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Rom

Addio Italia: Tifosi sprachlos und enttäuscht

Lange Gesichter, keine Hupkonzerte: Maßlos enttäuscht und zunächst einmal sprachlos haben die Italiener das Ausscheiden des Weltmeisters schon in der Vorrunde der Fußball-WM aufgenommen.

Konsterniert
Fassungslos stehen die Italiener Cannavaro (l) und Maggio nach Spielende auf dem Rasen.

Die schlimmsten Befürchtungen wurden wahr, denn viel hatten sie ihren müden «Azzurri» bei dieser WM in Südafrika ohnehin nicht zugetraut. Und nun diese Blamage gegen die Slowakei! Die Sprecher des RAI- Fernsehens hatten am Ende nur noch Trauer in der Stimme. Erst Minuten später begannen sie, das Desaster fachmännisch zu kommentieren.

Selbst im Parlament in Rom herrschte bodenlose Enttäuschung, nachdem das erste Tor der Slowaken dort noch mit Schreien aufgenommen worden war. «Ihr solltet jetzt ein wenig ruhiger werden», hatte die Vize-Präsidentin des Abgeordnetenhauses, Rosy Bindi, den Kollegen noch aufgerufen, «zumal die Slowakei gerade ein Tor gemacht hat.» Kurz glimmte nach dem späten Anschlusstreffer durch Di Natale im Stiefelland noch ein Funken Hoffnung auf. Doch auch das Mitfiebern bei der Aufholjagd der «Squadra Azzurra» half nicht mehr.

«Was für eine Schande, das war einfach lachhaft», meinte Minister Roberto Calderoli von der Lega Nord, die Millionäre hätten Beine aus Gelatine und einen kurzen Atem auf ihrem «Kreuzweg» bei dieser WM gezeigt. Misstöne hatte es schon in den vergangenen Tagen nicht nur wegen der miesen Leistungen der italienischen Elf in den ersten beiden Spielen gegeben.

Der saloppe Umberto Bossi von der rechtspopulistischen Lega Nord hatte den italienischen Fußball schlichtweg für korrupt erklärt: «In jedem Fall werden sie das Spiel kaufen», behauptete Bossi, der auf die Elf von Trainer Marcello Lippi nicht gut zu sprechen war, am vergangenen Dienstag. Später ruderte er dann zurück: Es sei nur ein Scherz gewesen.

Ein italienischer Fußballfan musste sich an diesem Tag förmlich zerreißen: Tarcisio Bertone, Kardinalstaatssekretär und damit zweiter Mann hinter Papst Benedikt XVI. im Vatikan. Eigentlich hatte er nur seine Italiener unterstützen wollen, doch sein «Chef» hatte ihm noch etwas anderes abgerungen: «Ich musste dem Heiligen Vater sagen, dass ich für Deutschland die Daumen gedrückt hätte.»

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