoria und Johannesburg übersetzte. Und dabei Sätze vernehmen, dass man auch Brasilien schlagen könne.

    Niemand kennt die kickenden Botschafter aus dem berüchtigten und international isolierten Land wirklich. Zwar hat man mittlerweile gehört, dass einer der Ersatztorhüter in Wirklichkeit ein Stürmer ist, dass die Trikots in Spanien gekauft wurden und dass man Fan-Söldner aus China akquiriert hat - aber so richtig weiter bringt einen das auch nicht.

    Was die Öffentlichkeit vom Team weiß, scheint den Nordkoreanern selbst auch ziemlich egal. Ihr vorrangiges Ziel: Sie wollen in Südafrika eine gute Figur abgeben. Und das in erster Linie für ihre Heimat und ihr Regime um Militärmachthaber Kim Jong Il. «Wir Spieler wollen das Land ehren. Daran denken alle in dem Moment», lautete kurz vor einer Übungs-Einheiten auch die übersetzte Antwort von Mittelfeldmann Kim Yong Jun auf die Frage, ob man bei der WM nicht für sich selbst bei internationalen Clubs werben könne.

    Dort, wo wenige Tage vor der Weltmeisterschaft eine Massenpanik beim Testspiel zwischen Nordkorea und Nigeria ausgebrochen war, umringt von Wellblechhütten, Lehmhäusern und einigen Steinbauten, liegt das «Makhulong Stadium», in das sich die Nordkoreaner zum Training zurückziehen. In dem baufälligen Stadion bringt Trainer Kim Jong Hun sein Team auf WM-Trap.

    Gewohnt wird gediegener. Rund 30 Minuten entfernt am Rande Midrands, in der Nachbarschaft von ein paar feudalen Büro-Anlagen. Alles nicht sonderlich abgeschirmt. Ein Polizei-Jeep steht vor dem Hoteltor, ein paar Afrikaner fahren hinein oder hinaus, Schaulustige verlieren sich hier nicht. Für den Mannschaftsbus und die Eskorte aus sieben Begleitwagen wird auf dem Weg zum Trainingsgrund immerhin der Auto-Verkehr kurz angehalten.

    Am Trainingsort selbst hält das Team der «Chollima», der geflügelten Pferde, die öffentlichen Pflichttermine geduldig ab. Allerdings wird um Fragen zum Fußball gebeten, Auskünfte über andere Gruppen - zum Beispiel über das Abschneiden Südkoreas - werden nicht erteilt. Der Süden war da erwartungsgemäß offener. «Sie werden nicht alle drei Spiele verlieren», mutmaßte Südkoreas Ji Sung Park (Manchester United). «Wir freuen uns auf das Spiel von Nordkorea gegen Brasilien.»

    In den Tagen vor dem Auftakt gegen die «Seleção» trainierten die Nordkoreaner stets am frühen Abend. Mit einsetzender Dämmerung hat man in Tembisa sowieso seine Ruhe. Denn wenn bei sinkenden Temperaturen in Eisentonnen alles abgefackelt wird, was für ein wenig Wärme sorgt und im überall ein beißender Geruch umherweht, gibt es gemütlichere und sicherlich auch ungefährlichere Orte als das rauchige Township.

    Vor allem Journalisten aus Portugal und Brasilien kamen ans Trainingsgelände heraus. Aber so richtig schlau werden sie auch nicht aus ihrem Gruppengegner, der unmittelbar vor dem Turnierstart genügend Selbstvertrauen hat. «Wir werden jedenfalls unser Bestes geben. Wir wissen, dass wir gewinnen müssen, um die K.o.-Phase zu erreichen, daher spielt es keine Rolle, gegen wen wir spielen», sagte Coach Kim Jong Hun, der Monate voller Trainingslager abhalten konnte.

    Ob es wie 1966, als es das sagenumwobene 1:0 gegen Italien und eine spätere K.o.-Rundenpleite gegen Portugal gab, zum Weiterkommen reicht, ist gegen Brasilien, Portugal und die Elfenbeinküste doch sehr unwahrscheinlich. Und auch die zweite Mission ist keineswegs einfacher. Man wolle etwas für das Image Nordkoreas tun, betonte Jong Tae Se, der «Rooney Asiens». Man darf gespannt sein, ob das gelingt.

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