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Rustenburg

Japans Samurai: «Im Halbfinale gegen Deutschland»

dpa

Japans Fußball-Künstler werden kess. Das Achtelfinale soll für Trainer Okadas Mannen nur Zwischenstation sein. Top-Stürmer Honda spricht offen vom WM-Titel, Nippon ist außer Rand und Band. Die geschlagenen Dänen stehen dagegen vor einem Umbruch.

Jubel
Die Japaner jubeln über den 3:1-Sieg gegen Dänemark.

Mit einer tiefen Verbeugung verschwand Japans Erfolgstrainer Takeshi Okada in die Nacht, für seine «Blue Samurai» aber ist die Zeit der Demut vorbei. «Ich würde gern im Halbfinale gegen Deutschland spielen», meinte Kapitän Makoto Hasebe vom VfL Wolfsburg nach dem ersten Einzug in ein WM-Achtelfinale auf fremdem Boden forsch. Zauberkicker Keisuke Honda ging sogar noch weiter. «Unser Ziel ist noch fern. Ich habe den Leuten in Japan schon vorher gesagt, dass der WM-Titel nicht unmöglich ist», erklärte der Torjäger nach dem beeindruckenden 3:1 gegen Dänemark.

Die düpierten Dänen machten sich hingegen nach der Pleite von Rustenburg frustriert ans Kofferpacken. «Natürlich sind wir enttäuscht. Wir haben leider in keinem unserer drei Spiele wirklich einmal alles zusammengebracht», klagte Coach Morten Olsen. «Beleidigend schlecht», fand das «Ekstra Bladet» den Auftritt der «Olsen-Bande». Zum ersten Mal scheiterte der Europameister von 1992 schon in der WM-Vorrunde. «Die Japaner hatten es verdient», gestand Stürmerstar Nicklas Bendtner zerknirscht.

Tatsächlich lieferten die Söhne Nippons einen erstaunlichen Nachweis ihrer enorm gewachsenen Qualität. Die Freistoß-Knüller von Honda (17. Minute) und Yasuhito Endo (30.) waren Extraklasse. Und das 3:1 von Shinji Okazaki (87.) bereitete der kaum zu stoppende Honda zudem genial vor. «Die Mannschaft hat unserem ganzen Land Energie und Stolz verliehen», lobte Premier Naoto Kan aus der Heimat.

Ganz Japan hatte sich am frühen Morgen in ein Jubelmeer verwandelt. Vielerorts fieberten tausende Fans vor Riesen-Leinwänden mit, die Fernseh-Übertragung erreichte Spitzenwerte. Noch lange nach der Partie liefen die drei Traumtore in Dauerschleife im TV, die Zeitungen druckten Sonderausgaben. «Ein historischer Sieg», meinte das konservative Blatt «Sankei Shimbun».

Die «Ninja-Strategie» von Coach Okada sei aufgegangen, lautete das Urteil. «Es gibt viele Gründe für den Erfolg», meinte «Oka-chan» selbst. Sein Team bilde eine Einheit, die Spieler seien kräftiger und kaltschnäuziger geworden, dozierte der Trainer. Und auch Südafrikas Winter helfe gewaltig. «Das kühle Wetter kommt uns entgegen, weil wir hier bis zum Ende laufen können», stellte Okada zufrieden fest.

«Wir können viel Selbstvertrauen aus diesem Spiel ziehen. Jetzt müssen wir unseren Weg weitergehen», meinte Torwart Eiji Kawashima vor dem Achtelfinale gegen Paraguay . «Jetzt haben wir eine große Chance», urteilte Bundesliga-Profi Hasebe.

Die Dänen waren da noch mit den Aufräumarbeiten beschäftigte. Torjäger Bendtner, dessen Leistenblessur ihn und damit das Team in Südafrika hemmte, hatte die Schuldigen für das Aus schnell gefunden: Keeper Thomas Sørensen und den südafrikanischen Referee Jerome Damon. «Das erste Tor darf niemals fallen. Und der Freistoß beim 2:0 war überhaupt keiner. Der Schiedsrichter war eine Schande», schimpfte der 22-Jährige vom FC Arsenal.

Sofort nach der Partie erklärten die Mittelfeldspieler Martin Jørgensen und Jesper Grønkjær ihren Rücktritt aus dem Nationalteam. Weitere Routiniers wie Sørensen, Jon Dahl Tomasson und Dennis Rommedahl dürften folgen. «Lieber Morten Olsen, jetzt musst du kräftig aufräumen», forderte die Zeitung «B.T.». Der Coach konterte prompt genervt und fragte: «Darf ich erstmal Urlaub machen?»

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